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Heinitz, Samuel: De Voluntate Dei, Von Gottes Willen. Oels, 1622.

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Leichpredigt.
Was schüldiget er denn vns? Wer kan seinem willen wider-
stehen? Vnd darauff bald Antwortet. Ja lieber Mensch/
Wer bistu denn/ das du mit Gott Rechten wilt? Spricht
auch ein Werck zu seinem Meister/ warumb machstu michEs. 45. v. 9.
Jer. 18. v.
6.

also/ hat nicht ein Töpffer macht auß einem Klumpen zu-
machen/ ein Faß zu ehren/ vnnd das ander zu vnehren?
Zeyget hiemit an/ das vnsers H. Gottes werck nicht nach
vnserm Verstand vnd Gutdüncken oder erachten zu Vr-
theylen sein/ denn sie selbst sind jhre eygene Regel. Sinte-
mal/ was Gott thut/ ist alles recht. Das Er aber etliche
Menschen induriret vnd verhärttet/ Findet Er die Vrsach
in denselben Menschen/ darumb Er sie billich verhärtte.
Vnd ist also der Wille seiner Gerechtigkeit/ das die Vn-
bußfertigen/ die seine Gnade außschlagen/ verdampt sein/
zu rühmen vnd preysen/ den niemandt tadeln vnd wider-
stehen könne oder solle. Denn es heist doch:

Indurat mollire DEus quos ante volebat,
Flectere quae voluit corda vigere facit.
Coecutire sinit, lucem quib. obtulit ante,
Et quos nolentes jußit adesse, fugat.

Weil dann hier des Willens Gottes außdrücklich gedacht
wird/ So lasst vns Anfänglich bekümmern vmb den Willen
des Allerhöchsten/ vnd den selben recht erkennen/ von welchen
der alte Lehrer Augustinus sagt: Omne efficiens majusAugustin.
Tom. 4.
lib. 83.
quaest.
28.

est, quam id quod efficitur. Nihil autem majus est
voluntate Dei: non ergo ejus causa quaerenda est.

Was etwas wircket oder macht/ das ist ja grösser als das
Werck das gemacht wird. Nun ist aber nichts grössers als
Gottes will/ darumb desselben Vrsach nicht zuerforschen.
Vnd in dieser Schwachheit vnmöglichen ist zu definiren.to thelema
theleton.

Sagen in einfalt/ das Gottes will/ sein Rath vnd Schluß/

sey
B

Leichpredigt.
Was ſchuͤldiget er deñ vns? Wer kan ſeinem willen wider-
ſtehen? Vnd darauff bald Antwortet. Ja lieber Menſch/
Wer biſtu denn/ das du mit Gott Rechten wilt? Spricht
auch ein Werck zu ſeinem Meiſter/ warumb machſtu michEſ. 45. v. 9.
Jer. 18. v.
6.

alſo/ hat nicht ein Toͤpffer macht auß einem Klumpen zu-
machen/ ein Faß zu ehren/ vnnd das ander zu vnehren?
Zeyget hiemit an/ das vnſers H. Gottes werck nicht nach
vnſerm Verſtand vnd Gutduͤncken oder erachten zu Vr-
theylen ſein/ denn ſie ſelbſt ſind jhre eygene Regel. Sinte-
mal/ was Gott thut/ iſt alles recht. Das Er aber etliche
Menſchen induriret vñ verhaͤrttet/ Findet Er die Vrſach
in denſelben Menſchen/ darumb Er ſie billich verhaͤrtte.
Vnd iſt alſo der Wille ſeiner Gerechtigkeit/ das die Vn-
bußfertigen/ die ſeine Gnade außſchlagen/ verdampt ſein/
zu ruͤhmen vnd preyſen/ den niemandt tadeln vnd wider-
ſtehen koͤnne oder ſolle. Denn es heiſt doch:

Indurat mollire DEus quos ante volebat,
Flectere quæ voluit corda vigere facit.
Cœcutire ſinit, lucem quib. obtulit ante,
Et quos nolentes jußit adeſſe, fugat.

Weil dann hier des Willens Gottes außdruͤcklich gedacht
wird/ So laſſt vns Anfaͤnglich bekuͤm̃ern vmb den Willen
des Allerhoͤchſten/ vnd den ſelben recht erkennen/ von welchen
der alte Lehrer Auguſtinus ſagt: Omne efficiens majusAugustin.
Tom. 4.
lib. 83.
quæſt.
28.

eſt, quàm id quod efficitur. Nihil autem majus eſt
voluntate Dei: non ergo ejus cauſa quærenda eſt.

Was etwas wircket oder macht/ das iſt ja groͤſſer als das
Werck das gemacht wird. Nun iſt aber nichts groͤſſers als
Gottes will/ darumb deſſelben Vrſach nicht zuerforſchen.
Vnd in dieſer Schwachheit vnmoͤglichen iſt zu definiren.τὸ θέλημα
ϑελητὸν.

Sagen in einfalt/ das Gottes will/ ſein Rath vñ Schluß/

ſey
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[[9]/0009] Leichpredigt. Was ſchuͤldiget er deñ vns? Wer kan ſeinem willen wider- ſtehen? Vnd darauff bald Antwortet. Ja lieber Menſch/ Wer biſtu denn/ das du mit Gott Rechten wilt? Spricht auch ein Werck zu ſeinem Meiſter/ warumb machſtu mich alſo/ hat nicht ein Toͤpffer macht auß einem Klumpen zu- machen/ ein Faß zu ehren/ vnnd das ander zu vnehren? Zeyget hiemit an/ das vnſers H. Gottes werck nicht nach vnſerm Verſtand vnd Gutduͤncken oder erachten zu Vr- theylen ſein/ denn ſie ſelbſt ſind jhre eygene Regel. Sinte- mal/ was Gott thut/ iſt alles recht. Das Er aber etliche Menſchen induriret vñ verhaͤrttet/ Findet Er die Vrſach in denſelben Menſchen/ darumb Er ſie billich verhaͤrtte. Vnd iſt alſo der Wille ſeiner Gerechtigkeit/ das die Vn- bußfertigen/ die ſeine Gnade außſchlagen/ verdampt ſein/ zu ruͤhmen vnd preyſen/ den niemandt tadeln vnd wider- ſtehen koͤnne oder ſolle. Denn es heiſt doch: Eſ. 45. v. 9. Jer. 18. v. 6. Indurat mollire DEus quos ante volebat, Flectere quæ voluit corda vigere facit. Cœcutire ſinit, lucem quib. obtulit ante, Et quos nolentes jußit adeſſe, fugat. Weil dann hier des Willens Gottes außdruͤcklich gedacht wird/ So laſſt vns Anfaͤnglich bekuͤm̃ern vmb den Willen des Allerhoͤchſten/ vnd den ſelben recht erkennen/ von welchen der alte Lehrer Auguſtinus ſagt: Omne efficiens majus eſt, quàm id quod efficitur. Nihil autem majus eſt voluntate Dei: non ergo ejus cauſa quærenda eſt. Was etwas wircket oder macht/ das iſt ja groͤſſer als das Werck das gemacht wird. Nun iſt aber nichts groͤſſers als Gottes will/ darumb deſſelben Vrſach nicht zuerforſchen. Vnd in dieſer Schwachheit vnmoͤglichen iſt zu definiren. Sagen in einfalt/ das Gottes will/ ſein Rath vñ Schluß/ ſey Augustin. Tom. 4. lib. 83. quæſt. 28. τὸ θέλημα ϑελητὸν. B

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Zitationshilfe: Heinitz, Samuel: De Voluntate Dei, Von Gottes Willen. Oels, 1622, S. [9]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/508236/9>, abgerufen am 18.05.2022.