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Burckhard, Gottfried: Himmlische Johanna Elisabeth. Breslau, 1673.

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danae, Bachus- und Venus-Kinder/ wenig gedencken; Es
scheinet ihnen so wenig wahr/ als daß sie vor Zucker die Wer-
muth süsse preisen sollen. Wie es ihre Praxis lehret: O
Tod wie bitter bist du/ wenn an dich gedencket ein Mensch
der gutte Tage und geung hat/ ohn Sorge lebet/ und dem
es wol gehet in allen Dingen/ und noch wol essen mag. Auch
halten hiervon gar wenig Amatores naturalis scientiae oder
Philosophi, die nur in irrdischer Welt-Weißheit und Spitz-
fündigkeit Vergnügung suchen. Diese klagen vielmehr
einer Unbilligkeit die Natur an/ wegen Abscheu deß Todes
der Menschen/ als daß sie den Tod hochachten sollen/ auß
Theophra-
stus
Ursache; daß die unvernünfftigen Thiere/ als Hirschen im
Walde/ Krähen in der Lufft/ Hechte im Wasser/ ihre Jah-
res-Länge auff Secula anmercken liessen. Dagegen die al-
leredelste Creatur/ der Mensch/ als Microcosmus, oder die
kleine Welt/ so allein die grosse Welt in sich allervollkom-
menst abbildete/ so plötzlich vernichtet würde/ daß man ih-
me diese Eitelkeit fast zum Spott nachruffe:

Wie ein Blümlein bald entstehet/
Und auch wieder bald vergehet/
So ist unser Leben/ sehet!

Und

Uber dem/ dem man hat müssen
Heut die Hände höfflich küssen/
Geht man morgen mit den Füssen.

Alleine Paulus und Paulinisch-gesinnete Seelen/ die Sur-
Col. 3. 2. 3. 4,sum corda, wol gelernet: Trachtet nach dem was droben
ist/ nicht nach dem was auff Erden ist/ denn ihr seyd gestor-
ben und euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott/
wenn aber Christus euer Leben sich offenbahren wird/ denn
werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in der Seligkeit.
Phil. 3. 21.Sie warten von dannen deß Heilandes JEsu Christi/ wel-

cher

danæ, Bachus- und Venus-Kinder/ wenig gedencken; Es
ſcheinet ihnen ſo wenig wahr/ als daß ſie vor Zucker die Wer-
muth ſuͤſſe preiſen ſollen. Wie es ihre Praxis lehret: O
Tod wie bitter biſt du/ wenn an dich gedencket ein Menſch
der gutte Tage und geung hat/ ohn Sorge lebet/ und dem
es wol gehet in allen Dingen/ und noch wol eſſen mag. Auch
halten hiervon gar wenig Amatores naturalis ſcientiæ oder
Philoſophi, die nur in irrdiſcher Welt-Weißheit und Spitz-
fuͤndigkeit Vergnuͤgung ſuchen. Dieſe klagen vielmehr
einer Unbilligkeit die Natur an/ wegen Abſcheu deß Todes
der Menſchen/ als daß ſie den Tod hochachten ſollen/ auß
Theophra-
ſtus
Urſache; daß die unvernuͤnfftigen Thiere/ als Hirſchen im
Walde/ Kraͤhen in der Lufft/ Hechte im Waſſer/ ihre Jah-
res-Laͤnge auff Secula anmercken lieſſen. Dagegen die al-
leredelſte Creatur/ der Menſch/ als Microcoſmus, oder die
kleine Welt/ ſo allein die groſſe Welt in ſich allervollkom-
menſt abbildete/ ſo ploͤtzlich vernichtet wuͤrde/ daß man ih-
me dieſe Eitelkeit faſt zum Spott nachruffe:

Wie ein Bluͤmlein bald entſtehet/
Und auch wieder bald vergehet/
So iſt unſer Leben/ ſehet!

Und

Uber dem/ dem man hat muͤſſen
Heut die Haͤnde hoͤfflich kuͤſſen/
Geht man morgen mit den Fuͤſſen.

Alleine Paulus und Pauliniſch-geſinnete Seelen/ die Sur-
Col. 3. 2. 3. 4,ſum corda, wol gelernet: Trachtet nach dem was droben
iſt/ nicht nach dem was auff Erden iſt/ denn ihr ſeyd geſtor-
ben und euer Leben iſt verborgen mit Chriſto in Gott/
wenn aber Chriſtus euer Leben ſich offenbahren wird/ denn
werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in der Seligkeit.
Phil. 3. 21.Sie warten von dannen deß Heilandes JEſu Chriſti/ wel-

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Zitationshilfe: Burckhard, Gottfried: Himmlische Johanna Elisabeth. Breslau, 1673, S. [10]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/511301/10>, abgerufen am 22.09.2021.