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Burckhard, Gottfried: Himmlische Johanna Elisabeth. Breslau, 1673.

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nig/ klein Knignitz/ Pschiderwitz/ Carlsdorff und Wein-
berg/ A. C. 1673. den 30. Tag deß vergangenen Weinmo-
nats zwischen 2. und 3. Uhr nach Mittage/ auff dero Frey-
herl. Hause zu Schwentnig/ nach lang außgestandener hef-
tiger Leibes Abmattung/ Jhre wolbereitete Himmels-seh-
nende Seele Lebens-satt und müde im Glauben und Ge-
duld/ in die Hände ihres treuen Heilandes und Erlösers Je-
su Christi seufftzend einhändigte/ und die vergängliche
Welt-Eitelkeit/ mit der gloriosen Ewigkeit der sel. Kinder
GOttes verwechselte: ging ein hefftiges Sturm-Wetter
mit grausamen Regen/ und Schnee-Geplöder vermenget
vorher/ und folgte bey außgekläretem Himmel ein anmu-
tiger Sonnenschein/ mit gelindem Windwehen nach.
Jch/ der ich dazumal der begierig-andächtigen Seelen statt
ihres krancken Seelen-Pflegers eine Zeitlang bißher erfo-
dert/ auß Nachbarlicher Schuldigkeit/ mit Evangel. Tro-
ste gehorsam und andächtig auffwartete/ erinnerte mich/
bey dieser Begebenheit deß grossen Wunder-Propheten
[1]. Reg. XIX. 3.Eliae, und

Seines sehnlichen Todes-Verlangens:

Das Tyrannische dreuen der verbitterten Jesabel hat-
te ihn/ wie großmütig er sonst war/ und statt der Worte
Epiphan.Feuerflammen zu redenschiene/ in eine solche Kleinmuth/
und diese biß in die wüste Einöde deß Wunder-Berges Ho-
reb gejaget/ daß er auß Zweifel anderer Sicherheit/ sie al-
lein im Tode suchte und sagte: HErr es ist genung/ nihm
meine Seele/ ich bin nicht besser als meine Väter.

Und entschlieff daselbst unter einem Wacholder/ als wolte
er mit dem Ebenbilde deß Todes/ den Schlaff/ deß Todes
Bruder den Zutritt machen.

Er meinete es wäre besser einsam gestorben/ als sein/

besserer

nig/ klein Knignitz/ Pſchiderwitz/ Carlsdorff und Wein-
berg/ A. C. 1673. den 30. Tag deß vergangenen Weinmo-
nats zwiſchen 2. und 3. Uhr nach Mittage/ auff dero Frey-
herl. Hauſe zu Schwentnig/ nach lang außgeſtandener hef-
tiger Leibes Abmattung/ Jhre wolbereitete Himmels-ſeh-
nende Seele Lebens-ſatt und muͤde im Glauben und Ge-
duld/ in die Haͤnde ihres treuen Heilandes und Erloͤſers Je-
ſu Chriſti ſeufftzend einhaͤndigte/ und die vergaͤngliche
Welt-Eitelkeit/ mit der glorioſen Ewigkeit der ſel. Kinder
GOttes verwechſelte: ging ein hefftiges Sturm-Wetter
mit grauſamen Regen/ und Schnee-Geploͤder vermenget
vorher/ und folgte bey außgeklaͤretem Himmel ein anmu-
tiger Sonnenſchein/ mit gelindem Windwehen nach.
Jch/ der ich dazumal der begierig-andaͤchtigen Seelen ſtatt
ihres krancken Seelen-Pflegers eine Zeitlang bißher erfo-
dert/ auß Nachbarlicher Schuldigkeit/ mit Evangel. Tro-
ſte gehorſam und andaͤchtig auffwartete/ erinnerte mich/
bey dieſer Begebenheit deß groſſen Wunder-Propheten
[1]. Reg. XIX. 3.Eliæ, und

Seines ſehnlichen Todes-Verlangens:

Das Tyranniſche dreuen der verbitterten Jeſabel hat-
te ihn/ wie großmuͤtig er ſonſt war/ und ſtatt der Worte
Epiphan.Feuerflammen zu redenſchiene/ in eine ſolche Kleinmuth/
und dieſe biß in die wuͤſte Einoͤde deß Wunder-Berges Ho-
reb gejaget/ daß er auß Zweifel anderer Sicherheit/ ſie al-
lein im Tode ſuchte und ſagte: HErꝛ es iſt genung/ nihm
meine Seele/ ich bin nicht beſſer als meine Vaͤter.

Und entſchlieff daſelbſt unter einem Wacholder/ als wolte
er mit dem Ebenbilde deß Todes/ den Schlaff/ deß Todes
Bruder den Zutritt machen.

Er meinete es waͤre beſſer einſam geſtorben/ als ſein/

beſſerer
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[[34]/0034] nig/ klein Knignitz/ Pſchiderwitz/ Carlsdorff und Wein- berg/ A. C. 1673. den 30. Tag deß vergangenen Weinmo- nats zwiſchen 2. und 3. Uhr nach Mittage/ auff dero Frey- herl. Hauſe zu Schwentnig/ nach lang außgeſtandener hef- tiger Leibes Abmattung/ Jhre wolbereitete Himmels-ſeh- nende Seele Lebens-ſatt und muͤde im Glauben und Ge- duld/ in die Haͤnde ihres treuen Heilandes und Erloͤſers Je- ſu Chriſti ſeufftzend einhaͤndigte/ und die vergaͤngliche Welt-Eitelkeit/ mit der glorioſen Ewigkeit der ſel. Kinder GOttes verwechſelte: ging ein hefftiges Sturm-Wetter mit grauſamen Regen/ und Schnee-Geploͤder vermenget vorher/ und folgte bey außgeklaͤretem Himmel ein anmu- tiger Sonnenſchein/ mit gelindem Windwehen nach. Jch/ der ich dazumal der begierig-andaͤchtigen Seelen ſtatt ihres krancken Seelen-Pflegers eine Zeitlang bißher erfo- dert/ auß Nachbarlicher Schuldigkeit/ mit Evangel. Tro- ſte gehorſam und andaͤchtig auffwartete/ erinnerte mich/ bey dieſer Begebenheit deß groſſen Wunder-Propheten Eliæ, und 1. Reg. XIX. 3. Seines ſehnlichen Todes-Verlangens: Das Tyranniſche dreuen der verbitterten Jeſabel hat- te ihn/ wie großmuͤtig er ſonſt war/ und ſtatt der Worte Feuerflammen zu redenſchiene/ in eine ſolche Kleinmuth/ und dieſe biß in die wuͤſte Einoͤde deß Wunder-Berges Ho- reb gejaget/ daß er auß Zweifel anderer Sicherheit/ ſie al- lein im Tode ſuchte und ſagte: HErꝛ es iſt genung/ nihm meine Seele/ ich bin nicht beſſer als meine Vaͤter. Und entſchlieff daſelbſt unter einem Wacholder/ als wolte er mit dem Ebenbilde deß Todes/ den Schlaff/ deß Todes Bruder den Zutritt machen. Epiphan. Er meinete es waͤre beſſer einſam geſtorben/ als ſein/ beſſerer

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Zitationshilfe: Burckhard, Gottfried: Himmlische Johanna Elisabeth. Breslau, 1673, S. [34]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/511301/34>, abgerufen am 11.05.2021.