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Burckhard, Gottfried: Himmlische Johanna Elisabeth. Breslau, 1673.

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Erklärung.

Mortem quae faciant faciliorem
Dilectissime Christiane haec sunt.

DIe Großmüthigkeit ist eine herrliche Christen-
Tugend/ die Glück und Unglück/ Creutz und
Noth/ ja den Todt mit unverwandtem Gemüt
ertragen kan. Entstehet theils auß einem fe-
sten Glauben/ als der in Versicherung der unfehlbaren
Hülffe Gottes/ alles Ubel verlachet/

Gleich einem Felß im Meer
Bey welchem Sturm und Fluth mit Spot vorüber geht.

Ps. XLVI. 3.Theils auß einem gutten Gewissen: Denn

Innocens vitae, scelerisque purus,
Si fractus illabatur Orbis
Impavidum ferient ruinae.

1. Cor. IV. 4.Sonderlich wenn der Mensch seiner Religion wegen ihm
1. Tim. IV. 2.nicht übel bewust ist/ und kein Brandmal in seinem Gewis-
sen hat/ der mit jener frommen Hertzogin von der Lignitz
Elias Hos-
mann. in
Conc. Funeb.
Sophia Elisabetha, deß in Gott seligen Hertzogs Georgii
Rudolphi
Fürstl. Gemahlin/ die A. C. 1622. selig ver-
schieden/ sagen kan: Ach wie wol stirbt sichs/ wenn
man Christo seinem Heilande treu geblieben.

Doch mangelt diese herrliche Tugend den meisten.
Der klägliche Sünden-Fall unserer ersten Paradieß-El-
tern/ hat mit der Unschuld auch zugleich diese paRResian der-
massen geschwächet/ daß der Mensch der ein Herr aller Cre-
aturen seyn könte/ und deme die grimmigsten Bestien als ein
Schos-Hündlein schmeicheln müsten/ sich ietzo vor einem
fliegenden Blate entsetzet/ den Schatten fleucht/ und von
dem geringsten Geschmeiß Schmertzen erdulden muß.

Syrach
Erklaͤrung.

Mortem quæ faciant faciliorem
Dilectiſſime Chriſtiane hæc ſunt.

DIe Großmuͤthigkeit iſt eine herrliche Chriſten-
Tugend/ die Gluͤck und Ungluͤck/ Creutz und
Noth/ ja den Todt mit unverwandtem Gemuͤt
ertragen kan. Entſtehet theils auß einem fe-
ſten Glauben/ als der in Verſicherung der unfehlbaren
Huͤlffe Gottes/ alles Ubel verlachet/

Gleich einem Felß im Meer
Bey welchem Sturm und Fluth mit Spot voruͤber geht.

Pſ. XLVI. 3.Theils auß einem gutten Gewiſſen: Denn

Innocens vitæ, ſcelerisque purus,
Si fractus illabatur Orbis
Impavidum ferient ruinæ.

1. Cor. IV. 4.Sonderlich wenn der Menſch ſeiner Religion wegen ihm
1. Tim. IV. 2.nicht uͤbel bewuſt iſt/ und kein Brandmal in ſeinem Gewiſ-
ſen hat/ der mit jener frommen Hertzogin von der Lignitz
Elias Hoſ-
mann. in
Conc. Funeb.
Sophia Eliſabetha, deß in Gott ſeligen Hertzogs Georgii
Rudolphi
Fuͤrſtl. Gemahlin/ die A. C. 1622. ſelig ver-
ſchieden/ ſagen kan: Ach wie wol ſtirbt ſichs/ wenn
man Chriſto ſeinem Heilande treu geblieben.

Doch mangelt dieſe herrliche Tugend den meiſten.
Der klaͤgliche Suͤnden-Fall unſerer erſten Paradieß-El-
tern/ hat mit der Unſchuld auch zugleich dieſe ϖαῤῥησίαν der-
maſſen geſchwaͤchet/ daß der Menſch der ein Herr aller Cre-
aturen ſeyn koͤnte/ und deme die grim̃igſten Beſtien als ein
Schos-Huͤndlein ſchmeicheln muͤſten/ ſich ietzo vor einem
fliegenden Blate entſetzet/ den Schatten fleucht/ und von
dem geringſten Geſchmeiß Schmertzen erdulden muß.

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[[46]/0046] Erklaͤrung. Mortem quæ faciant faciliorem Dilectiſſime Chriſtiane hæc ſunt. DIe Großmuͤthigkeit iſt eine herrliche Chriſten- Tugend/ die Gluͤck und Ungluͤck/ Creutz und Noth/ ja den Todt mit unverwandtem Gemuͤt ertragen kan. Entſtehet theils auß einem fe- ſten Glauben/ als der in Verſicherung der unfehlbaren Huͤlffe Gottes/ alles Ubel verlachet/ Gleich einem Felß im Meer Bey welchem Sturm und Fluth mit Spot voruͤber geht. Theils auß einem gutten Gewiſſen: Denn Pſ. XLVI. 3. Innocens vitæ, ſcelerisque purus, Si fractus illabatur Orbis Impavidum ferient ruinæ. Sonderlich wenn der Menſch ſeiner Religion wegen ihm nicht uͤbel bewuſt iſt/ und kein Brandmal in ſeinem Gewiſ- ſen hat/ der mit jener frommen Hertzogin von der Lignitz Sophia Eliſabetha, deß in Gott ſeligen Hertzogs Georgii Rudolphi Fuͤrſtl. Gemahlin/ die A. C. 1622. ſelig ver- ſchieden/ ſagen kan: Ach wie wol ſtirbt ſichs/ wenn man Chriſto ſeinem Heilande treu geblieben. 1. Cor. IV. 4. 1. Tim. IV. 2. Elias Hoſ- mann. in Conc. Funeb. Doch mangelt dieſe herrliche Tugend den meiſten. Der klaͤgliche Suͤnden-Fall unſerer erſten Paradieß-El- tern/ hat mit der Unſchuld auch zugleich dieſe ϖαῤῥησίαν der- maſſen geſchwaͤchet/ daß der Menſch der ein Herr aller Cre- aturen ſeyn koͤnte/ und deme die grim̃igſten Beſtien als ein Schos-Huͤndlein ſchmeicheln muͤſten/ ſich ietzo vor einem fliegenden Blate entſetzet/ den Schatten fleucht/ und von dem geringſten Geſchmeiß Schmertzen erdulden muß. Syrach

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Zitationshilfe: Burckhard, Gottfried: Himmlische Johanna Elisabeth. Breslau, 1673, S. [46]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/511301/46>, abgerufen am 07.03.2021.