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Burckhard, Gottfried: Himmlische Johanna Elisabeth. Breslau, 1673.

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massen/ daß nach dem Jhre matte Seele durch die wahre
Himmels-Speise gespeiset und geträncket worden/ und Sie
also sich mit Gott und Menschen Hertz-inniglich versöhnet
Jhr Verlangen anders nicht als himmlisch gewesen. Al-
les irrdische muste weichen/ und Jhre eintzige Unterredung
war von Gott/ und Anstellung eines [e]hrlichen Begräbnüs-
ses. Sie wiederholete/ den mit eigner Hand auffgeschrie-
benen Leichen-Text/ und wolte/ daß selbter bey Jhrem Leich-
Begängnüß solte abgehandelt werden. Sie belohnete die
jenigen/ welche Jhr in wehrender Unpäßligkeit treu gewe-
sen/ und ließ in solchem rühmlichen Werck auch die euserste
Mattigkeit sich nicht hindern. Sie stimmete/ so viel Jhre
Schwachheit leiden wolte/ die Jhr angenehmen Sterbe-Lie-
der selber an/ und wurde nicht müde im beten. Jhre Ge-
dult war bey so langwieriger grosser Kranckheit unbe-
schreiblich/ und bey der annahenden Erlösungs-Stunde/
höchlich zu verwundern. Sie tröstete sich offt selbst: sa-
gende: Daß die schwere übersteigung dieses Myrrhen-
Berges/ durch Gottes sonderbahren Beystand/ Jhr bald
zu seligster Freude gedeyen werde. Was könte Christli-
cher was beweglicher geredet werden! Was ists Wunder/
daß Sie auff befragen der Umbstehenden/ ob Sie ichtwas
verlange? behertzt geantwortet: Nichts! nur auffgelöset
und bey Christo zu seyn. Herrliche Worte! welche nicht
nur die gläubige Vorbereitung zum Tode/ sondern auch/
den alles Zweifels befreyten wahren Glauben selbst/ kräff-
tigst bemercken.

Diese selige Aufflösung hat Sie von Jhrem Gott mit
vielfältigem seufftzen erbeten/ welcher Sie auch solches
sehnlichen Begehrens endlich gnädig gewehret/ und nach
dem Sie sich mit denen Umbstehenden/ vorhero aber mit
dero Herren Gemahl behertzt gesegnet/ und dessen schmertz-

hafft-
K iij

maſſen/ daß nach dem Jhre matte Seele durch die wahre
Himmels-Speiſe geſpeiſet und getraͤncket worden/ und Sie
alſo ſich mit Gott und Menſchen Hertz-inniglich verſoͤhnet
Jhr Verlangen anders nicht als himmliſch geweſen. Al-
les irrdiſche muſte weichen/ und Jhre eintzige Unterredung
war von Gott/ und Anſtellung eines [e]hrlichen Begraͤbnuͤſ-
ſes. Sie wiederholete/ den mit eigner Hand auffgeſchrie-
benen Leichen-Text/ und wolte/ daß ſelbter bey Jhrem Leich-
Begaͤngnuͤß ſolte abgehandelt werden. Sie belohnete die
jenigen/ welche Jhr in wehrender Unpaͤßligkeit treu gewe-
ſen/ und ließ in ſolchem ruͤhmlichen Werck auch die euſerſte
Mattigkeit ſich nicht hindern. Sie ſtimmete/ ſo viel Jhre
Schwachheit leiden wolte/ die Jhr angenehmẽ Sterbe-Lie-
der ſelber an/ und wurde nicht muͤde im beten. Jhre Ge-
dult war bey ſo langwieriger groſſer Kranckheit unbe-
ſchreiblich/ und bey der annahenden Erloͤſungs-Stunde/
hoͤchlich zu verwundern. Sie troͤſtete ſich offt ſelbſt: ſa-
gende: Daß die ſchwere uͤberſteigung dieſes Myrrhen-
Berges/ durch Gottes ſonderbahren Beyſtand/ Jhr bald
zu ſeligſter Freude gedeyen werde. Was koͤnte Chriſtli-
cher was beweglicher geredet werden! Was iſts Wunder/
daß Sie auff befragen der Umbſtehenden/ ob Sie ichtwas
verlange? behertzt geantwortet: Nichts! nur auffgeloͤſet
und bey Chriſto zu ſeyn. Herrliche Worte! welche nicht
nur die glaͤubige Vorbereitung zum Tode/ ſondern auch/
den alles Zweifels befreyten wahren Glauben ſelbſt/ kraͤff-
tigſt bemercken.

Dieſe ſelige Auffloͤſung hat Sie von Jhrem Gott mit
vielfaͤltigem ſeufftzen erbeten/ welcher Sie auch ſolches
ſehnlichen Begehrens endlich gnaͤdig gewehret/ und nach
dem Sie ſich mit denen Umbſtehenden/ vorhero aber mit
dero Herren Gemahl behertzt geſegnet/ und deſſen ſchmertz-

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[[75]/0075] maſſen/ daß nach dem Jhre matte Seele durch die wahre Himmels-Speiſe geſpeiſet und getraͤncket worden/ und Sie alſo ſich mit Gott und Menſchen Hertz-inniglich verſoͤhnet Jhr Verlangen anders nicht als himmliſch geweſen. Al- les irrdiſche muſte weichen/ und Jhre eintzige Unterredung war von Gott/ und Anſtellung eines ehrlichen Begraͤbnuͤſ- ſes. Sie wiederholete/ den mit eigner Hand auffgeſchrie- benen Leichen-Text/ und wolte/ daß ſelbter bey Jhrem Leich- Begaͤngnuͤß ſolte abgehandelt werden. Sie belohnete die jenigen/ welche Jhr in wehrender Unpaͤßligkeit treu gewe- ſen/ und ließ in ſolchem ruͤhmlichen Werck auch die euſerſte Mattigkeit ſich nicht hindern. Sie ſtimmete/ ſo viel Jhre Schwachheit leiden wolte/ die Jhr angenehmẽ Sterbe-Lie- der ſelber an/ und wurde nicht muͤde im beten. Jhre Ge- dult war bey ſo langwieriger groſſer Kranckheit unbe- ſchreiblich/ und bey der annahenden Erloͤſungs-Stunde/ hoͤchlich zu verwundern. Sie troͤſtete ſich offt ſelbſt: ſa- gende: Daß die ſchwere uͤberſteigung dieſes Myrrhen- Berges/ durch Gottes ſonderbahren Beyſtand/ Jhr bald zu ſeligſter Freude gedeyen werde. Was koͤnte Chriſtli- cher was beweglicher geredet werden! Was iſts Wunder/ daß Sie auff befragen der Umbſtehenden/ ob Sie ichtwas verlange? behertzt geantwortet: Nichts! nur auffgeloͤſet und bey Chriſto zu ſeyn. Herrliche Worte! welche nicht nur die glaͤubige Vorbereitung zum Tode/ ſondern auch/ den alles Zweifels befreyten wahren Glauben ſelbſt/ kraͤff- tigſt bemercken. Dieſe ſelige Auffloͤſung hat Sie von Jhrem Gott mit vielfaͤltigem ſeufftzen erbeten/ welcher Sie auch ſolches ſehnlichen Begehrens endlich gnaͤdig gewehret/ und nach dem Sie ſich mit denen Umbſtehenden/ vorhero aber mit dero Herren Gemahl behertzt geſegnet/ und deſſen ſchmertz- hafft- K iij

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Zitationshilfe: Burckhard, Gottfried: Himmlische Johanna Elisabeth. Breslau, 1673, S. [75]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/511301/75>, abgerufen am 22.09.2021.