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Mollenfeld, Johann: Christliche LeichPredigt/ Bey dem seligen Abschied. Darmstadt, 1617.

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Christliche Leich Predigt/
2. Sam.
23. 2.
Dauidi sc. a Spiritu S. inspiratus, Ein Psalm dem Propheten
David vom heiligen Geist dictirt vnd eingegeben: Sondern es
bezeugts auch David selbsten/ wann er spricht: Der Geist deß
Herren hat durch mich geredt/ vnd seine Rede ist durch
meine Zunge geschehen. Dann/ sagt der Apostel Petrus/
Es ist noch nie keine Weissagung auß Menschlichem
willen herfür bracht/ sondern die heiligen Menschen

2. Petr. 1. 21.GOTTes haben geredt/ getrieben von dem heiligen
Geist.

Damit wir nu diese deß heiligen Geistes Wort recht verstehen/ so
müssen wir allhie auff drey Puncten gut achtung geben. Erstlich/
was der Prophet David durch das Wörtlein Geist/ wölle ver-
standen haben. Darnach/ wen der König vnnd Prophet anrede/
vnd wem er seinen Geist befehle. Zum dritten/ warumb er seinen
Geist Gott wil commendirt vnd befohlen haben.

I.
Was Geist
heisse.
Betreffend das erste/ so ist das Wörtlein Ruach, pneuma, Spi-
ritus,
Geist/ aequiuocum, welches nicht ein ding allein bedeutet/
Sondern vielen vnterschiedlichen dingen zugelegt wird.

Erstlich/ wird es dem Ewigen vnd Allmechtigen Gott/ bevorab
aber der dritten Person der Gottheit zugelegt/ welche da mit Vat-
ter vnnd Sohn alle ding erschaffen/ vnnd mit seiner lebendigma-
chenden Krafft erhalten. Dann so spricht der Himmlische Pro-
Ioh. 4. 24.phet/ Rabbi vnd Doctor Jesus Christus/ GOtt ist ein Geist/
vnd der thewre Mann Gottes Moses/ sagt im ersten Buch am 1.
C. Der Geist Gottes schwebet vff dem Wasser/ vnd Da-
Gen. 1.uid bittet/ daß Gott seinen heiligen Geist nicht wölle von
Psal. 51. 20.jhn nemen/ Psal. 51. Sondern daß derselbe gute Geist jhn
Psalm. 143.
10.
wölle führen auff ebener Bahn.

Zum andern/ so wird das Wörtlein Geist/ zugelegt den erschaf-

fenen

Chriſtliche Leich Predigt/
2. Sam.
23. 2.
Dauidi ſc. à Spiritu S. inſpiratus, Ein Pſalm dem Propheten
David vom heiligen Geiſt dictirt vnd eingegeben: Sondern es
bezeugts auch David ſelbſten/ wann er ſpricht: Der Geiſt deß
Herꝛen hat durch mich geredt/ vnd ſeine Rede iſt durch
meine Zunge geſchehen. Dañ/ ſagt der Apoſtel Petrus/
Es iſt noch nie keine Weiſſagung auß Menſchlichem
willen herfuͤr bracht/ ſondern die heiligen Menſchen

2. Petr. 1. 21.GOTTes haben geredt/ getrieben von dem heiligen
Geiſt.

Damit wir nu dieſe deß heiligen Geiſtes Wort recht verſtehen/ ſo
muͤſſen wir allhie auff drey Puncten gut achtung geben. Erſtlich/
was der Prophet David durch das Woͤrtlein Geiſt/ woͤlle ver-
ſtanden haben. Darnach/ wen der Koͤnig vnnd Prophet anrede/
vnd wem er ſeinen Geiſt befehle. Zum dritten/ warumb er ſeinen
Geiſt Gott wil commendirt vnd befohlen haben.

I.
Was Geiſt
heiſſe.
Betreffend das erſte/ ſo iſt das Woͤrtlein Ruach, πνεῦμα, Spi-
ritus,
Geiſt/ æquiuocum, welches nicht ein ding allein bedeutet/
Sondern vielen vnterſchiedlichen dingen zugelegt wird.

Erſtlich/ wird es dem Ewigen vnd Allmechtigen Gott/ bevorab
aber der dritten Perſon der Gottheit zugelegt/ welche da mit Vat-
ter vnnd Sohn alle ding erſchaffen/ vnnd mit ſeiner lebendigma-
chenden Krafft erhalten. Dann ſo ſpricht der Himmliſche Pro-
Ioh. 4. 24.phet/ Rabbi vnd Doctor Jeſus Chriſtus/ GOtt iſt ein Geiſt/
vnd der thewre Mann Gottes Moſes/ ſagt im erſten Buch am 1.
C. Der Geiſt Gottes ſchwebet vff dem Waſſer/ vnd Da-
Gen. 1.uid bittet/ daß Gott ſeinen heiligen Geiſt nicht woͤlle von
Pſal. 51. 20.jhn nemen/ Pſal. 51. Sondern daß derſelbe gute Geiſt jhn
Pſalm. 143.
10.
woͤlle fuͤhren auff ebener Bahn.

Zum andern/ ſo wird das Woͤrtlein Geiſt/ zugelegt den erſchaf-

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[6/0006] Chriſtliche Leich Predigt/ Dauidi ſc. à Spiritu S. inſpiratus, Ein Pſalm dem Propheten David vom heiligen Geiſt dictirt vnd eingegeben: Sondern es bezeugts auch David ſelbſten/ wann er ſpricht: Der Geiſt deß Herꝛen hat durch mich geredt/ vnd ſeine Rede iſt durch meine Zunge geſchehen. Dañ/ ſagt der Apoſtel Petrus/ Es iſt noch nie keine Weiſſagung auß Menſchlichem willen herfuͤr bracht/ ſondern die heiligen Menſchen GOTTes haben geredt/ getrieben von dem heiligen Geiſt. 2. Sam. 23. 2. 2. Petr. 1. 21. Damit wir nu dieſe deß heiligen Geiſtes Wort recht verſtehen/ ſo muͤſſen wir allhie auff drey Puncten gut achtung geben. Erſtlich/ was der Prophet David durch das Woͤrtlein Geiſt/ woͤlle ver- ſtanden haben. Darnach/ wen der Koͤnig vnnd Prophet anrede/ vnd wem er ſeinen Geiſt befehle. Zum dritten/ warumb er ſeinen Geiſt Gott wil commendirt vnd befohlen haben. Betreffend das erſte/ ſo iſt das Woͤrtlein Ruach, πνεῦμα, Spi- ritus, Geiſt/ æquiuocum, welches nicht ein ding allein bedeutet/ Sondern vielen vnterſchiedlichen dingen zugelegt wird. I. Was Geiſt heiſſe. Erſtlich/ wird es dem Ewigen vnd Allmechtigen Gott/ bevorab aber der dritten Perſon der Gottheit zugelegt/ welche da mit Vat- ter vnnd Sohn alle ding erſchaffen/ vnnd mit ſeiner lebendigma- chenden Krafft erhalten. Dann ſo ſpricht der Himmliſche Pro- phet/ Rabbi vnd Doctor Jeſus Chriſtus/ GOtt iſt ein Geiſt/ vnd der thewre Mann Gottes Moſes/ ſagt im erſten Buch am 1. C. Der Geiſt Gottes ſchwebet vff dem Waſſer/ vnd Da- uid bittet/ daß Gott ſeinen heiligen Geiſt nicht woͤlle von jhn nemen/ Pſal. 51. Sondern daß derſelbe gute Geiſt jhn woͤlle fuͤhren auff ebener Bahn. Ioh. 4. 24. Gen. 1. Pſal. 51. 20. Pſalm. 143. 10. Zum andern/ ſo wird das Woͤrtlein Geiſt/ zugelegt den erſchaf- fenen

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Zitationshilfe: Mollenfeld, Johann: Christliche LeichPredigt/ Bey dem seligen Abschied. Darmstadt, 1617, S. 6. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/524107/6>, abgerufen am 26.09.2021.