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Schlegel, Christoph: Glückseliger Reichthumb. Leutschau, 1647.

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chen/ etlichen Gottfürchtigen ein Kurtzes/ hingegen aber etlichen
Gottlosen ein Weites Ziel jhres Lebenssetzet: Damit jeder-
mann/ weil jhm das eigentliche Ziel seines Lebens unbewust ist/
sein Hertz von der irdischen Weltliebe abziehen/ zum verlan-
gen nach dem Himmlischen erheben/ alle Tage/ ja alle Stunden
und Augenblicke zum Tode gefaßt halten und bereit seyn soll.

HERR/ lehre unß bedencken/ das wir sterben müssen/ auffPsalm 90.
verß 13.

das wir klug werden.

Weil wir gehöret/ Was vor Reichthumb Job gehoffet/
So lasset uns nun auch/ (wiewohl gar in der kürtze) betrachten.

II. Seinen Gehabten Reichthumb.

Davon wird ge-
handelt in den lubrigen Worten unsers Textes; in welchen be-
schrieben wird/ wie er Reich gewesen

1. An Gütern. Meine Saat/ spricht er/ gieng auff am
Wasser/ und der Thaw bleib über meiner Erndte.
Weil Jo-
sephs Kindern/ Ephraim und Manasse/ im gelobtem Lande ein
gut Erbtheil worden an wohlgelegener Landschafft/ welche sehr
reich von Früchten gewesen/ so wird im 1. Buch Mos. 49. gesagt/1. B. Mos.
49. v. 25.

er sey gesegnet mit Segen oben vom Himmel herab/ mit Segen
von der Tieffe/ die hunden liegt.
Also auch 5. Buch Mos. am5. B. Mos.
33. v. 13.

33. Sein Land liegt im Segen des Herren. Da sind edle
Früchte vom Himmel/ vom Thaw/ und von der Tieffen/ die
hunden liegt.
Auff solche weise redet hier Job von dem Reich-
thumb seiner Güter/ das er/ dieselbe zu erlangen/ sey gesegnet
worden. (1.) Von Vnten oder von der Tieffen: Meine Saat
gieng auff am Wasser.
Jst eine beschreibung fruchtbares
Landes/ das nicht sandicht und dürre/ sondern einen guten Boden
hat/ welcher durch das nahe vorbey fliessende Wasser angefeuch-
tet wird/ damit es der Saat und andern gewächsen an safft zum
wachsthumb/ und erquickung wieder die hitze nicht mangele.

Wie denn von solcher beschreibung eines fruchtbahren Erdbo-
dens das Gleichnis genommen wird/ das ein Gottfürchtiger sey/
wie ein Baum gepflantzet an den Wasserbächen/ Psalm 1. DiePsal: 1. v. 3.

Weiß-
G iij

chen/ etlichen Gottfuͤrchtigen ein Kurtzes/ hingegen aber etlichen
Gottloſen ein Weites Ziel jhres Lebensſetzet: Damit jeder-
mann/ weil jhm das eigentliche Ziel ſeines Lebens unbewuſt iſt/
ſein Hertz von der irdiſchen Weltliebe abziehen/ zum verlan-
gen nach dem Himmliſchen erheben/ alle Tage/ ja alle Stunden
und Augenblicke zum Tode gefaßt halten und bereit ſeyn ſoll.

HERR/ lehre unß bedencken/ das wir ſterben muͤſſen/ auffPſalm 90.
verß 13.

das wir klug werden.

Weil wir gehoͤret/ Was vor Reichthumb Job gehoffet/
So laſſet uns nun auch/ (wiewohl gar in der kuͤrtze) betrachten.

II. Seinen Gehabten Reichthumb.

Davon wird ge-
handelt in den lůbrigen Worten unſers Textes; in welchen be-
ſchrieben wird/ wie er Reich geweſen

1. An Guͤtern. Meine Saat/ ſpricht er/ gieng auff am
Waſſer/ und der Thaw bleib uͤber meiner Erndte.
Weil Jo-
ſephs Kindern/ Ephraim und Manaſſe/ im gelobtem Lande ein
gut Erbtheil worden an wohlgelegener Landſchafft/ welche ſehr
reich von Fruͤchten geweſen/ ſo wird im 1. Buch Moſ. 49. geſagt/1. B. Moſ.
49. v. 25.

er ſey geſegnet mit Segen oben vom Him̃el herab/ mit Segen
von der Tieffe/ die hunden liegt.
Alſo auch 5. Buch Moſ. am5. B. Moſ.
33. v. 13.

33. Sein Land liegt im Segen des Herren. Da ſind edle
Fruͤchte vom Himmel/ vom Thaw/ und von der Tieffen/ die
hunden liegt.
Auff ſolche weiſe redet hier Job von dem Reich-
thumb ſeiner Guͤter/ das er/ dieſelbe zu erlangen/ ſey geſegnet
worden. (1.) Von Vnten oder von der Tieffen: Meine Saat
gieng auff am Waſſer.
Jſt eine beſchreibung fruchtbares
Landes/ das nicht ſandicht und duͤrre/ ſondern einen guten Boden
hat/ welcher durch das nahe vorbey flieſſende Waſſer angefeuch-
tet wird/ damit es der Saat und andern gewaͤchſen an ſafft zum
wachsthumb/ und erquickung wieder die hitze nicht mangele.

Wie denn von ſolcher beſchreibung eines fruchtbahren Erdbo-
dens das Gleichnis genommen wird/ das ein Gottfuͤrchtiger ſey/
wie ein Baum gepflantzet an den Waſſerbaͤchen/ Pſalm 1. DiePſal: 1. v. 3.

Weiß-
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Zitationshilfe: Schlegel, Christoph: Glückseliger Reichthumb. Leutschau, 1647, S. [53]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/537788/53>, abgerufen am 13.04.2021.