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Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808.

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Stadt Lille. Lieber Herr, das glaub ich wohl,
Daß ihr damals waret toll,
Aber ihr habt nichts zu schaffen
Jezo mit den türkschen Affen,
Sondern mit dem Lilien Glanz.
Prinz Eugen. Ihr Constabler frisch daran,
Feuert hundert tausend Mann,
Donnert daß es kracht in Flammen,
Daß kein Stein hält mehr zusammen,
Lill, du unglückselig Weib.
Stadt Lille. Meint ihr denn, daß mein Vandom,
Mir nicht bald zu Hülfe komm,
Der mit hundert tausend Franzen,
Den Holländern lehrt das Tanzen,
Eh mein Kränzlein mir verbrannt.
Prinz Eugen. Lill, mein Engel und mein Lamm,
Ich weiß dir den Bräutigam,
Kaiser Karl, der Weltbekannte,
Ich bin nur sein Abgesandte,
Und des Kaisers General.
Stadt Lille. Ey wohlan, so laß es seyn,
Karle sey der Liebste mein,
Denn der Ludewig veraltet,
Und die Lieb ist ganz erkaltet,
Karl ist noch ein junger Held.


Stadt Lille. Lieber Herr, das glaub ich wohl,
Daß ihr damals waret toll,
Aber ihr habt nichts zu ſchaffen
Jezo mit den tuͤrkſchen Affen,
Sondern mit dem Lilien Glanz.
Prinz Eugen. Ihr Conſtabler friſch daran,
Feuert hundert tauſend Mann,
Donnert daß es kracht in Flammen,
Daß kein Stein haͤlt mehr zuſammen,
Lill, du ungluͤckſelig Weib.
Stadt Lille. Meint ihr denn, daß mein Vandom,
Mir nicht bald zu Huͤlfe komm,
Der mit hundert tauſend Franzen,
Den Hollaͤndern lehrt das Tanzen,
Eh mein Kraͤnzlein mir verbrannt.
Prinz Eugen. Lill, mein Engel und mein Lamm,
Ich weiß dir den Braͤutigam,
Kaiſer Karl, der Weltbekannte,
Ich bin nur ſein Abgeſandte,
Und des Kaiſers General.
Stadt Lille. Ey wohlan, ſo laß es ſeyn,
Karle ſey der Liebſte mein,
Denn der Ludewig veraltet,
Und die Lieb iſt ganz erkaltet,
Karl iſt noch ein junger Held.


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[102/0114] Stadt Lille. Lieber Herr, das glaub ich wohl, Daß ihr damals waret toll, Aber ihr habt nichts zu ſchaffen Jezo mit den tuͤrkſchen Affen, Sondern mit dem Lilien Glanz. Prinz Eugen. Ihr Conſtabler friſch daran, Feuert hundert tauſend Mann, Donnert daß es kracht in Flammen, Daß kein Stein haͤlt mehr zuſammen, Lill, du ungluͤckſelig Weib. Stadt Lille. Meint ihr denn, daß mein Vandom, Mir nicht bald zu Huͤlfe komm, Der mit hundert tauſend Franzen, Den Hollaͤndern lehrt das Tanzen, Eh mein Kraͤnzlein mir verbrannt. Prinz Eugen. Lill, mein Engel und mein Lamm, Ich weiß dir den Braͤutigam, Kaiſer Karl, der Weltbekannte, Ich bin nur ſein Abgeſandte, Und des Kaiſers General. Stadt Lille. Ey wohlan, ſo laß es ſeyn, Karle ſey der Liebſte mein, Denn der Ludewig veraltet, Und die Lieb iſt ganz erkaltet, Karl iſt noch ein junger Held.

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Zitationshilfe: Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808, S. 102. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn02_1808/114>, abgerufen am 08.05.2021.