Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808.

Bild:
<< vorherige Seite
Es sind der Töchter drey,
Die allerjüngste drunter,
Sie ließ den Knaben hinein.
Sie stellt ihn hinter die Thür,
Bis Vater und Mutter schlafen,
Sie zieht ihn wieder herfür.
Sie führt ihn die Stiege hinauf,
Sie führt ihn in die Kammer,
Zum Kammerladen schmeist sie ihn naus.
Er fiel auf einen Stein,
Er fiel das Herz im Leib entzwey,
Dazu das linke Bein.
Er krüpelt über ein Steg,
Da kam ein altes Weib daher,
Sie zog ihn aus dem Weg.
Der Pater kam dazu,
Er nahm ihn auf den Buckel,
Und beichtet ihn zur Ruh.
Wenns mir auch so sollt gehen,
So hohl der Teufel das Buhlen,
Das Mägdlein laß ich stehn.


Es ſind der Toͤchter drey,
Die allerjuͤngſte drunter,
Sie ließ den Knaben hinein.
Sie ſtellt ihn hinter die Thuͤr,
Bis Vater und Mutter ſchlafen,
Sie zieht ihn wieder herfuͤr.
Sie fuͤhrt ihn die Stiege hinauf,
Sie fuͤhrt ihn in die Kammer,
Zum Kammerladen ſchmeiſt ſie ihn naus.
Er fiel auf einen Stein,
Er fiel das Herz im Leib entzwey,
Dazu das linke Bein.
Er kruͤpelt uͤber ein Steg,
Da kam ein altes Weib daher,
Sie zog ihn aus dem Weg.
Der Pater kam dazu,
Er nahm ihn auf den Buckel,
Und beichtet ihn zur Ruh.
Wenns mir auch ſo ſollt gehen,
So hohl der Teufel das Buhlen,
Das Maͤgdlein laß ich ſtehn.


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <lg type="poem">
            <pb facs="#f0217" n="205"/>
            <lg n="3">
              <l>Es &#x017F;ind der To&#x0364;chter drey,</l><lb/>
              <l>Die allerju&#x0364;ng&#x017F;te drunter,</l><lb/>
              <l>Sie ließ den Knaben hinein.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="4">
              <l>Sie &#x017F;tellt ihn hinter die Thu&#x0364;r,</l><lb/>
              <l>Bis Vater und Mutter &#x017F;chlafen,</l><lb/>
              <l>Sie zieht ihn wieder herfu&#x0364;r.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="5">
              <l>Sie fu&#x0364;hrt ihn die Stiege hinauf,</l><lb/>
              <l>Sie fu&#x0364;hrt ihn in die Kammer,</l><lb/>
              <l>Zum Kammerladen &#x017F;chmei&#x017F;t &#x017F;ie ihn naus.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="6">
              <l>Er fiel auf einen Stein,</l><lb/>
              <l>Er fiel das Herz im Leib entzwey,</l><lb/>
              <l>Dazu das linke Bein.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="7">
              <l>Er kru&#x0364;pelt u&#x0364;ber ein Steg,</l><lb/>
              <l>Da kam ein altes Weib daher,</l><lb/>
              <l>Sie zog ihn aus dem Weg.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="8">
              <l>Der Pater kam dazu,</l><lb/>
              <l>Er nahm ihn auf den Buckel,</l><lb/>
              <l>Und beichtet ihn zur Ruh.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="9">
              <l>Wenns mir auch &#x017F;o &#x017F;ollt gehen,</l><lb/>
              <l>So hohl der Teufel das Buhlen,</l><lb/>
              <l>Das Ma&#x0364;gdlein laß ich &#x017F;tehn.</l>
            </lg>
          </lg>
        </div><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[205/0217] Es ſind der Toͤchter drey, Die allerjuͤngſte drunter, Sie ließ den Knaben hinein. Sie ſtellt ihn hinter die Thuͤr, Bis Vater und Mutter ſchlafen, Sie zieht ihn wieder herfuͤr. Sie fuͤhrt ihn die Stiege hinauf, Sie fuͤhrt ihn in die Kammer, Zum Kammerladen ſchmeiſt ſie ihn naus. Er fiel auf einen Stein, Er fiel das Herz im Leib entzwey, Dazu das linke Bein. Er kruͤpelt uͤber ein Steg, Da kam ein altes Weib daher, Sie zog ihn aus dem Weg. Der Pater kam dazu, Er nahm ihn auf den Buckel, Und beichtet ihn zur Ruh. Wenns mir auch ſo ſollt gehen, So hohl der Teufel das Buhlen, Das Maͤgdlein laß ich ſtehn.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn02_1808
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn02_1808/217
Zitationshilfe: Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808, S. 205. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn02_1808/217>, abgerufen am 18.04.2021.