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Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808.

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Indem ich aufgewachet,
Und daücht mir heimlich eben;
Der Traum bedeut
Die Wollust dieser Welte.
Der Pracht, Gewalt und Ruhm
Ist als ein Blum
In ihrer Zierde
Durch Regen sanft und kühlen Thau,
Aufwächset in dem Felde,
So Reifes Duft
Und kalte Luft
Geschwind über sie thut blasen,
Bald sie verschmoret, dorret
In der Masen,
Reichthum und Kunst,
Freud, Lieb und Gunst,
Ehr und Gewalte,
Gepräng, Geschmuck und Würde,
Auf dieser Erde aller Stand
Steht es in Glück und blühet heut,
So schwindet es doch Morgen ab,
Und sinket endlich in das Grab,
Was Fleisch und Blut konnt geben,
Das muß verderben, sterben
Jung und alte
Mann unde Frau,
Auf das Vergänglich hier nit bau,
Das als ein Traume, Schaume
Kommet um;
Fleuch, zeuch zum ewgen Leben.



Indem ich aufgewachet,
Und dauͤcht mir heimlich eben;
Der Traum bedeut
Die Wolluſt dieſer Welte.
Der Pracht, Gewalt und Ruhm
Iſt als ein Blum
In ihrer Zierde
Durch Regen ſanft und kuͤhlen Thau,
Aufwaͤchſet in dem Felde,
So Reifes Duft
Und kalte Luft
Geſchwind uͤber ſie thut blaſen,
Bald ſie verſchmoret, dorret
In der Maſen,
Reichthum und Kunſt,
Freud, Lieb und Gunſt,
Ehr und Gewalte,
Gepraͤng, Geſchmuck und Wuͤrde,
Auf dieſer Erde aller Stand
Steht es in Gluͤck und bluͤhet heut,
So ſchwindet es doch Morgen ab,
Und ſinket endlich in das Grab,
Was Fleiſch und Blut konnt geben,
Das muß verderben, ſterben
Jung und alte
Mann unde Frau,
Auf das Vergaͤnglich hier nit bau,
Das als ein Traume, Schaume
Kommet um;
Fleuch, zeuch zum ewgen Leben.



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[228/0240] Indem ich aufgewachet, Und dauͤcht mir heimlich eben; Der Traum bedeut Die Wolluſt dieſer Welte. Der Pracht, Gewalt und Ruhm Iſt als ein Blum In ihrer Zierde Durch Regen ſanft und kuͤhlen Thau, Aufwaͤchſet in dem Felde, So Reifes Duft Und kalte Luft Geſchwind uͤber ſie thut blaſen, Bald ſie verſchmoret, dorret In der Maſen, Reichthum und Kunſt, Freud, Lieb und Gunſt, Ehr und Gewalte, Gepraͤng, Geſchmuck und Wuͤrde, Auf dieſer Erde aller Stand Steht es in Gluͤck und bluͤhet heut, So ſchwindet es doch Morgen ab, Und ſinket endlich in das Grab, Was Fleiſch und Blut konnt geben, Das muß verderben, ſterben Jung und alte Mann unde Frau, Auf das Vergaͤnglich hier nit bau, Das als ein Traume, Schaume Kommet um; Fleuch, zeuch zum ewgen Leben.

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Zitationshilfe: Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808, S. 228. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn02_1808/240>, abgerufen am 13.04.2021.