Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808.

Bild:
<< vorherige Seite
Ligge du aldar ein kruse Kroll, voll grone,
Myn Hert is hundert tusend Freuden voll, um de adlige
Rosenblome,
Lütke Leicke siene Kinder wenden all so sehr voll grone,
Morgen schallen wy unsern Vader begraven, um de ad-
lige Rosenblome.


Springel- oder Lange-Tanz.

(Dithmarsische Kronik.)

Dat geit hir gegen den Sommer, gegen de leve Som-
mertidt,

De Kinderken gahn spehlen an dem Dahl, dat sprack en
Wyff.

"Ach Mönnecken min leve Meder, moste ick aldar tom
Aventanz gahn

"Dar ick hör de Pipen gahn und de leven Trummel
schlan!"

Ach neen! min Tochter nichten dat, du schalt, du schalt
schlaapen gahn.

"Ach Mönnecken min, dat deit my de Noth, dat deit my
de Noth.

"Kann ick tom Avend-tanz nich, so mut ick sterven doth."
Ach neen du myn Dochter, alleen schalst du nich gahn,
So weck op dienen Broder und lath em mit dy gahn.
"Min Broder is junk, is man en Kind, ick weck em
altes nicht,

"Vielmehr weck ick een andern Mann, den ick sprecken
schall."

O Dochter myn, Gott geve dy grot Heil, Gott geve dy
grot Heil,

Ligge du aldar ein kruſe Kroll, voll grone,
Myn Hert is hundert tuſend Freuden voll, um de adlige
Roſenblome,
Luͤtke Leicke ſiene Kinder wenden all ſo ſehr voll grone,
Morgen ſchallen wy unſern Vader begraven, um de ad-
lige Roſenblome.


Springel- oder Lange-Tanz.

(Dithmarſiſche Kronik.)

Dat geit hir gegen den Sommer, gegen de leve Som-
mertidt,

De Kinderken gahn ſpehlen an dem Dahl, dat ſprack en
Wyff.

„Ach Moͤnnecken min leve Meder, moſte ick aldar tom
Aventanz gahn

„Dar ick hoͤr de Pipen gahn und de leven Trummel
ſchlan!“

Ach neen! min Tochter nichten dat, du ſchalt, du ſchalt
ſchlaapen gahn.

„Ach Moͤnnecken min, dat deit my de Noth, dat deit my
de Noth.

„Kann ick tom Avend-tanz nich, ſo mut ick ſterven doth.“
Ach neen du myn Dochter, alleen ſchalſt du nich gahn,
So weck op dienen Broder und lath em mit dy gahn.
„Min Broder is junk, is man en Kind, ick weck em
altes nicht,

„Vielmehr weck ick een andern Mann, den ick ſprecken
ſchall.“

O Dochter myn, Gott geve dy grot Heil, Gott geve dy
grot Heil,

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <lg type="poem">
            <pb facs="#f0261" n="249"/>
            <lg n="9">
              <l>Ligge du aldar ein kru&#x017F;e Kroll, voll grone,</l><lb/>
              <l>Myn Hert is hundert tu&#x017F;end Freuden voll, um de adlige<lb/>
Ro&#x017F;enblome,</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="10">
              <l>Lu&#x0364;tke Leicke &#x017F;iene Kinder wenden all &#x017F;o &#x017F;ehr voll grone,</l><lb/>
              <l>Morgen &#x017F;challen wy un&#x017F;ern Vader begraven, um de ad-<lb/>
lige Ro&#x017F;enblome.</l>
            </lg>
          </lg>
        </div><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <div n="2">
          <head><hi rendition="#g">Springel- oder Lange-Tanz</hi>.</head><lb/>
          <p rendition="#c">(Dithmar&#x017F;i&#x017F;che Kronik.)</p><lb/>
          <lg type="poem">
            <lg n="1">
              <l><hi rendition="#in">D</hi>at geit hir gegen den Sommer, gegen de leve Som-<lb/>
mertidt,</l><lb/>
              <l>De Kinderken gahn &#x017F;pehlen an dem Dahl, dat &#x017F;prack en<lb/>
Wyff.</l><lb/>
              <l>&#x201E;Ach Mo&#x0364;nnecken min leve Meder, mo&#x017F;te ick aldar tom<lb/>
Aventanz gahn</l><lb/>
              <l>&#x201E;Dar ick ho&#x0364;r de Pipen gahn und de leven Trummel<lb/>
&#x017F;chlan!&#x201C;</l><lb/>
              <l>Ach neen! min Tochter nichten dat, du &#x017F;chalt, du &#x017F;chalt<lb/>
&#x017F;chlaapen gahn.</l><lb/>
              <l>&#x201E;Ach Mo&#x0364;nnecken min, dat deit my de Noth, dat deit my<lb/>
de Noth.</l><lb/>
              <l>&#x201E;Kann ick tom Avend-tanz nich, &#x017F;o mut ick &#x017F;terven doth.&#x201C;</l><lb/>
              <l>Ach neen du myn Dochter, alleen &#x017F;chal&#x017F;t du nich gahn,</l><lb/>
              <l>So weck op dienen Broder und lath em mit dy gahn.</l><lb/>
              <l>&#x201E;Min Broder is junk, is man en Kind, ick weck em<lb/>
altes nicht,</l><lb/>
              <l>&#x201E;Vielmehr weck ick een andern Mann, den ick &#x017F;precken<lb/>
&#x017F;chall.&#x201C;</l><lb/>
              <l>O Dochter myn, Gott geve dy grot Heil, Gott geve dy<lb/>
grot Heil,</l><lb/>
            </lg>
          </lg>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[249/0261] Ligge du aldar ein kruſe Kroll, voll grone, Myn Hert is hundert tuſend Freuden voll, um de adlige Roſenblome, Luͤtke Leicke ſiene Kinder wenden all ſo ſehr voll grone, Morgen ſchallen wy unſern Vader begraven, um de ad- lige Roſenblome. Springel- oder Lange-Tanz. (Dithmarſiſche Kronik.) Dat geit hir gegen den Sommer, gegen de leve Som- mertidt, De Kinderken gahn ſpehlen an dem Dahl, dat ſprack en Wyff. „Ach Moͤnnecken min leve Meder, moſte ick aldar tom Aventanz gahn „Dar ick hoͤr de Pipen gahn und de leven Trummel ſchlan!“ Ach neen! min Tochter nichten dat, du ſchalt, du ſchalt ſchlaapen gahn. „Ach Moͤnnecken min, dat deit my de Noth, dat deit my de Noth. „Kann ick tom Avend-tanz nich, ſo mut ick ſterven doth.“ Ach neen du myn Dochter, alleen ſchalſt du nich gahn, So weck op dienen Broder und lath em mit dy gahn. „Min Broder is junk, is man en Kind, ick weck em altes nicht, „Vielmehr weck ick een andern Mann, den ick ſprecken ſchall.“ O Dochter myn, Gott geve dy grot Heil, Gott geve dy grot Heil,

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn02_1808
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn02_1808/261
Zitationshilfe: Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808, S. 249. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn02_1808/261>, abgerufen am 20.04.2021.