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Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808.

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Dein Silberreiches Schwerd das mag ich nit,
Ich weiß mir noch was Anders, das mir lieber lieber ist.
Lieb Knecht, so nimm mein wunderschönes Weib,
Dazu den jungen Markgraf, der in der Wickelwiege leit.
Lieb Herr, jetz reit ich, schau um ein Grab,
Daß man euch mit den Schülern zur Kirche eintrag.
Und da sie an die Kirche kamen,
Da fiengen alle Glöckelein, zu läuten läuten an.
Sie läuten so hübsch, sie läuten so fein,
Sie läuten dem Markgrafen ins Himmels Reich hinein
Ins Paradeis, ins Himmelreich,
Da sitzen die Markgrafen den Engelein zugleich.


Der grobe Bruder.
Kuchlebu, Schifflebu fahren wohl über den Rhein,
Bey einem Markgrafen, da kehren sie ein.
"Guten Morgen, junger Markgraf, guten Morgen,
"Wo hast du dein adelich Schwesterlein verborgen?"
Was fragst du nach meinem adelichen Schwesterlein
klein,
Es möchte mir viel zu hübsch und zu adelich seyn.
"Warum möcht es mir viel zu hübsch und zu ade-
lich seyn,
"Es geht mit einem Kindelein klein."

Dein Silberreiches Schwerd das mag ich nit,
Ich weiß mir noch was Anders, das mir lieber lieber iſt.
Lieb Knecht, ſo nimm mein wunderſchoͤnes Weib,
Dazu den jungen Markgraf, der in der Wickelwiege leit.
Lieb Herr, jetz reit ich, ſchau um ein Grab,
Daß man euch mit den Schuͤlern zur Kirche eintrag.
Und da ſie an die Kirche kamen,
Da fiengen alle Gloͤckelein, zu laͤuten laͤuten an.
Sie laͤuten ſo huͤbſch, ſie laͤuten ſo fein,
Sie laͤuten dem Markgrafen ins Himmels Reich hinein
Ins Paradeis, ins Himmelreich,
Da ſitzen die Markgrafen den Engelein zugleich.


Der grobe Bruder.
Kuchlebu, Schifflebu fahren wohl uͤber den Rhein,
Bey einem Markgrafen, da kehren ſie ein.
„Guten Morgen, junger Markgraf, guten Morgen,
„Wo haſt du dein adelich Schweſterlein verborgen?“
Was fragſt du nach meinem adelichen Schweſterlein
klein,
Es moͤchte mir viel zu huͤbſch und zu adelich ſeyn.
„Warum moͤcht es mir viel zu huͤbſch und zu ade-
lich ſeyn,
„Es geht mit einem Kindelein klein.“

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[272/0284] Dein Silberreiches Schwerd das mag ich nit, Ich weiß mir noch was Anders, das mir lieber lieber iſt. Lieb Knecht, ſo nimm mein wunderſchoͤnes Weib, Dazu den jungen Markgraf, der in der Wickelwiege leit. Lieb Herr, jetz reit ich, ſchau um ein Grab, Daß man euch mit den Schuͤlern zur Kirche eintrag. Und da ſie an die Kirche kamen, Da fiengen alle Gloͤckelein, zu laͤuten laͤuten an. Sie laͤuten ſo huͤbſch, ſie laͤuten ſo fein, Sie laͤuten dem Markgrafen ins Himmels Reich hinein Ins Paradeis, ins Himmelreich, Da ſitzen die Markgrafen den Engelein zugleich. Der grobe Bruder. Kuchlebu, Schifflebu fahren wohl uͤber den Rhein, Bey einem Markgrafen, da kehren ſie ein. „Guten Morgen, junger Markgraf, guten Morgen, „Wo haſt du dein adelich Schweſterlein verborgen?“ Was fragſt du nach meinem adelichen Schweſterlein klein, Es moͤchte mir viel zu huͤbſch und zu adelich ſeyn. „Warum moͤcht es mir viel zu huͤbſch und zu ade- lich ſeyn, „Es geht mit einem Kindelein klein.“

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Zitationshilfe: Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808, S. 272. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn02_1808/284>, abgerufen am 08.03.2021.