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Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808.

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Der König aus Mayland.

[Mitgetheilt von H. v. Westenberg in Constanz.]

Weiß mir e Herr, hätt siebe Süh
Und nune einzig Töchterli.
Der Herre stellt e Gastmal a,
Er ladt viel fremdi Herre dra.
Er ladt viel fremdi Herre ni,
De König us Mailand au darbi.
Di Tochter hät e Haar, ist gelber weder Gold,
Darum wird ihre der König us Mailand hold,
Das Mägdli wölt ge schlafe go,
Tritt ihr der König us Mailand no,
Und doner hot sie Wille getho,
Sizt er ufs Ross, und ritt darvo.
In vierzig Woche will er wider ko.
Die vierzig Woche sind umme,
Der König ist nie kumme.
Dem Mägdli wurds im Siteli weh
Zu einem kleine Kindele.
"Ach! Bruder! liebe Bruder mi!
Erlaub du mir di Kämmerli!
Erlaub mir di Schlofgade,
Klei Kindli mueni habe!" --
""Ach Schwester, liebi Schwester mi!
Schlafkämmerli soll di eige sy;
Ich will dir ge' viel Gut und Geld
Bring du di Kindli recht ufd' Welt.""
"Ach Bruder liebe Bruder mi!
Und hätti numme ne Wiber dry!" --
""Ach Schwester liebi Schwester mi,
D' Wiber müend gli vorhande sy."" --
Der Koͤnig aus Mayland.

[Mitgetheilt von H. v. Weſtenberg in Conſtanz.]

Weiß mir e Herr, haͤtt ſiebe Suͤh
Und nune einzig Toͤchterli.
Der Herre ſtellt e Gaſtmal a,
Er ladt viel fremdi Herre dra.
Er ladt viel fremdi Herre ni,
De Koͤnig us Mailand au darbi.
Di Tochter haͤt e Haar, iſt gelber weder Gold,
Darum wird ihre der Koͤnig us Mailand hold,
Das Maͤgdli woͤlt ge ſchlafe go,
Tritt ihr der Koͤnig us Mailand no,
Und doner hot ſie Wille getho,
Sizt er ufs Roſſ, und ritt darvo.
In vierzig Woche will er wider ko.
Die vierzig Woche ſind umme,
Der Koͤnig iſt nie kumme.
Dem Maͤgdli wurds im Siteli weh
Zu einem kleine Kindele.
„Ach! Bruder! liebe Bruder mi!
Erlaub du mir di Kaͤmmerli!
Erlaub mir di Schlofgade,
Klei Kindli mueni habe!“ —
„„Ach Schweſter, liebi Schweſter mi!
Schlafkaͤmmerli ſoll di eige ſy;
Ich will dir ge' viel Gut und Geld
Bring du di Kindli recht ufd' Welt.““
„Ach Bruder liebe Bruder mi!
Und haͤtti numme ne Wiber dry!“ —
„„Ach Schweſter liebi Schweſter mi,
D' Wiber muͤend gli vorhande ſy.““ —
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[285/0297] Der Koͤnig aus Mayland. [Mitgetheilt von H. v. Weſtenberg in Conſtanz.] Weiß mir e Herr, haͤtt ſiebe Suͤh Und nune einzig Toͤchterli. Der Herre ſtellt e Gaſtmal a, Er ladt viel fremdi Herre dra. Er ladt viel fremdi Herre ni, De Koͤnig us Mailand au darbi. Di Tochter haͤt e Haar, iſt gelber weder Gold, Darum wird ihre der Koͤnig us Mailand hold, Das Maͤgdli woͤlt ge ſchlafe go, Tritt ihr der Koͤnig us Mailand no, Und doner hot ſie Wille getho, Sizt er ufs Roſſ, und ritt darvo. In vierzig Woche will er wider ko. Die vierzig Woche ſind umme, Der Koͤnig iſt nie kumme. Dem Maͤgdli wurds im Siteli weh Zu einem kleine Kindele. „Ach! Bruder! liebe Bruder mi! Erlaub du mir di Kaͤmmerli! Erlaub mir di Schlofgade, Klei Kindli mueni habe!“ — „„Ach Schweſter, liebi Schweſter mi! Schlafkaͤmmerli ſoll di eige ſy; Ich will dir ge' viel Gut und Geld Bring du di Kindli recht ufd' Welt.““ „Ach Bruder liebe Bruder mi! Und haͤtti numme ne Wiber dry!“ — „„Ach Schweſter liebi Schweſter mi, D' Wiber muͤend gli vorhande ſy.““ —

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Zitationshilfe: Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808, S. 285. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn02_1808/297>, abgerufen am 05.03.2021.