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Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808.

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Die Tode thut si richten auf,
Sie stellt sie uf die Erde,
"Ach Gott! ach Gott! warum bin i do!
Wer thut mi izt erquäle?!" --
Der Färber sprach: "Kennt ihr mi nit,
Der eu das Goldstück hätt gebe,
Wienihr mir händ so treuiglich,
Wienihr mir händ versproche,
Ihr wöllet no warte dry vier Johr,
Bis daß ih wieder käm geloffe." --
Er nimmt sie by der wise Hand,
Thut sie nach Hause führe,
Zun ihrem erste Bräutigam,
Wienes si thut gebühre.
Er klopfet a der Thüre a
Mit ungehöfligem Herze,
Der Junge hätt ihm aufgethan,
In d'Stube thät er sie führe.
Er wünscht dem Hochzeiter e guti Zeit
Mit ungehöflichem Herze:
Do bring i eueri Liebi hai
Wohl us der kühligen Erde." --
Der Hochzeiter verschrikt, fallt in Ohmacht,
Und stirbt au no i der selbige Nacht
Empfindet sie Weh und Schmerze.
Izt wartet sie none halbes Jahr,
So liesset si das neue Paar
Druf no der Kilche führe.
Und das ist ein seltami Eh
Wo diese drey Persone,

Die Tode thut ſi richten auf,
Sie ſtellt ſie uf die Erde,
„Ach Gott! ach Gott! warum bin i do!
Wer thut mi izt erquaͤle?!“ —
Der Faͤrber ſprach: „Kennt ihr mi nit,
Der eu das Goldſtuͤck haͤtt gebe,
Wienihr mir haͤnd ſo treuiglich,
Wienihr mir haͤnd verſproche,
Ihr woͤllet no warte dry vier Johr,
Bis daß ih wieder kaͤm geloffe.“ —
Er nimmt ſie by der wiſe Hand,
Thut ſie nach Hauſe fuͤhre,
Zun ihrem erſte Braͤutigam,
Wienes ſi thut gebuͤhre.
Er klopfet a der Thuͤre a
Mit ungehoͤfligem Herze,
Der Junge haͤtt ihm aufgethan,
In d'Stube thaͤt er ſie fuͤhre.
Er wuͤnſcht dem Hochzeiter e guti Zeit
Mit ungehoͤflichem Herze:
Do bring i eueri Liebi hai
Wohl us der kuͤhligen Erde.“ —
Der Hochzeiter verſchrikt, fallt in Ohmacht,
Und ſtirbt au no i der ſelbige Nacht
Empfindet ſie Weh und Schmerze.
Izt wartet ſie none halbes Jahr,
So lieſſet ſi das neue Paar
Druf no der Kilche fuͤhre.
Und das iſt ein ſeltami Eh
Wo dieſe drey Perſone,

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[301/0313] Die Tode thut ſi richten auf, Sie ſtellt ſie uf die Erde, „Ach Gott! ach Gott! warum bin i do! Wer thut mi izt erquaͤle?!“ — Der Faͤrber ſprach: „Kennt ihr mi nit, Der eu das Goldſtuͤck haͤtt gebe, Wienihr mir haͤnd ſo treuiglich, Wienihr mir haͤnd verſproche, Ihr woͤllet no warte dry vier Johr, Bis daß ih wieder kaͤm geloffe.“ — Er nimmt ſie by der wiſe Hand, Thut ſie nach Hauſe fuͤhre, Zun ihrem erſte Braͤutigam, Wienes ſi thut gebuͤhre. Er klopfet a der Thuͤre a Mit ungehoͤfligem Herze, Der Junge haͤtt ihm aufgethan, In d'Stube thaͤt er ſie fuͤhre. Er wuͤnſcht dem Hochzeiter e guti Zeit Mit ungehoͤflichem Herze: Do bring i eueri Liebi hai Wohl us der kuͤhligen Erde.“ — Der Hochzeiter verſchrikt, fallt in Ohmacht, Und ſtirbt au no i der ſelbige Nacht Empfindet ſie Weh und Schmerze. Izt wartet ſie none halbes Jahr, So lieſſet ſi das neue Paar Druf no der Kilche fuͤhre. Und das iſt ein ſeltami Eh Wo dieſe drey Perſone,

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Zitationshilfe: Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808, S. 301. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn02_1808/313>, abgerufen am 14.05.2021.