Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808.

Bild:
<< vorherige Seite
Der Metzger in die Metzel kam,
Sein Gürtel und Messer mit sich nahm,
Ein weissen Schurz darneben.
Die Pfarrerin mit dem Gelenk heim gieng,
Die Vögtin macht ein Braten,
Es habens kauft mehr als zehn Frau'n,
Ist reissend abgegangen.
Die Backnanger Herrn sind zusammen gesessen,
Das zarte Wesen als einen Rehbock gegessen,
Ein Guckuck für eine Taube,
Und blaue Schleen für Trauben.
Das Backnanger Liedlein lautet nit wohl,
Man schlägt einem gleich den Buckel voll,
Sie konnten das zarte Wesen nit verdauen.


Weibliche Selbstständigkeit.

(Mündlich.)

Wer noch in Freiheit leben will,
Der komm mit mir zum Walde,
Diana rast und rastet still,
Und rufet alsobalde:
Frau Echo schlägt den Triller drein,
Daß mir mein Herz zerspringt,
Weil auf der Sait Diana spielt,
Und mir ein Liedlein singt.
Und als ich in Gedanken da
Schier ganz verwirret ware,
Der Metzger in die Metzel kam,
Sein Guͤrtel und Meſſer mit ſich nahm,
Ein weiſſen Schurz darneben.
Die Pfarrerin mit dem Gelenk heim gieng,
Die Voͤgtin macht ein Braten,
Es habens kauft mehr als zehn Frau'n,
Iſt reiſſend abgegangen.
Die Backnanger Herrn ſind zuſammen geſeſſen,
Das zarte Weſen als einen Rehbock gegeſſen,
Ein Guckuck fuͤr eine Taube,
Und blaue Schleen fuͤr Trauben.
Das Backnanger Liedlein lautet nit wohl,
Man ſchlaͤgt einem gleich den Buckel voll,
Sie konnten das zarte Weſen nit verdauen.


Weibliche Selbſtſtaͤndigkeit.

(Muͤndlich.)

Wer noch in Freiheit leben will,
Der komm mit mir zum Walde,
Diana raſt und raſtet ſtill,
Und rufet alſobalde:
Frau Echo ſchlaͤgt den Triller drein,
Daß mir mein Herz zerſpringt,
Weil auf der Sait Diana ſpielt,
Und mir ein Liedlein ſingt.
Und als ich in Gedanken da
Schier ganz verwirret ware,
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <lg type="poem">
            <pb facs="#f0383" n="371"/>
            <lg n="3">
              <l>Der Metzger in die Metzel kam,</l><lb/>
              <l>Sein Gu&#x0364;rtel und Me&#x017F;&#x017F;er mit &#x017F;ich nahm,</l><lb/>
              <l>Ein wei&#x017F;&#x017F;en Schurz darneben.</l><lb/>
              <l>Die Pfarrerin mit dem Gelenk heim gieng,</l><lb/>
              <l>Die Vo&#x0364;gtin macht ein Braten,</l><lb/>
              <l>Es habens kauft mehr als zehn Frau'n,</l><lb/>
              <l>I&#x017F;t rei&#x017F;&#x017F;end abgegangen.</l><lb/>
              <l>Die Backnanger Herrn &#x017F;ind zu&#x017F;ammen ge&#x017F;e&#x017F;&#x017F;en,</l><lb/>
              <l>Das zarte We&#x017F;en als einen Rehbock gege&#x017F;&#x017F;en,</l><lb/>
              <l>Ein Guckuck fu&#x0364;r eine Taube,</l><lb/>
              <l>Und blaue Schleen fu&#x0364;r Trauben.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="4">
              <l>Das Backnanger Liedlein lautet nit wohl,</l><lb/>
              <l>Man &#x017F;chla&#x0364;gt einem gleich den Buckel voll,</l><lb/>
              <l>Sie konnten das zarte We&#x017F;en nit verdauen.</l>
            </lg>
          </lg>
        </div><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <div n="2">
          <head>Weibliche Selb&#x017F;t&#x017F;ta&#x0364;ndigkeit.</head><lb/>
          <p rendition="#c">(Mu&#x0364;ndlich.)</p><lb/>
          <lg type="poem">
            <lg n="1">
              <l><hi rendition="#in">W</hi>er noch in Freiheit leben will,</l><lb/>
              <l>Der komm mit mir zum Walde,</l><lb/>
              <l>Diana ra&#x017F;t und ra&#x017F;tet &#x017F;till,</l><lb/>
              <l>Und rufet al&#x017F;obalde:</l><lb/>
              <l>Frau Echo &#x017F;chla&#x0364;gt den Triller drein,</l><lb/>
              <l>Daß mir mein Herz zer&#x017F;pringt,</l><lb/>
              <l>Weil auf der Sait Diana &#x017F;pielt,</l><lb/>
              <l>Und mir ein Liedlein &#x017F;ingt.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="2">
              <l>Und als ich in Gedanken da</l><lb/>
              <l>Schier ganz verwirret ware,</l><lb/>
            </lg>
          </lg>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[371/0383] Der Metzger in die Metzel kam, Sein Guͤrtel und Meſſer mit ſich nahm, Ein weiſſen Schurz darneben. Die Pfarrerin mit dem Gelenk heim gieng, Die Voͤgtin macht ein Braten, Es habens kauft mehr als zehn Frau'n, Iſt reiſſend abgegangen. Die Backnanger Herrn ſind zuſammen geſeſſen, Das zarte Weſen als einen Rehbock gegeſſen, Ein Guckuck fuͤr eine Taube, Und blaue Schleen fuͤr Trauben. Das Backnanger Liedlein lautet nit wohl, Man ſchlaͤgt einem gleich den Buckel voll, Sie konnten das zarte Weſen nit verdauen. Weibliche Selbſtſtaͤndigkeit. (Muͤndlich.) Wer noch in Freiheit leben will, Der komm mit mir zum Walde, Diana raſt und raſtet ſtill, Und rufet alſobalde: Frau Echo ſchlaͤgt den Triller drein, Daß mir mein Herz zerſpringt, Weil auf der Sait Diana ſpielt, Und mir ein Liedlein ſingt. Und als ich in Gedanken da Schier ganz verwirret ware,

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn02_1808
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn02_1808/383
Zitationshilfe: Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808, S. 371. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn02_1808/383>, abgerufen am 07.03.2021.