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Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808.

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Darum so seht euch alle vor,
Weil offen steht dem Feind das Thor
Und sammelt alle Nothdurft ein,
Der Winter dringet schon herein,
Daß jeder sich des Feinds erwehr
Geh er zur Ameis in die Lehr,
Sie sammlet ein und leget hinter,
Daß sie zu zehren hab im Winter.



Frühlingserwartung.

(Mündlich.)

Schlagt ihr muntern Nachtigallen,
Laßt den hellen, reinen Ton,
Durch die dichten Sträucher fallen,
Seyd gebeten singet schon:
Und ihr Schach Schimel und Hirsch
Und Esra Saul und Mürsch,
Pincus, Moses, Meyer
Kömmt zu dieser Feyer,
Heut muß Frühling seyn.
Klingts nicht wie neu Gold dies Singen,
Ach so süsse kann wohl kaum
Aaronis Leibrock klingen
Mit den Cimbeln an dem Saum:
Und ihr Schach, Schimel und Hirsch
Und Esra, Saul und Mürsch
Macht kein Streit und Händel,
Bindt die Schuh mit Bändel,
Heut muß Frühling seyn.

Darum ſo ſeht euch alle vor,
Weil offen ſteht dem Feind das Thor
Und ſammelt alle Nothdurft ein,
Der Winter dringet ſchon herein,
Daß jeder ſich des Feinds erwehr
Geh er zur Ameis in die Lehr,
Sie ſammlet ein und leget hinter,
Daß ſie zu zehren hab im Winter.



Fruͤhlingserwartung.

(Muͤndlich.)

Schlagt ihr muntern Nachtigallen,
Laßt den hellen, reinen Ton,
Durch die dichten Straͤucher fallen,
Seyd gebeten ſinget ſchon:
Und ihr Schach Schimel und Hirſch
Und Eſra Saul und Muͤrſch,
Pincus, Moſes, Meyer
Koͤmmt zu dieſer Feyer,
Heut muß Fruͤhling ſeyn.
Klingts nicht wie neu Gold dies Singen,
Ach ſo ſuͤſſe kann wohl kaum
Aaronis Leibrock klingen
Mit den Cimbeln an dem Saum:
Und ihr Schach, Schimel und Hirſch
Und Eſra, Saul und Muͤrſch
Macht kein Streit und Haͤndel,
Bindt die Schuh mit Baͤndel,
Heut muß Fruͤhling ſeyn.

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[69/0081] Darum ſo ſeht euch alle vor, Weil offen ſteht dem Feind das Thor Und ſammelt alle Nothdurft ein, Der Winter dringet ſchon herein, Daß jeder ſich des Feinds erwehr Geh er zur Ameis in die Lehr, Sie ſammlet ein und leget hinter, Daß ſie zu zehren hab im Winter. Fruͤhlingserwartung. (Muͤndlich.) Schlagt ihr muntern Nachtigallen, Laßt den hellen, reinen Ton, Durch die dichten Straͤucher fallen, Seyd gebeten ſinget ſchon: Und ihr Schach Schimel und Hirſch Und Eſra Saul und Muͤrſch, Pincus, Moſes, Meyer Koͤmmt zu dieſer Feyer, Heut muß Fruͤhling ſeyn. Klingts nicht wie neu Gold dies Singen, Ach ſo ſuͤſſe kann wohl kaum Aaronis Leibrock klingen Mit den Cimbeln an dem Saum: Und ihr Schach, Schimel und Hirſch Und Eſra, Saul und Muͤrſch Macht kein Streit und Haͤndel, Bindt die Schuh mit Baͤndel, Heut muß Fruͤhling ſeyn.

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Zitationshilfe: Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808, S. 69. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn02_1808/81>, abgerufen am 11.04.2021.