Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Arnim, Bettina von: Goethe's Briefwechsel mit einem Kinde. Bd. 2. Berlin, 1835.

Bild:
<< vorherige Seite

Ich stieg einmal auf einen Berg. -- Ach! -- was
mein Herz beschwert? -- sind Kleinigkeiten sagen die
Menschen. -- Zusammenhängend schreiben? -- ich könnte
meiner Lebtag die Wahrheit nicht hervorbringen; seit-
dem wir in Töplitz zusammen gesessen haben, was soll
ich Dir noch lang schreiben was der Tag mit sich bringt,
das Leben ist nur schön wenn ich mit Dir bin. -- Nein
ich kann Dir nichts zusammenhängendes erzählen, buch-
stabir Dich durch wie damals durch mein Geschwätz.
-- Schreib ich denn nicht immer was ich schon hundert-
tausendmal gesagt habe? -- Die da von Dresden ka-
men erzählten mir viel von deinen Wegen und Stegen,
grad als wollten sie sagen: dein Hausgott war auf
andrer Leute Heerd zu Gast, und hat sich da gefallen.
Z ..... hat dein Bild überkommen und hat es wieder
sein graubraunes Conterfei gestützt; ich seh in die Welt,
und in diesem tausendfältigen Narrenspiegel seh ich häu-
fig dein Bild das von Narren geliebkos't wird. Du
kannst doch wohl denken daß dies mir nicht erfreulich
ist. Du und Schiller Ihr wart Freunde und Eure
Freundschaft hatte eine Basis im Geisterreich; aber Goe-
the diese nachkömmlichen Bündnisse die gemahnen mich


Ich ſtieg einmal auf einen Berg. — Ach! — was
mein Herz beſchwert? — ſind Kleinigkeiten ſagen die
Menſchen. — Zuſammenhängend ſchreiben? — ich könnte
meiner Lebtag die Wahrheit nicht hervorbringen; ſeit-
dem wir in Töplitz zuſammen geſeſſen haben, was ſoll
ich Dir noch lang ſchreiben was der Tag mit ſich bringt,
das Leben iſt nur ſchön wenn ich mit Dir bin. — Nein
ich kann Dir nichts zuſammenhängendes erzählen, buch-
ſtabir Dich durch wie damals durch mein Geſchwätz.
— Schreib ich denn nicht immer was ich ſchon hundert-
tauſendmal geſagt habe? — Die da von Dresden ka-
men erzählten mir viel von deinen Wegen und Stegen,
grad als wollten ſie ſagen: dein Hausgott war auf
andrer Leute Heerd zu Gaſt, und hat ſich da gefallen.
Z ..... hat dein Bild überkommen und hat es wieder
ſein graubraunes Conterfei geſtützt; ich ſeh in die Welt,
und in dieſem tauſendfältigen Narrenſpiegel ſeh ich häu-
fig dein Bild das von Narren geliebkoſ't wird. Du
kannſt doch wohl denken daß dies mir nicht erfreulich
iſt. Du und Schiller Ihr wart Freunde und Eure
Freundſchaft hatte eine Baſis im Geiſterreich; aber Goe-
the dieſe nachkömmlichen Bündniſſe die gemahnen mich

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0241" n="231"/>
        <div n="2">
          <dateline> <hi rendition="#et">Am 18.</hi> </dateline><lb/>
          <p>Ich &#x017F;tieg einmal auf einen Berg. &#x2014; Ach! &#x2014; was<lb/>
mein Herz be&#x017F;chwert? &#x2014; &#x017F;ind Kleinigkeiten &#x017F;agen die<lb/>
Men&#x017F;chen. &#x2014; Zu&#x017F;ammenhängend &#x017F;chreiben? &#x2014; ich könnte<lb/>
meiner Lebtag die Wahrheit nicht hervorbringen; &#x017F;eit-<lb/>
dem wir in Töplitz zu&#x017F;ammen ge&#x017F;e&#x017F;&#x017F;en haben, was &#x017F;oll<lb/>
ich Dir noch lang &#x017F;chreiben was der Tag mit &#x017F;ich bringt,<lb/>
das Leben i&#x017F;t nur &#x017F;chön wenn ich mit Dir bin. &#x2014; Nein<lb/>
ich kann Dir nichts zu&#x017F;ammenhängendes erzählen, buch-<lb/>
&#x017F;tabir Dich durch wie damals durch mein Ge&#x017F;chwätz.<lb/>
&#x2014; Schreib ich denn nicht immer was ich &#x017F;chon hundert-<lb/>
tau&#x017F;endmal ge&#x017F;agt habe? &#x2014; Die da von Dresden ka-<lb/>
men erzählten mir viel von deinen Wegen und Stegen,<lb/>
grad als wollten &#x017F;ie &#x017F;agen: dein Hausgott war auf<lb/>
andrer Leute Heerd zu Ga&#x017F;t, und hat &#x017F;ich da gefallen.<lb/>
Z ..... hat dein Bild überkommen und hat es wieder<lb/>
&#x017F;ein graubraunes Conterfei ge&#x017F;tützt; ich &#x017F;eh in die Welt,<lb/>
und in die&#x017F;em tau&#x017F;endfältigen Narren&#x017F;piegel &#x017F;eh ich häu-<lb/>
fig dein Bild das von Narren geliebko&#x017F;'t wird. Du<lb/>
kann&#x017F;t doch wohl denken daß dies mir nicht erfreulich<lb/>
i&#x017F;t. Du und Schiller Ihr wart Freunde und Eure<lb/>
Freund&#x017F;chaft hatte eine Ba&#x017F;is im Gei&#x017F;terreich; aber Goe-<lb/>
the die&#x017F;e nachkömmlichen Bündni&#x017F;&#x017F;e die gemahnen mich<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[231/0241] Am 18. Ich ſtieg einmal auf einen Berg. — Ach! — was mein Herz beſchwert? — ſind Kleinigkeiten ſagen die Menſchen. — Zuſammenhängend ſchreiben? — ich könnte meiner Lebtag die Wahrheit nicht hervorbringen; ſeit- dem wir in Töplitz zuſammen geſeſſen haben, was ſoll ich Dir noch lang ſchreiben was der Tag mit ſich bringt, das Leben iſt nur ſchön wenn ich mit Dir bin. — Nein ich kann Dir nichts zuſammenhängendes erzählen, buch- ſtabir Dich durch wie damals durch mein Geſchwätz. — Schreib ich denn nicht immer was ich ſchon hundert- tauſendmal geſagt habe? — Die da von Dresden ka- men erzählten mir viel von deinen Wegen und Stegen, grad als wollten ſie ſagen: dein Hausgott war auf andrer Leute Heerd zu Gaſt, und hat ſich da gefallen. Z ..... hat dein Bild überkommen und hat es wieder ſein graubraunes Conterfei geſtützt; ich ſeh in die Welt, und in dieſem tauſendfältigen Narrenſpiegel ſeh ich häu- fig dein Bild das von Narren geliebkoſ't wird. Du kannſt doch wohl denken daß dies mir nicht erfreulich iſt. Du und Schiller Ihr wart Freunde und Eure Freundſchaft hatte eine Baſis im Geiſterreich; aber Goe- the dieſe nachkömmlichen Bündniſſe die gemahnen mich

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/arnimb_goethe02_1835
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/arnimb_goethe02_1835/241
Zitationshilfe: Arnim, Bettina von: Goethe's Briefwechsel mit einem Kinde. Bd. 2. Berlin, 1835, S. 231. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/arnimb_goethe02_1835/241>, abgerufen am 27.02.2021.