Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Arnim, Bettina von: Goethe's Briefwechsel mit einem Kinde. Bd. 2. Berlin, 1835.

Bild:
<< vorherige Seite

deutlicher machen kann, Du weißt alles und verstehst
mich, und weißt daß ich recht habe und freust Dich
drüber.

Gute Nacht! -- bis Morgen gute Nacht. -- Alles
ist still, schläft ein jeder im Haus, hängt träumend dem
nach, was er wachend begehrt, ich aber bin allein wach
mit Dir. Draußen auf der Straße kein Laut mehr --
ich möchte wohl versichert sein daß in diesem Augenblick
keine Seele mehr an Dich denkt, kein Herz einen Schlag
mehr für Dich thut, und ich allein auf der weiten Welt
sitze zu deinen Füßen, das Herz in vollen Schlägen geht
auf und ab; und während alles schläft bin ich wach
dein Knie an meine Brust zu drücken, -- und Du? --
die Welt braucht's nicht zu wissen daß Du mir gut bist.

Bettine.
An Goethe.

Heut bricht der volle Tag mit seinen Neuigkeiten
in meine Einsamkeit herein, wie ein schwer beladener
Frachtwagen auf einer leichten Brücke einbricht, die nur
für harmlose Spaziergänger gebaut war. Da hilft
nichts, man muß Hand anlegen und helfen alles in

deutlicher machen kann, Du weißt alles und verſtehſt
mich, und weißt daß ich recht habe und freuſt Dich
drüber.

Gute Nacht! — bis Morgen gute Nacht. — Alles
iſt ſtill, ſchläft ein jeder im Haus, hängt träumend dem
nach, was er wachend begehrt, ich aber bin allein wach
mit Dir. Draußen auf der Straße kein Laut mehr —
ich möchte wohl verſichert ſein daß in dieſem Augenblick
keine Seele mehr an Dich denkt, kein Herz einen Schlag
mehr für Dich thut, und ich allein auf der weiten Welt
ſitze zu deinen Füßen, das Herz in vollen Schlägen geht
auf und ab; und während alles ſchläft bin ich wach
dein Knie an meine Bruſt zu drücken, — und Du? —
die Welt braucht's nicht zu wiſſen daß Du mir gut biſt.

Bettine.
An Goethe.

Heut bricht der volle Tag mit ſeinen Neuigkeiten
in meine Einſamkeit herein, wie ein ſchwer beladener
Frachtwagen auf einer leichten Brücke einbricht, die nur
für harmloſe Spaziergänger gebaut war. Da hilft
nichts, man muß Hand anlegen und helfen alles in

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0039" n="29"/>
deutlicher machen kann, Du weißt alles und ver&#x017F;teh&#x017F;t<lb/>
mich, und weißt daß ich recht habe und freu&#x017F;t Dich<lb/>
drüber.</p><lb/>
          <p>Gute Nacht! &#x2014; bis Morgen gute Nacht. &#x2014; Alles<lb/>
i&#x017F;t &#x017F;till, &#x017F;chläft ein jeder im Haus, hängt träumend dem<lb/>
nach, was er wachend begehrt, ich aber bin allein wach<lb/>
mit Dir. Draußen auf der Straße kein Laut mehr &#x2014;<lb/>
ich möchte wohl ver&#x017F;ichert &#x017F;ein daß in die&#x017F;em Augenblick<lb/>
keine Seele mehr an Dich denkt, kein Herz einen Schlag<lb/>
mehr für Dich thut, und ich allein auf der weiten Welt<lb/>
&#x017F;itze zu deinen Füßen, das Herz in vollen Schlägen geht<lb/>
auf und ab; und während alles &#x017F;chläft bin ich wach<lb/>
dein Knie an meine Bru&#x017F;t zu drücken, &#x2014; und Du? &#x2014;<lb/>
die Welt braucht's nicht zu wi&#x017F;&#x017F;en daß Du mir gut bi&#x017F;t.</p><lb/>
          <closer>
            <salute> <hi rendition="#et">Bettine.</hi> </salute>
          </closer>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <opener>
            <salute>An Goethe.</salute><lb/>
            <dateline> <hi rendition="#et">München, 3. März 1809.</hi> </dateline>
          </opener><lb/>
          <p>Heut bricht der volle Tag mit &#x017F;einen Neuigkeiten<lb/>
in meine Ein&#x017F;amkeit herein, wie ein &#x017F;chwer beladener<lb/>
Frachtwagen auf einer leichten Brücke einbricht, die nur<lb/>
für harmlo&#x017F;e Spaziergänger gebaut war. Da hilft<lb/>
nichts, man muß Hand anlegen und helfen alles in<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[29/0039] deutlicher machen kann, Du weißt alles und verſtehſt mich, und weißt daß ich recht habe und freuſt Dich drüber. Gute Nacht! — bis Morgen gute Nacht. — Alles iſt ſtill, ſchläft ein jeder im Haus, hängt träumend dem nach, was er wachend begehrt, ich aber bin allein wach mit Dir. Draußen auf der Straße kein Laut mehr — ich möchte wohl verſichert ſein daß in dieſem Augenblick keine Seele mehr an Dich denkt, kein Herz einen Schlag mehr für Dich thut, und ich allein auf der weiten Welt ſitze zu deinen Füßen, das Herz in vollen Schlägen geht auf und ab; und während alles ſchläft bin ich wach dein Knie an meine Bruſt zu drücken, — und Du? — die Welt braucht's nicht zu wiſſen daß Du mir gut biſt. Bettine. An Goethe. München, 3. März 1809. Heut bricht der volle Tag mit ſeinen Neuigkeiten in meine Einſamkeit herein, wie ein ſchwer beladener Frachtwagen auf einer leichten Brücke einbricht, die nur für harmloſe Spaziergänger gebaut war. Da hilft nichts, man muß Hand anlegen und helfen alles in

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/arnimb_goethe02_1835
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/arnimb_goethe02_1835/39
Zitationshilfe: Arnim, Bettina von: Goethe's Briefwechsel mit einem Kinde. Bd. 2. Berlin, 1835, S. 29. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/arnimb_goethe02_1835/39>, abgerufen am 27.02.2021.