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Arnim, Bettina von: Die Günderode. Bd. 2. Grünberg u. a., 1840.

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mehr wie einmal, mit dem Freund der ihn verläßt muß
er sterben, und wenn ich mit jenem Kind leiden und
sterben mußte, weil ich sein Geschick als das meine in ihm
empfand und weil ich es zu sehr liebte und konnte es
nicht allein in den Tod gehen lassen. -- Wenn Du das
alles überlegst, so wirst Du nachsichtig sein daß ich so
furchtsam bin um Dich.

Ich hab auch jetzt schon lange wieder nichts
von Dir gehört, auf den Clausner kann ich mich nicht
verlassen, von Dir will ich keine Briefe fordern, Du hast
viel zu denken und vielleicht Deine Augen sind leidend,
aber doch bin ich immer voll Sorgen wenn ich an dem
Tag keine Briefe von Dir hab, wo ich mirs in Kopf
gesetzt hab; dann steigert sichs bis zur Angst wenn
noch ein Posttag vergeht, und dann hilft mirs nur,
wenn ich in der Sternennacht auf der Warte an Dich
denke, da trau ichs meinem Geist seinem mächtigen
Willen zu daß er Dich schütze. Die Nächte war so tie¬
fer Schnee gefallen daß ich mir erst am Tag einen kleinen
Pfad zum Thurm schaufeln mußte, denn so lang ich
vermag wird mich nichts abhalten daß ich da hinauf
geh und in Gedanken zu Dir dringe und für Dich bet,
bis ich wieder bei Dir bin. -- Im Rheingau hast Du

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mehr wie einmal, mit dem Freund der ihn verläßt muß
er ſterben, und wenn ich mit jenem Kind leiden und
ſterben mußte, weil ich ſein Geſchick als das meine in ihm
empfand und weil ich es zu ſehr liebte und konnte es
nicht allein in den Tod gehen laſſen. — Wenn Du das
alles überlegſt, ſo wirſt Du nachſichtig ſein daß ich ſo
furchtſam bin um Dich.

Ich hab auch jetzt ſchon lange wieder nichts
von Dir gehört, auf den Clausner kann ich mich nicht
verlaſſen, von Dir will ich keine Briefe fordern, Du haſt
viel zu denken und vielleicht Deine Augen ſind leidend,
aber doch bin ich immer voll Sorgen wenn ich an dem
Tag keine Briefe von Dir hab, wo ich mirs in Kopf
geſetzt hab; dann ſteigert ſichs bis zur Angſt wenn
noch ein Poſttag vergeht, und dann hilft mirs nur,
wenn ich in der Sternennacht auf der Warte an Dich
denke, da trau ichs meinem Geiſt ſeinem mächtigen
Willen zu daß er Dich ſchütze. Die Nächte war ſo tie¬
fer Schnee gefallen daß ich mir erſt am Tag einen kleinen
Pfad zum Thurm ſchaufeln mußte, denn ſo lang ich
vermag wird mich nichts abhalten daß ich da hinauf
geh und in Gedanken zu Dir dringe und für Dich bet,
bis ich wieder bei Dir bin. — Im Rheingau haſt Du

9*
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[195/0209] mehr wie einmal, mit dem Freund der ihn verläßt muß er ſterben, und wenn ich mit jenem Kind leiden und ſterben mußte, weil ich ſein Geſchick als das meine in ihm empfand und weil ich es zu ſehr liebte und konnte es nicht allein in den Tod gehen laſſen. — Wenn Du das alles überlegſt, ſo wirſt Du nachſichtig ſein daß ich ſo furchtſam bin um Dich. Ich hab auch jetzt ſchon lange wieder nichts von Dir gehört, auf den Clausner kann ich mich nicht verlaſſen, von Dir will ich keine Briefe fordern, Du haſt viel zu denken und vielleicht Deine Augen ſind leidend, aber doch bin ich immer voll Sorgen wenn ich an dem Tag keine Briefe von Dir hab, wo ich mirs in Kopf geſetzt hab; dann ſteigert ſichs bis zur Angſt wenn noch ein Poſttag vergeht, und dann hilft mirs nur, wenn ich in der Sternennacht auf der Warte an Dich denke, da trau ichs meinem Geiſt ſeinem mächtigen Willen zu daß er Dich ſchütze. Die Nächte war ſo tie¬ fer Schnee gefallen daß ich mir erſt am Tag einen kleinen Pfad zum Thurm ſchaufeln mußte, denn ſo lang ich vermag wird mich nichts abhalten daß ich da hinauf geh und in Gedanken zu Dir dringe und für Dich bet, bis ich wieder bei Dir bin. — Im Rheingau haſt Du 9*

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Zitationshilfe: Arnim, Bettina von: Die Günderode. Bd. 2. Grünberg u. a., 1840, S. 195. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/arnimb_guenderode02_1840/209>, abgerufen am 11.04.2021.