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Allgemeine Zeitung. Nr. 30. Augsburg, 30. Januar 1840.

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Queensbench in das Gefängniß der letztern wandern. Dieses Gericht hat durch seine rule absolute dem Hause der Gemeinen den Handschuh hingeworfen, und die Sache dürfte am Ende wohl vor das Oberhaus kommen, wo dann freilich die Chancen für die torystische Ansicht der Sache stehen. Eine Versammlung der Aldermänner von London am 21 sprach sich mit vieler Sympathie für die Sheriffs aus, die, wenn schon gewarnt durch den vorjährigen Beschluß der Gemeinen, doch in gutem Glauben in dieser Sache handelten.

Auch in der Unterhaussitzung vom 22 Jan. wurde mit der Privilegiumsdebatte fortgefahren. Lord J. Russell trug darauf an, daß Hr. Thomas Burton Howard, der Advocat Stockdale's, an die Schranken des Hauses berufen werde. Die von Sir Ed. Sugden entgegengesetzte Motion, daß derselbe sofort freizusprechen und zu entlassen sey, ging mit 210 gegen 92 Stimmen verloren, und Howard ward an die Schranken vorgeführt. Derselbe war geständig, dem Kläger Stockdale durch alle Instanzen seines Libellprocesses als Rechtsbeistand gedient, und drückte sein Bedauern aus, sich damit das Mißfallen des Hauses zugezogen zu haben. Durch diese Erklärung, meinte hierauf Lord J. Russell, dürfte dem Privilegium des Hauses insoweit Genugthuung geleistet seyn, daß Hr. Howard entlassen werden könne; dieser milderen Ansicht aber widersetzten sich Lord Howick (der vormalige Kriegsminister) und die HH. Hume, Warburton und O'Connell. Sir R. Peel empfahl den Mezzo Termine, man solle den Vorgeführten der Mißachtung (contempt) des Hauses für schuldig erkennen, derselbe sofort von dem Sprecher einen Verweis erhalten, und dann entlassen werden. Auf diesen Wink des seltenen ministeriellen Bundesgenossen hin schlug der Attorney-General, Sir J. Campbell, zu Lord Johns Antrag ein entsprechendes Amendement vor. Sir R. Inglis und andere Tories erhoben sich für Lord Johns anfänglichen Vorschlag, unterlagen aber in einer Abstimmung, in welcher Lord J. Russell gegen seine eigene Motion votirte, mit 178 gegen 68 Stimmen. Hr. Howard erhielt hierauf durch den Sprecher einen Verweis, und ward entlassen. Der Apanage-Antrag für Prinz Albert blieb ausgesetzt, und das Haus vertagte sich. -- Das Oberhaus hielt, wie an Mittwochen gewöhnlich, keine Sitzung.

**Oberhaussitzung vom 23 Jan. Lord Londonderry: "Ich erlaube mir an den edlen Viscount eine Frage über die Pacification Spaniens. Ich wünschte zu wissen, ob Lord John Hay und die unter ihm stehenden Officiere, ob die brittische Regierung selbst an der Convention von Bergara Theil genommen. Ist diese Convention in den Händen der Regierung, und wird dieselbe sie auf den Tisch des Hauses niederlegen? hat die Regierung über die wirklich erfolgte Ausgleichung zwischen der Madrider Regierung und den baskischen Provinzen befriedigende Beweise in Händen?" Lord Melbourne antwortete mit so leiser Stimme, daß seine Antwort für die Reporters auf der Galerie fast ganz verloren ging. Doch schien er sagen zu wollen, der Vorlegung des Vertrags von Bergara stehe nichts entgegen. Lord Strangford frägt, ob die Regierung wisse, daß in Paris ein Abgeordneter der Regierung von Montevideo angekommen. Dieser Staat beabsichtige, sich auf ähnliche Weise unter das Protectorat Frankreichs zu stellen, wie die jonischen Inseln unter dem Schutze Britanniens stehen. Lord Melbourne entgegnete, er habe darüber keine Nachricht, werde aber Erkundigungen einziehen. Graf Ripon ließ hierauf in einem ziemlich desultorischen Vortrag die verschiedenen Staatsdepartements die Musterung passiren, beklagte den Zustand der Finanzen, das sich mehr und mehr vergrößernde Deficit, die von Jahr zu Jahr wachsenden Staatsausgaben, den unzulänglichen Zustand der Flotte, die Gährungen in England und Irland, die Lage Canada's u. s. w. Lord Melbourne stimmte in die Klagen über die mit der Stockung in Handel und Gewerb zusammenhängende Finanzbedrängniß mit ein, und gestand bedauernd, daß eine Verminderung der Staatsausgaben für die nächste Zukunft kaum zu hoffen sey. Hinsichtlich Irlands und Canada's gab er beruhigende Versicherungen. - Das Haus der Gemeinen saß nicht, da die zu einer Sitzung erforderliche Anzahl von 40 Mitgliedern nicht zusammen gekommen war.

Die bekannte Schriftstellerin, Lady Blessington, versammelte am 20 Jan. in ihrem Hause folgende bunte Tischgesellschaft: die Lords Lyndhurst, Brougham und Strangford, den Prinzen Louis Napoleon, Vicomte Persigny und General Montholon, Sir R. Wilson und die HH. Leader, Roebuck und Montgomery (letzterer Lord Broughams Freund). Eine ähnliche Mischung von Tories und Radicalen hatte ein paar Tage zuvor auch Lord Brougham zu sich eingeladen.

Eine Anzahl Londoner Chartisten, deren nächtliche Versammlung in Bethnal-Green, einem der schmutzigsten, für feinere Füße und Nasen kaum zugänglichen Stadttheile Londons, die Bewohner der Hauptstadt am 14 Jan. in solchen Schrecken versetzte, stand am 21 Jan. vor dem Polizeigericht in Bow-Street. Der Vorsitzer der Versammlung, ein gewisser Neesom, und zwei andere, Spurr und Williams, wurden angewiesen, eine Geldbürgschaft zu finden, daß sie seiner Zeit vor dem Criminalgericht erscheinen werden. Die Uebrigen wurden nach geschehener Aufzeichnung ihrer Namen wieder entlassen. - Die in Sheffield verhafteten Chartistenanführer hat man, der Sicherheit wegen, nach dem Schlosse der Stadt York in Gewahrsam gebracht, wo sie den Assisen entgegensehen.

Capitän Driver, Commandant des Greenlaw, hat über die Vorfälle bei der Insel Mauritius ein Schreiben an die Times gerichtet, worin er auf die französischen Officiere der Kriegscorvette Isere und auf die Franzosen überhaupt in englisch-seemännischer Weise auf das derbste loszieht. Der Commandant der Isere, schreibt Capitän Driver, habe auf dem obersten Mast die dreifarbige Flagge aufgepflanzt, unter dieser die Flaggen von verschiedenen andern Nationen, die "glorreiche St. Georgs Flagge" aber sey die unterste gewesen, und habe die Oberfläche des Meeres gestreift. Als Britten und alten Marineofficier habe ihn diese grobe Beleidigung gegen Englands Königin und Nation erbittert, und um seine Revanche zu nehmen, sey Tags darauf auf seinen Befehl an das Bugspriet des Greenlaw die französische Flagge gesteckt worden und zwölf Fuß über ihr die beleidigte Flagge Großbritanniens. Die Franzosen bemerkten dieß und verlangten, Capitän Driver solle die französische Flagge vom Bugspriet wegnehmen. Letzterer antwortete, er werde dieß nicht thun, erbot sich aber die französische Flagge auf seinem Hauptmast aufzustecken, wenn von den Franzosen das Gleiche geschehe. "Die Franzosen, fährt Capitän Driver fort, machten darüber großen Lärm und schwatzten von ihrer Ehre und der Ehre ihrer Nation. Ich muß offen gestehen, ich habe von eines Franzosen Ehre nicht die beste Meinung, und wenn ich Franzosen dieses Wort gebrauchen und wie Affen sich gebärden sehe, denke ich immer, sie führen irgend eine Spitzbüberei im Schild und bin demgemäß auf meiner Hut, denn ich habe die feste Ueberzeugung, daß Ehre dem Herzen eines Franzosen selten näher steht, als die Spitze seiner Zunge, und England hat dieß in der Regel erfahren. Ich bot den beiden französischen Capitäns persönliche Genugthuung an; diese lehnten es ab, sagten aber, sie wollten die ihrer Flagge zugefügte Insulte mit meinem Blut abwaschen.

Queensbench in das Gefängniß der letztern wandern. Dieses Gericht hat durch seine rule absolute dem Hause der Gemeinen den Handschuh hingeworfen, und die Sache dürfte am Ende wohl vor das Oberhaus kommen, wo dann freilich die Chancen für die torystische Ansicht der Sache stehen. Eine Versammlung der Aldermänner von London am 21 sprach sich mit vieler Sympathie für die Sheriffs aus, die, wenn schon gewarnt durch den vorjährigen Beschluß der Gemeinen, doch in gutem Glauben in dieser Sache handelten.

Auch in der Unterhaussitzung vom 22 Jan. wurde mit der Privilegiumsdebatte fortgefahren. Lord J. Russell trug darauf an, daß Hr. Thomas Burton Howard, der Advocat Stockdale's, an die Schranken des Hauses berufen werde. Die von Sir Ed. Sugden entgegengesetzte Motion, daß derselbe sofort freizusprechen und zu entlassen sey, ging mit 210 gegen 92 Stimmen verloren, und Howard ward an die Schranken vorgeführt. Derselbe war geständig, dem Kläger Stockdale durch alle Instanzen seines Libellprocesses als Rechtsbeistand gedient, und drückte sein Bedauern aus, sich damit das Mißfallen des Hauses zugezogen zu haben. Durch diese Erklärung, meinte hierauf Lord J. Russell, dürfte dem Privilegium des Hauses insoweit Genugthuung geleistet seyn, daß Hr. Howard entlassen werden könne; dieser milderen Ansicht aber widersetzten sich Lord Howick (der vormalige Kriegsminister) und die HH. Hume, Warburton und O'Connell. Sir R. Peel empfahl den Mezzo Termine, man solle den Vorgeführten der Mißachtung (contempt) des Hauses für schuldig erkennen, derselbe sofort von dem Sprecher einen Verweis erhalten, und dann entlassen werden. Auf diesen Wink des seltenen ministeriellen Bundesgenossen hin schlug der Attorney-General, Sir J. Campbell, zu Lord Johns Antrag ein entsprechendes Amendement vor. Sir R. Inglis und andere Tories erhoben sich für Lord Johns anfänglichen Vorschlag, unterlagen aber in einer Abstimmung, in welcher Lord J. Russell gegen seine eigene Motion votirte, mit 178 gegen 68 Stimmen. Hr. Howard erhielt hierauf durch den Sprecher einen Verweis, und ward entlassen. Der Apanage-Antrag für Prinz Albert blieb ausgesetzt, und das Haus vertagte sich. — Das Oberhaus hielt, wie an Mittwochen gewöhnlich, keine Sitzung.

**Oberhaussitzung vom 23 Jan. Lord Londonderry: „Ich erlaube mir an den edlen Viscount eine Frage über die Pacification Spaniens. Ich wünschte zu wissen, ob Lord John Hay und die unter ihm stehenden Officiere, ob die brittische Regierung selbst an der Convention von Bergara Theil genommen. Ist diese Convention in den Händen der Regierung, und wird dieselbe sie auf den Tisch des Hauses niederlegen? hat die Regierung über die wirklich erfolgte Ausgleichung zwischen der Madrider Regierung und den baskischen Provinzen befriedigende Beweise in Händen?“ Lord Melbourne antwortete mit so leiser Stimme, daß seine Antwort für die Reporters auf der Galerie fast ganz verloren ging. Doch schien er sagen zu wollen, der Vorlegung des Vertrags von Bergara stehe nichts entgegen. Lord Strangford frägt, ob die Regierung wisse, daß in Paris ein Abgeordneter der Regierung von Montevideo angekommen. Dieser Staat beabsichtige, sich auf ähnliche Weise unter das Protectorat Frankreichs zu stellen, wie die jonischen Inseln unter dem Schutze Britanniens stehen. Lord Melbourne entgegnete, er habe darüber keine Nachricht, werde aber Erkundigungen einziehen. Graf Ripon ließ hierauf in einem ziemlich desultorischen Vortrag die verschiedenen Staatsdepartements die Musterung passiren, beklagte den Zustand der Finanzen, das sich mehr und mehr vergrößernde Deficit, die von Jahr zu Jahr wachsenden Staatsausgaben, den unzulänglichen Zustand der Flotte, die Gährungen in England und Irland, die Lage Canada's u. s. w. Lord Melbourne stimmte in die Klagen über die mit der Stockung in Handel und Gewerb zusammenhängende Finanzbedrängniß mit ein, und gestand bedauernd, daß eine Verminderung der Staatsausgaben für die nächste Zukunft kaum zu hoffen sey. Hinsichtlich Irlands und Canada's gab er beruhigende Versicherungen. – Das Haus der Gemeinen saß nicht, da die zu einer Sitzung erforderliche Anzahl von 40 Mitgliedern nicht zusammen gekommen war.

Die bekannte Schriftstellerin, Lady Blessington, versammelte am 20 Jan. in ihrem Hause folgende bunte Tischgesellschaft: die Lords Lyndhurst, Brougham und Strangford, den Prinzen Louis Napoleon, Vicomte Persigny und General Montholon, Sir R. Wilson und die HH. Leader, Roebuck und Montgomery (letzterer Lord Broughams Freund). Eine ähnliche Mischung von Tories und Radicalen hatte ein paar Tage zuvor auch Lord Brougham zu sich eingeladen.

Eine Anzahl Londoner Chartisten, deren nächtliche Versammlung in Bethnal-Green, einem der schmutzigsten, für feinere Füße und Nasen kaum zugänglichen Stadttheile Londons, die Bewohner der Hauptstadt am 14 Jan. in solchen Schrecken versetzte, stand am 21 Jan. vor dem Polizeigericht in Bow-Street. Der Vorsitzer der Versammlung, ein gewisser Neesom, und zwei andere, Spurr und Williams, wurden angewiesen, eine Geldbürgschaft zu finden, daß sie seiner Zeit vor dem Criminalgericht erscheinen werden. Die Uebrigen wurden nach geschehener Aufzeichnung ihrer Namen wieder entlassen. – Die in Sheffield verhafteten Chartistenanführer hat man, der Sicherheit wegen, nach dem Schlosse der Stadt York in Gewahrsam gebracht, wo sie den Assisen entgegensehen.

Capitän Driver, Commandant des Greenlaw, hat über die Vorfälle bei der Insel Mauritius ein Schreiben an die Times gerichtet, worin er auf die französischen Officiere der Kriegscorvette Isère und auf die Franzosen überhaupt in englisch-seemännischer Weise auf das derbste loszieht. Der Commandant der Isère, schreibt Capitän Driver, habe auf dem obersten Mast die dreifarbige Flagge aufgepflanzt, unter dieser die Flaggen von verschiedenen andern Nationen, die „glorreiche St. Georgs Flagge“ aber sey die unterste gewesen, und habe die Oberfläche des Meeres gestreift. Als Britten und alten Marineofficier habe ihn diese grobe Beleidigung gegen Englands Königin und Nation erbittert, und um seine Revanche zu nehmen, sey Tags darauf auf seinen Befehl an das Bugspriet des Greenlaw die französische Flagge gesteckt worden und zwölf Fuß über ihr die beleidigte Flagge Großbritanniens. Die Franzosen bemerkten dieß und verlangten, Capitän Driver solle die französische Flagge vom Bugspriet wegnehmen. Letzterer antwortete, er werde dieß nicht thun, erbot sich aber die französische Flagge auf seinem Hauptmast aufzustecken, wenn von den Franzosen das Gleiche geschehe. „Die Franzosen, fährt Capitän Driver fort, machten darüber großen Lärm und schwatzten von ihrer Ehre und der Ehre ihrer Nation. Ich muß offen gestehen, ich habe von eines Franzosen Ehre nicht die beste Meinung, und wenn ich Franzosen dieses Wort gebrauchen und wie Affen sich gebärden sehe, denke ich immer, sie führen irgend eine Spitzbüberei im Schild und bin demgemäß auf meiner Hut, denn ich habe die feste Ueberzeugung, daß Ehre dem Herzen eines Franzosen selten näher steht, als die Spitze seiner Zunge, und England hat dieß in der Regel erfahren. Ich bot den beiden französischen Capitäns persönliche Genugthuung an; diese lehnten es ab, sagten aber, sie wollten die ihrer Flagge zugefügte Insulte mit meinem Blut abwaschen.

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[0234/0002] Queensbench in das Gefängniß der letztern wandern. Dieses Gericht hat durch seine rule absolute dem Hause der Gemeinen den Handschuh hingeworfen, und die Sache dürfte am Ende wohl vor das Oberhaus kommen, wo dann freilich die Chancen für die torystische Ansicht der Sache stehen. Eine Versammlung der Aldermänner von London am 21 sprach sich mit vieler Sympathie für die Sheriffs aus, die, wenn schon gewarnt durch den vorjährigen Beschluß der Gemeinen, doch in gutem Glauben in dieser Sache handelten. Auch in der Unterhaussitzung vom 22 Jan. wurde mit der Privilegiumsdebatte fortgefahren. Lord J. Russell trug darauf an, daß Hr. Thomas Burton Howard, der Advocat Stockdale's, an die Schranken des Hauses berufen werde. Die von Sir Ed. Sugden entgegengesetzte Motion, daß derselbe sofort freizusprechen und zu entlassen sey, ging mit 210 gegen 92 Stimmen verloren, und Howard ward an die Schranken vorgeführt. Derselbe war geständig, dem Kläger Stockdale durch alle Instanzen seines Libellprocesses als Rechtsbeistand gedient, und drückte sein Bedauern aus, sich damit das Mißfallen des Hauses zugezogen zu haben. Durch diese Erklärung, meinte hierauf Lord J. Russell, dürfte dem Privilegium des Hauses insoweit Genugthuung geleistet seyn, daß Hr. Howard entlassen werden könne; dieser milderen Ansicht aber widersetzten sich Lord Howick (der vormalige Kriegsminister) und die HH. Hume, Warburton und O'Connell. Sir R. Peel empfahl den Mezzo Termine, man solle den Vorgeführten der Mißachtung (contempt) des Hauses für schuldig erkennen, derselbe sofort von dem Sprecher einen Verweis erhalten, und dann entlassen werden. Auf diesen Wink des seltenen ministeriellen Bundesgenossen hin schlug der Attorney-General, Sir J. Campbell, zu Lord Johns Antrag ein entsprechendes Amendement vor. Sir R. Inglis und andere Tories erhoben sich für Lord Johns anfänglichen Vorschlag, unterlagen aber in einer Abstimmung, in welcher Lord J. Russell gegen seine eigene Motion votirte, mit 178 gegen 68 Stimmen. Hr. Howard erhielt hierauf durch den Sprecher einen Verweis, und ward entlassen. Der Apanage-Antrag für Prinz Albert blieb ausgesetzt, und das Haus vertagte sich. — Das Oberhaus hielt, wie an Mittwochen gewöhnlich, keine Sitzung. **Oberhaussitzung vom 23 Jan. Lord Londonderry: „Ich erlaube mir an den edlen Viscount eine Frage über die Pacification Spaniens. Ich wünschte zu wissen, ob Lord John Hay und die unter ihm stehenden Officiere, ob die brittische Regierung selbst an der Convention von Bergara Theil genommen. Ist diese Convention in den Händen der Regierung, und wird dieselbe sie auf den Tisch des Hauses niederlegen? hat die Regierung über die wirklich erfolgte Ausgleichung zwischen der Madrider Regierung und den baskischen Provinzen befriedigende Beweise in Händen?“ Lord Melbourne antwortete mit so leiser Stimme, daß seine Antwort für die Reporters auf der Galerie fast ganz verloren ging. Doch schien er sagen zu wollen, der Vorlegung des Vertrags von Bergara stehe nichts entgegen. Lord Strangford frägt, ob die Regierung wisse, daß in Paris ein Abgeordneter der Regierung von Montevideo angekommen. Dieser Staat beabsichtige, sich auf ähnliche Weise unter das Protectorat Frankreichs zu stellen, wie die jonischen Inseln unter dem Schutze Britanniens stehen. Lord Melbourne entgegnete, er habe darüber keine Nachricht, werde aber Erkundigungen einziehen. Graf Ripon ließ hierauf in einem ziemlich desultorischen Vortrag die verschiedenen Staatsdepartements die Musterung passiren, beklagte den Zustand der Finanzen, das sich mehr und mehr vergrößernde Deficit, die von Jahr zu Jahr wachsenden Staatsausgaben, den unzulänglichen Zustand der Flotte, die Gährungen in England und Irland, die Lage Canada's u. s. w. Lord Melbourne stimmte in die Klagen über die mit der Stockung in Handel und Gewerb zusammenhängende Finanzbedrängniß mit ein, und gestand bedauernd, daß eine Verminderung der Staatsausgaben für die nächste Zukunft kaum zu hoffen sey. Hinsichtlich Irlands und Canada's gab er beruhigende Versicherungen. – Das Haus der Gemeinen saß nicht, da die zu einer Sitzung erforderliche Anzahl von 40 Mitgliedern nicht zusammen gekommen war. Die bekannte Schriftstellerin, Lady Blessington, versammelte am 20 Jan. in ihrem Hause folgende bunte Tischgesellschaft: die Lords Lyndhurst, Brougham und Strangford, den Prinzen Louis Napoleon, Vicomte Persigny und General Montholon, Sir R. Wilson und die HH. Leader, Roebuck und Montgomery (letzterer Lord Broughams Freund). Eine ähnliche Mischung von Tories und Radicalen hatte ein paar Tage zuvor auch Lord Brougham zu sich eingeladen. Eine Anzahl Londoner Chartisten, deren nächtliche Versammlung in Bethnal-Green, einem der schmutzigsten, für feinere Füße und Nasen kaum zugänglichen Stadttheile Londons, die Bewohner der Hauptstadt am 14 Jan. in solchen Schrecken versetzte, stand am 21 Jan. vor dem Polizeigericht in Bow-Street. Der Vorsitzer der Versammlung, ein gewisser Neesom, und zwei andere, Spurr und Williams, wurden angewiesen, eine Geldbürgschaft zu finden, daß sie seiner Zeit vor dem Criminalgericht erscheinen werden. Die Uebrigen wurden nach geschehener Aufzeichnung ihrer Namen wieder entlassen. – Die in Sheffield verhafteten Chartistenanführer hat man, der Sicherheit wegen, nach dem Schlosse der Stadt York in Gewahrsam gebracht, wo sie den Assisen entgegensehen. Capitän Driver, Commandant des Greenlaw, hat über die Vorfälle bei der Insel Mauritius ein Schreiben an die Times gerichtet, worin er auf die französischen Officiere der Kriegscorvette Isère und auf die Franzosen überhaupt in englisch-seemännischer Weise auf das derbste loszieht. Der Commandant der Isère, schreibt Capitän Driver, habe auf dem obersten Mast die dreifarbige Flagge aufgepflanzt, unter dieser die Flaggen von verschiedenen andern Nationen, die „glorreiche St. Georgs Flagge“ aber sey die unterste gewesen, und habe die Oberfläche des Meeres gestreift. Als Britten und alten Marineofficier habe ihn diese grobe Beleidigung gegen Englands Königin und Nation erbittert, und um seine Revanche zu nehmen, sey Tags darauf auf seinen Befehl an das Bugspriet des Greenlaw die französische Flagge gesteckt worden und zwölf Fuß über ihr die beleidigte Flagge Großbritanniens. Die Franzosen bemerkten dieß und verlangten, Capitän Driver solle die französische Flagge vom Bugspriet wegnehmen. Letzterer antwortete, er werde dieß nicht thun, erbot sich aber die französische Flagge auf seinem Hauptmast aufzustecken, wenn von den Franzosen das Gleiche geschehe. „Die Franzosen, fährt Capitän Driver fort, machten darüber großen Lärm und schwatzten von ihrer Ehre und der Ehre ihrer Nation. Ich muß offen gestehen, ich habe von eines Franzosen Ehre nicht die beste Meinung, und wenn ich Franzosen dieses Wort gebrauchen und wie Affen sich gebärden sehe, denke ich immer, sie führen irgend eine Spitzbüberei im Schild und bin demgemäß auf meiner Hut, denn ich habe die feste Ueberzeugung, daß Ehre dem Herzen eines Franzosen selten näher steht, als die Spitze seiner Zunge, und England hat dieß in der Regel erfahren. Ich bot den beiden französischen Capitäns persönliche Genugthuung an; diese lehnten es ab, sagten aber, sie wollten die ihrer Flagge zugefügte Insulte mit meinem Blut abwaschen.

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Zitationshilfe: Allgemeine Zeitung. Nr. 30. Augsburg, 30. Januar 1840, S. 0234. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_030_18400130/2>, abgerufen am 20.04.2021.