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Becher, Johann Joachim: Närrische Weißheit Und Weise Narrheit. Frankfurt, 1682.

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zu Passau und Wien/ ein Anachoret oder
Einsiedler/ und trug unserer Lieben Fran-
en Bild von Passau herumb/ umb dassel-
bige zu veneriren/ dieweil nicht alle Leuthe
Zeit haben nach Passau zu lauffen: diß
Handwerck dauerte so eine Weil/ darnach
kam er in Holland/ und hatte ein Weib/
das wolte er auf der Lauten lehren schla-
gen/ die Finger aber waren zu dick/ und
schwur der Lauten-Meister/ er wolte eher
einen Elephanten die Kunst lehren. Ich
warschauete Doctor Ketgen als einen
ehrlichen verständigen Mann/ der vor die-
sem zu Constantinopel gewesen/ und selb-
sten ein Medicus und Chymicus war/ er sol-
te deß Kerls müssig gehen/ und daß ich ihn
kändte: aber umbsonst/ diese Narrheit mu-
ste nicht allein/ sondern noch eine viel andere
grössere begangen werden/ nemblich er wol-
te in dem Sand/ wie der Titul außweist/
Bergwerck bauen: nun war dieses so un-
eben nicht/ es giebt auch umb und umb in
Holland Plätze genug/ wo Mineralien
seyn/ wie in meiner Minera Arenaria zu lesen/
aber der gute Doct. Ketgens hat mit Schel-
men zuthun gehabt/ welche ihm Silber-Kalck
unter Leimen gemischt und falsche Proben

gemacht

zu Paſſau und Wien/ ein Anachoret oder
Einſiedler/ und trug unſerer Lieben Fran-
en Bild von Paſſau herumb/ umb daſſel-
bige zu veneriren/ dieweil nicht alle Leuthe
Zeit haben nach Paſſau zu lauffen: diß
Handwerck dauerte ſo eine Weil/ darnach
kam er in Holland/ und hatte ein Weib/
das wolte er auf der Lauten lehren ſchla-
gen/ die Finger aber waren zu dick/ und
ſchwur der Lauten-Meiſter/ er wolte eher
einen Elephanten die Kunſt lehren. Ich
warſchauete Doctor Ketgen als einen
ehrlichen verſtaͤndigen Mann/ der vor die-
ſem zu Conſtantinopel geweſen/ und ſelb-
ſten ein Medicus und Chymicus war/ er ſol-
te deß Kerls muͤſſig gehen/ und daß ich ihn
kaͤndte: aber umbſonſt/ dieſe Narrheit mu-
ſte nicht allein/ ſondern noch eine viel andere
groͤſſere begangen werden/ nemblich er wol-
te in dem Sand/ wie der Titul außweiſt/
Bergwerck bauen: nun war dieſes ſo un-
eben nicht/ es giebt auch umb und umb in
Holland Plaͤtze genug/ wo Mineralien
ſeyn/ wie in meiner Minera Arenaria zu leſẽ/
aber der gute Doct. Ketgens hat mit Schel-
mẽ zuthun gehabt/ welche ihm Silber-Kalck
unter Leimen gemiſcht und falſche Proben

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[174[173]/0196] zu Paſſau und Wien/ ein Anachoret oder Einſiedler/ und trug unſerer Lieben Fran- en Bild von Paſſau herumb/ umb daſſel- bige zu veneriren/ dieweil nicht alle Leuthe Zeit haben nach Paſſau zu lauffen: diß Handwerck dauerte ſo eine Weil/ darnach kam er in Holland/ und hatte ein Weib/ das wolte er auf der Lauten lehren ſchla- gen/ die Finger aber waren zu dick/ und ſchwur der Lauten-Meiſter/ er wolte eher einen Elephanten die Kunſt lehren. Ich warſchauete Doctor Ketgen als einen ehrlichen verſtaͤndigen Mann/ der vor die- ſem zu Conſtantinopel geweſen/ und ſelb- ſten ein Medicus und Chymicus war/ er ſol- te deß Kerls muͤſſig gehen/ und daß ich ihn kaͤndte: aber umbſonſt/ dieſe Narrheit mu- ſte nicht allein/ ſondern noch eine viel andere groͤſſere begangen werden/ nemblich er wol- te in dem Sand/ wie der Titul außweiſt/ Bergwerck bauen: nun war dieſes ſo un- eben nicht/ es giebt auch umb und umb in Holland Plaͤtze genug/ wo Mineralien ſeyn/ wie in meiner Minera Arenaria zu leſẽ/ aber der gute Doct. Ketgens hat mit Schel- mẽ zuthun gehabt/ welche ihm Silber-Kalck unter Leimen gemiſcht und falſche Proben gemacht

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Zitationshilfe: Becher, Johann Joachim: Närrische Weißheit Und Weise Narrheit. Frankfurt, 1682, S. 174[173]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/becher_narrheit_1682/196>, abgerufen am 14.04.2021.