das Gold an der Oberfläche gefunden wird, sondern dass es in Gängen vorkommt, die tief in dem festen Gestein niedersetzen und die an der Oberfläche nur dem erfahrenen Bergmann den Reichtum verraten, welchen die Tiefe birgt. Ebenso ist, wie schon mehrfach erwähnt wurde, die Darstellung des Silbers aus dem silberhaltigen Bleiglanz, denn dies war beinahe überall das Erz, das die Phönizier zu Gute machten, eine schwierige, komplizierte Operation. Der Dichter des Buches Hiob nennt darum dieses Metall sehr bezeichnend "das Silber der Mühen". In frühester Zeit schon gewannen die Phönizier Silber auf Cypern, ferner in Kleinasien, wo bei Tokat im Taurus sehr alte Gruben sind. Die Sage von dem blinden Phineus in Bithynien, der seine beiden Söhne in der Erde vergraben liess, wo sie unaufhörlich mit Geisseln geschlagen wurden, deutet auf alten phönizischen Bergbau, sowie zu- gleich auf die harte Behandlung der phönizischen Bergwerkssklaven, die noch grausamer gewesen sein soll, als die der ägyptischen. Silber gewannen die Phönizier in Thracien vielleicht in Epirus und Attika mit Gold zugleich auf Thasos und Siphnos. Später aber, als sich den Phöniziern die reichen Schätze Spaniens öffneten, verdunkelte der Ruhm des Tarsissilbers aus dem Bergwalde des Tartessos und von Turitanien alle übrigen Bezugsquellen. Dass Silber reichlich in Phö- nizien im Umlauf war und einen relativ geringen Wert hatte, ersieht man aus den hohen Preisen der Arbeit und der Naturprodukte Israels. So hatte ein Hüter der königlichen Weinberge, wahrscheinlich neben Naturalverpflegung, ein Jahreseinkommen von 482 Mark. Ein Sklave kostete 124 Mark 1), ein ägyptisches Pferd wurde mit 375 Mark, ein Streitwagen sogar mit 1500 Mark bezahlt. Allerdings sind dies Preise aus der Salomonischen Zeit, in der ungewöhnlich viel Silber in Israel war, und infolgedessen alle Preise gestiegen waren. Zu Davids Zeit war alles billiger und wurde Joseph von seinen Brüdern für nur 50 Mark als Sklave verkauft.
Auch der Preis des Weizens war für ein so ausserordentlich frucht- bares Land im Vergleich mit anderen Ländern des Altertums hoch. Movers berechnet ihn zu Mark 6,55 pro preussischen Scheffel 2).
Aus dem Silber zogen die alten Phönizier wohl ihren grössten
1) Mädchen unter 5 Jahren kosteten 2 Thlr. 12 Sgr., Knaben unter 5 Jahren 4 Thlr. 4 Sgr., Mädchen von 5 bis 20 Jahren 8 Thlr. 8 Sgr., Knaben dieses Alters das Doppelte, Frauen von 20 bis 60 Jahren 25 Thlr., Männer desselben Alters 41 Thlr. 16 Sgr. Für Greise und Greisinnen über 60 Jahren standen die Preise zu 12 Thlr. 15 Sgr. und 8 Thlr. 8 Sgr.
2) Siehe Movers, die Phönizier II, 3. Abtheilung, S. 213.
Syrien.
das Gold an der Oberfläche gefunden wird, sondern daſs es in Gängen vorkommt, die tief in dem festen Gestein niedersetzen und die an der Oberfläche nur dem erfahrenen Bergmann den Reichtum verraten, welchen die Tiefe birgt. Ebenso ist, wie schon mehrfach erwähnt wurde, die Darstellung des Silbers aus dem silberhaltigen Bleiglanz, denn dies war beinahe überall das Erz, das die Phönizier zu Gute machten, eine schwierige, komplizierte Operation. Der Dichter des Buches Hiob nennt darum dieses Metall sehr bezeichnend „das Silber der Mühen“. In frühester Zeit schon gewannen die Phönizier Silber auf Cypern, ferner in Kleinasien, wo bei Tokat im Taurus sehr alte Gruben sind. Die Sage von dem blinden Phineus in Bithynien, der seine beiden Söhne in der Erde vergraben lieſs, wo sie unaufhörlich mit Geiſseln geschlagen wurden, deutet auf alten phönizischen Bergbau, sowie zu- gleich auf die harte Behandlung der phönizischen Bergwerkssklaven, die noch grausamer gewesen sein soll, als die der ägyptischen. Silber gewannen die Phönizier in Thracien vielleicht in Epirus und Attika mit Gold zugleich auf Thasos und Siphnos. Später aber, als sich den Phöniziern die reichen Schätze Spaniens öffneten, verdunkelte der Ruhm des Tarsissilbers aus dem Bergwalde des Tartessos und von Turitanien alle übrigen Bezugsquellen. Daſs Silber reichlich in Phö- nizien im Umlauf war und einen relativ geringen Wert hatte, ersieht man aus den hohen Preisen der Arbeit und der Naturprodukte Israels. So hatte ein Hüter der königlichen Weinberge, wahrscheinlich neben Naturalverpflegung, ein Jahreseinkommen von 482 Mark. Ein Sklave kostete 124 Mark 1), ein ägyptisches Pferd wurde mit 375 Mark, ein Streitwagen sogar mit 1500 Mark bezahlt. Allerdings sind dies Preise aus der Salomonischen Zeit, in der ungewöhnlich viel Silber in Israel war, und infolgedessen alle Preise gestiegen waren. Zu Davids Zeit war alles billiger und wurde Joseph von seinen Brüdern für nur 50 Mark als Sklave verkauft.
Auch der Preis des Weizens war für ein so auſserordentlich frucht- bares Land im Vergleich mit anderen Ländern des Altertums hoch. Movers berechnet ihn zu Mark 6,55 pro preuſsischen Scheffel 2).
Aus dem Silber zogen die alten Phönizier wohl ihren gröſsten
1) Mädchen unter 5 Jahren kosteten 2 Thlr. 12 Sgr., Knaben unter 5 Jahren 4 Thlr. 4 Sgr., Mädchen von 5 bis 20 Jahren 8 Thlr. 8 Sgr., Knaben dieses Alters das Doppelte, Frauen von 20 bis 60 Jahren 25 Thlr., Männer desselben Alters 41 Thlr. 16 Sgr. Für Greise und Greisinnen über 60 Jahren standen die Preise zu 12 Thlr. 15 Sgr. und 8 Thlr. 8 Sgr.
2) Siehe Movers, die Phönizier II, 3. Abtheilung, S. 213.
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Syrien.
das Gold an der Oberfläche gefunden wird, sondern daſs es in Gängen
vorkommt, die tief in dem festen Gestein niedersetzen und die an
der Oberfläche nur dem erfahrenen Bergmann den Reichtum verraten,
welchen die Tiefe birgt. Ebenso ist, wie schon mehrfach erwähnt wurde,
die Darstellung des Silbers aus dem silberhaltigen Bleiglanz, denn dies
war beinahe überall das Erz, das die Phönizier zu Gute machten, eine
schwierige, komplizierte Operation. Der Dichter des Buches Hiob
nennt darum dieses Metall sehr bezeichnend „das Silber der Mühen“.
In frühester Zeit schon gewannen die Phönizier Silber auf Cypern,
ferner in Kleinasien, wo bei Tokat im Taurus sehr alte Gruben sind.
Die Sage von dem blinden Phineus in Bithynien, der seine beiden
Söhne in der Erde vergraben lieſs, wo sie unaufhörlich mit Geiſseln
geschlagen wurden, deutet auf alten phönizischen Bergbau, sowie zu-
gleich auf die harte Behandlung der phönizischen Bergwerkssklaven,
die noch grausamer gewesen sein soll, als die der ägyptischen. Silber
gewannen die Phönizier in Thracien vielleicht in Epirus und Attika
mit Gold zugleich auf Thasos und Siphnos. Später aber, als sich den
Phöniziern die reichen Schätze Spaniens öffneten, verdunkelte der
Ruhm des Tarsissilbers aus dem Bergwalde des Tartessos und von
Turitanien alle übrigen Bezugsquellen. Daſs Silber reichlich in Phö-
nizien im Umlauf war und einen relativ geringen Wert hatte, ersieht
man aus den hohen Preisen der Arbeit und der Naturprodukte Israels.
So hatte ein Hüter der königlichen Weinberge, wahrscheinlich neben
Naturalverpflegung, ein Jahreseinkommen von 482 Mark. Ein Sklave
kostete 124 Mark 1), ein ägyptisches Pferd wurde mit 375 Mark, ein
Streitwagen sogar mit 1500 Mark bezahlt. Allerdings sind dies Preise
aus der Salomonischen Zeit, in der ungewöhnlich viel Silber in Israel
war, und infolgedessen alle Preise gestiegen waren. Zu Davids Zeit
war alles billiger und wurde Joseph von seinen Brüdern für nur 50 Mark
als Sklave verkauft.
Auch der Preis des Weizens war für ein so auſserordentlich frucht-
bares Land im Vergleich mit anderen Ländern des Altertums hoch.
Movers berechnet ihn zu Mark 6,55 pro preuſsischen Scheffel 2).
Aus dem Silber zogen die alten Phönizier wohl ihren gröſsten
1) Mädchen unter 5 Jahren kosteten 2 Thlr. 12 Sgr., Knaben unter 5 Jahren
4 Thlr. 4 Sgr., Mädchen von 5 bis 20 Jahren 8 Thlr. 8 Sgr., Knaben dieses Alters
das Doppelte, Frauen von 20 bis 60 Jahren 25 Thlr., Männer desselben Alters
41 Thlr. 16 Sgr. Für Greise und Greisinnen über 60 Jahren standen die Preise zu
12 Thlr. 15 Sgr. und 8 Thlr. 8 Sgr.
2) Siehe Movers, die Phönizier II, 3. Abtheilung, S. 213.
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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 1: Von der ältesten Zeit bis um das Jahr 1500 n. Chr. Braunschweig, 1884, S. 183. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen01_1884/205>, abgerufen am 10.08.2024.
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