Arbeitskorb besass Helena und zwei silberne Badewannen Menelaos, alles Geschenke des Polybos aus Theben in Ägypten 1). Mannigfach ist die Verwendung des Silbers zur Dekoration von Hausgeräten und namentlich von Waffen. Der Wagen des thrakischen Heerführers Rhesos ist mit Gold und Silber geschmückt 2). Am Wagen der Here sind Nabe und Deichsel von Silber 3)! Der Lehnsessel der Penelope ist von Elfenbein mit Silber ausgelegt, ein Werk des Ikmalios 4). Das Ehebett des Odysseus, das er selbst gefertigt hatte, ist mit Gold, Silber und Elfenbein ausgelegt 5) (oder durchwirkt). Von Silber ist der Bogen Apollos, der deshalb argurotoxos heisst 6). Das Schwert des Achill hat ein silbernes Heft 7), ebenso das des Agamemnon, das überdies in silberner Scheide steckt 8). Silbern sind die Schnallen an den Bein- schienen des Alexandros 9). Wie Gold und Kupfer, so wurde auch Silber- blech zur Umkleidung von Holz verwendet. Im Palaste des Alkinoos sind die Thürpfosten silbern, ebenso das Obergebälk über der Thür. Die schon erwähnten Hunde am Eingange sind von Silber und Gold 10). Ähnlich war die Silberbekleidung am Palaste des Menelaos. Silberne Tische waren im Palaste der Kirke 11) und silbern heisst der Kasten, in dem Hephästos seine Schmiedewerkzeuge verwahrt 12). Dass die Künstler der Heroenzeit das Silber wie das Gold zu treiben und zu nieten ver- standen, geht aus der oben angeführten Schilderung des Schildes des Achilles hervor, auf dem alles, was weiss und hellschimmernd sein soll, die Weinbergpfähle, die wandernden Schafe, das Wasser, von Silber angefertigt sind. Von der metallurgischen Darstellung des Silbers ist -- sehr im Gegensatz zu den althebräischen Büchern -- nirgends eine Andeutung. Ob der goldene Rand an dem Mischkruge des Menelaos, der als darangesetzt bezeichnet wird, angelötet oder angenietet war, lässt sich aus der betreffenden Stelle nicht erkennen. (argureos de -- estin apas, khruso depi kheilea kekraantai).
Dasjenige Metall, welches von Homer am häufigsten genannt wird, ist o khalkos, welches zwar von Voss und anderen, namentlich deutschen Übersetzern durchweg mit Erz übersetzt wird, das aber nach der Meinung aller, welche die Sache von dem technischen Standpunkte aus geprüft haben, für Kupfer erklärt wird 13). Erz wurde von den poeti- schen Übersetzern hauptsächlich deshalb gewählt, weil es ihnen edler
1) Odyssee IV, 128 etc.
2) Ilias 10, 438.
3) Ilias 5, 726, 729.
4) Odyssee 19, 55.
5) Odyssee 23, 199.
6) Ilias 2, 799.
7) Ilias 1, 219.
8) Ilias 11, 30.
9) Ilias 3, 330.
10) Odyssee 7, 89, 90; 4, 71.
11) Odyssee 10, 343.
12) Ilias 18, 412.
13) Millin, Mineralogie des Homer, Buchholz, homerische Realien, Gladstone a. a. O. u. s. w.
Griechenland.
Arbeitskorb besaſs Helena und zwei silberne Badewannen Menelaos, alles Geschenke des Polybos aus Theben in Ägypten 1). Mannigfach ist die Verwendung des Silbers zur Dekoration von Hausgeräten und namentlich von Waffen. Der Wagen des thrakischen Heerführers Rhesos ist mit Gold und Silber geschmückt 2). Am Wagen der Here sind Nabe und Deichsel von Silber 3)! Der Lehnsessel der Penelope ist von Elfenbein mit Silber ausgelegt, ein Werk des Ikmalios 4). Das Ehebett des Odysseus, das er selbst gefertigt hatte, ist mit Gold, Silber und Elfenbein ausgelegt 5) (oder durchwirkt). Von Silber ist der Bogen Apollos, der deshalb ἀργυρότοξος heiſst 6). Das Schwert des Achill hat ein silbernes Heft 7), ebenso das des Agamemnon, das überdies in silberner Scheide steckt 8). Silbern sind die Schnallen an den Bein- schienen des Alexandros 9). Wie Gold und Kupfer, so wurde auch Silber- blech zur Umkleidung von Holz verwendet. Im Palaste des Alkinoos sind die Thürpfosten silbern, ebenso das Obergebälk über der Thür. Die schon erwähnten Hunde am Eingange sind von Silber und Gold 10). Ähnlich war die Silberbekleidung am Palaste des Menelaos. Silberne Tische waren im Palaste der Kirke 11) und silbern heiſst der Kasten, in dem Hephästos seine Schmiedewerkzeuge verwahrt 12). Daſs die Künstler der Heroenzeit das Silber wie das Gold zu treiben und zu nieten ver- standen, geht aus der oben angeführten Schilderung des Schildes des Achilles hervor, auf dem alles, was weiſs und hellschimmernd sein soll, die Weinbergpfähle, die wandernden Schafe, das Wasser, von Silber angefertigt sind. Von der metallurgischen Darstellung des Silbers ist — sehr im Gegensatz zu den althebräischen Büchern — nirgends eine Andeutung. Ob der goldene Rand an dem Mischkruge des Menelaos, der als darangesetzt bezeichnet wird, angelötet oder angenietet war, läſst sich aus der betreffenden Stelle nicht erkennen. (ἀργύρεος δέ — ἔστιν ἁπάς, χρυσῷ δ̕ἒπὶ χέιλεα κεκράανται).
Dasjenige Metall, welches von Homer am häufigsten genannt wird, ist ὁ χαλκός, welches zwar von Voss und anderen, namentlich deutschen Übersetzern durchweg mit Erz übersetzt wird, das aber nach der Meinung aller, welche die Sache von dem technischen Standpunkte aus geprüft haben, für Kupfer erklärt wird 13). Erz wurde von den poeti- schen Übersetzern hauptsächlich deshalb gewählt, weil es ihnen edler
1) Odyssee IV, 128 etc.
2) Ilias 10, 438.
3) Ilias 5, 726, 729.
4) Odyssee 19, 55.
5) Odyssee 23, 199.
6) Ilias 2, 799.
7) Ilias 1, 219.
8) Ilias 11, 30.
9) Ilias 3, 330.
10) Odyssee 7, 89, 90; 4, 71.
11) Odyssee 10, 343.
12) Ilias 18, 412.
13) Millin, Mineralogie des Homer, Buchholz, homerische Realien, Gladstone a. a. O. u. s. w.
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Griechenland.
Arbeitskorb besaſs Helena und zwei silberne Badewannen Menelaos,
alles Geschenke des Polybos aus Theben in Ägypten 1). Mannigfach
ist die Verwendung des Silbers zur Dekoration von Hausgeräten und
namentlich von Waffen. Der Wagen des thrakischen Heerführers
Rhesos ist mit Gold und Silber geschmückt 2). Am Wagen der Here
sind Nabe und Deichsel von Silber 3)! Der Lehnsessel der Penelope ist
von Elfenbein mit Silber ausgelegt, ein Werk des Ikmalios 4). Das
Ehebett des Odysseus, das er selbst gefertigt hatte, ist mit Gold, Silber
und Elfenbein ausgelegt 5) (oder durchwirkt). Von Silber ist der Bogen
Apollos, der deshalb ἀργυρότοξος heiſst 6). Das Schwert des Achill hat
ein silbernes Heft 7), ebenso das des Agamemnon, das überdies in
silberner Scheide steckt 8). Silbern sind die Schnallen an den Bein-
schienen des Alexandros 9). Wie Gold und Kupfer, so wurde auch Silber-
blech zur Umkleidung von Holz verwendet. Im Palaste des Alkinoos
sind die Thürpfosten silbern, ebenso das Obergebälk über der Thür.
Die schon erwähnten Hunde am Eingange sind von Silber und Gold 10).
Ähnlich war die Silberbekleidung am Palaste des Menelaos. Silberne
Tische waren im Palaste der Kirke 11) und silbern heiſst der Kasten, in
dem Hephästos seine Schmiedewerkzeuge verwahrt 12). Daſs die Künstler
der Heroenzeit das Silber wie das Gold zu treiben und zu nieten ver-
standen, geht aus der oben angeführten Schilderung des Schildes des
Achilles hervor, auf dem alles, was weiſs und hellschimmernd sein soll,
die Weinbergpfähle, die wandernden Schafe, das Wasser, von Silber
angefertigt sind. Von der metallurgischen Darstellung des Silbers ist —
sehr im Gegensatz zu den althebräischen Büchern — nirgends eine
Andeutung. Ob der goldene Rand an dem Mischkruge des Menelaos,
der als darangesetzt bezeichnet wird, angelötet oder angenietet war,
läſst sich aus der betreffenden Stelle nicht erkennen. (ἀργύρεος δέ —
ἔστιν ἁπάς, χρυσῷ δ̕ἒπὶ χέιλεα κεκράανται).
Dasjenige Metall, welches von Homer am häufigsten genannt wird,
ist ὁ χαλκός, welches zwar von Voss und anderen, namentlich deutschen
Übersetzern durchweg mit Erz übersetzt wird, das aber nach der
Meinung aller, welche die Sache von dem technischen Standpunkte aus
geprüft haben, für Kupfer erklärt wird 13). Erz wurde von den poeti-
schen Übersetzern hauptsächlich deshalb gewählt, weil es ihnen edler
1) Odyssee IV, 128 etc.
2) Ilias 10, 438.
3) Ilias 5, 726, 729.
4) Odyssee
19, 55.
5) Odyssee 23, 199.
6) Ilias 2, 799.
7) Ilias 1, 219.
8) Ilias
11, 30.
9) Ilias 3, 330.
10) Odyssee 7, 89, 90; 4, 71.
11) Odyssee 10, 343.
12) Ilias 18, 412.
13) Millin, Mineralogie des Homer, Buchholz, homerische Realien,
Gladstone a. a. O. u. s. w.
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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 1: Von der ältesten Zeit bis um das Jahr 1500 n. Chr. Braunschweig, 1884, S. 393. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen01_1884/415>, abgerufen am 10.08.2024.
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