zur Schmiede, um sich ein Handbeil oder ein anderes Gerät daraus schmieden zu lassen, weil ein, aus solchem Material gefertigtes weit besser stand, und schärfer schnitt, als wenn er es aus der Stadt kaufte. Die Erklärung dieser Thatsache ist einfach. Stahl rostet weit weniger als Schmiedeeisen und je unreiner letzteres ist, je rascher tritt Verrostung ein. Bei dem unvollkommenen Schmelzverfahren der Alten fiel aber niemals ein gleichmässiges Produkt, sondern die mit grosser Mühe, bei relativ niederer Temperatur mit schwachen Gebläsen erzeugten Luppen waren stets ein Gemenge von mehr oder weniger gekohltem Eisen, von Stahl und Schmiedeeisen. Beim Ausschmieden blieb der Charakter des Gemenges bestehen, es entwickelten sich Sehnen von weichem Schmiede- eisen, neben Partieen härteren, stahlartigen Eisens. Durch die Ver- rostung im Schosse der Erde wurde das weiche, sowie das unreine Produkt früher zerstört und es resultiert ein reineres, stahlreicheres Eisen, vorzüglich geeignet für schneidende Werkzeuge, besonders für Schwerter. So sonderbar und unökonomisch es uns erscheinen mag, dass man darauf hin das beschriebene Verfahren gründete, so haben wir doch keinen Grund, die Sache selbst zu bezweifeln. Es war dies freilich eine recht kostspielige Methode der Stahlbereitung.
Eine andere Eisenwaffe, welche die Römer in Spanien kennen lernten und welche Schrecken unter ihnen verbreitete, war die Phala- rica. Titus Livius schreibt hierüber 1):
"Die Phalarica (Falarica) war bei den Saguntinern ein Wurf- geschoss mit tannenem, glattrundem Schaft, aus dessen Ende das Eisen hervorragte. Dieses war wie beim Pilum im Quadrat ringsum mit Werg, das mit Pech getränkt war, umwickelt; das Eisen aber war drei Fuss lang, so dass es mit den Schutzwaffen auch den Körper durch- bohren konnte. Das aber erzeugte schon, auch wenn es nur haften blieb und nicht in den Körper eindrang, Entsetzen, indem es, auch wenn es nur mit mittelmässigem Feuer entsand wurde und ebenso auftraf, doch ein weit grösseres Feuer erzeugte, wodurch es die Waffen (den Schild) im Stich zu lassen zwang und die nackten Soldaten den folgenden Stössen (Hieben) preisgab 2).
1) Tite Live ab urbe cond. lib. XXI, cap. VIII, 10 bis 12.
2) Phalarica erat Saguntinis missile telum hastili abiegno et cetera tereti praeterquam ad extre- mum unde ferrum extabat: id, sicut in pilo, quadratum stuppa circum ligabant, linebantque pice; ferrum autem tres longum habebat pedes, ut cum armis trans- figere corpus posset. Sed id maxime, etiam si haesisset ne penetrasset in corpus, pavorem faciebat, quod, cum medium accensum mitteretur conceptumque ispo motu multo maiorem ignem ferret, arma omitti cogebat nudumque militem ad insequentes ictus praebebat.
Das frühe Mittelalter.
zur Schmiede, um sich ein Handbeil oder ein anderes Gerät daraus schmieden zu lassen, weil ein, aus solchem Material gefertigtes weit besser stand, und schärfer schnitt, als wenn er es aus der Stadt kaufte. Die Erklärung dieser Thatsache ist einfach. Stahl rostet weit weniger als Schmiedeeisen und je unreiner letzteres ist, je rascher tritt Verrostung ein. Bei dem unvollkommenen Schmelzverfahren der Alten fiel aber niemals ein gleichmäſsiges Produkt, sondern die mit groſser Mühe, bei relativ niederer Temperatur mit schwachen Gebläsen erzeugten Luppen waren stets ein Gemenge von mehr oder weniger gekohltem Eisen, von Stahl und Schmiedeeisen. Beim Ausschmieden blieb der Charakter des Gemenges bestehen, es entwickelten sich Sehnen von weichem Schmiede- eisen, neben Partieen härteren, stahlartigen Eisens. Durch die Ver- rostung im Schoſse der Erde wurde das weiche, sowie das unreine Produkt früher zerstört und es resultiert ein reineres, stahlreicheres Eisen, vorzüglich geeignet für schneidende Werkzeuge, besonders für Schwerter. So sonderbar und unökonomisch es uns erscheinen mag, daſs man darauf hin das beschriebene Verfahren gründete, so haben wir doch keinen Grund, die Sache selbst zu bezweifeln. Es war dies freilich eine recht kostspielige Methode der Stahlbereitung.
Eine andere Eisenwaffe, welche die Römer in Spanien kennen lernten und welche Schrecken unter ihnen verbreitete, war die Phala- rica. Titus Livius schreibt hierüber 1):
„Die Phalarica (Falarica) war bei den Saguntinern ein Wurf- geschoſs mit tannenem, glattrundem Schaft, aus dessen Ende das Eisen hervorragte. Dieses war wie beim Pilum im Quadrat ringsum mit Werg, das mit Pech getränkt war, umwickelt; das Eisen aber war drei Fuſs lang, so daſs es mit den Schutzwaffen auch den Körper durch- bohren konnte. Das aber erzeugte schon, auch wenn es nur haften blieb und nicht in den Körper eindrang, Entsetzen, indem es, auch wenn es nur mit mittelmäſsigem Feuer entsand wurde und ebenso auftraf, doch ein weit gröſseres Feuer erzeugte, wodurch es die Waffen (den Schild) im Stich zu lassen zwang und die nackten Soldaten den folgenden Stöſsen (Hieben) preisgab 2).
1) Tite Live ab urbe cond. lib. XXI, cap. VIII, 10 bis 12.
2) Phalarica erat Saguntinis missile telum hastili abiegno et cetera tereti praeterquam ad extre- mum unde ferrum extabat: id, sicut in pilo, quadratum stuppa circum ligabant, linebantque pice; ferrum autem tres longum habebat pedes, ut cum armis trans- figere corpus posset. Sed id maxime, etiam si haesisset ne penetrasset in corpus, pavorem faciebat, quod, cum medium accensum mitteretur conceptumque ispo motu multo maiorem ignem ferret, arma omitti cogebat nudumque militem ad insequentes ictus praebebat.
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Das frühe Mittelalter.
zur Schmiede, um sich ein Handbeil oder ein anderes Gerät daraus
schmieden zu lassen, weil ein, aus solchem Material gefertigtes weit
besser stand, und schärfer schnitt, als wenn er es aus der Stadt kaufte.
Die Erklärung dieser Thatsache ist einfach. Stahl rostet weit weniger
als Schmiedeeisen und je unreiner letzteres ist, je rascher tritt Verrostung
ein. Bei dem unvollkommenen Schmelzverfahren der Alten fiel aber
niemals ein gleichmäſsiges Produkt, sondern die mit groſser Mühe, bei
relativ niederer Temperatur mit schwachen Gebläsen erzeugten Luppen
waren stets ein Gemenge von mehr oder weniger gekohltem Eisen, von
Stahl und Schmiedeeisen. Beim Ausschmieden blieb der Charakter des
Gemenges bestehen, es entwickelten sich Sehnen von weichem Schmiede-
eisen, neben Partieen härteren, stahlartigen Eisens. Durch die Ver-
rostung im Schoſse der Erde wurde das weiche, sowie das unreine
Produkt früher zerstört und es resultiert ein reineres, stahlreicheres
Eisen, vorzüglich geeignet für schneidende Werkzeuge, besonders für
Schwerter. So sonderbar und unökonomisch es uns erscheinen mag,
daſs man darauf hin das beschriebene Verfahren gründete, so haben
wir doch keinen Grund, die Sache selbst zu bezweifeln. Es war dies
freilich eine recht kostspielige Methode der Stahlbereitung.
Eine andere Eisenwaffe, welche die Römer in Spanien kennen
lernten und welche Schrecken unter ihnen verbreitete, war die Phala-
rica. Titus Livius schreibt hierüber 1):
„Die Phalarica (Falarica) war bei den Saguntinern ein Wurf-
geschoſs mit tannenem, glattrundem Schaft, aus dessen Ende das Eisen
hervorragte. Dieses war wie beim Pilum im Quadrat ringsum mit
Werg, das mit Pech getränkt war, umwickelt; das Eisen aber war drei
Fuſs lang, so daſs es mit den Schutzwaffen auch den Körper durch-
bohren konnte. Das aber erzeugte schon, auch wenn es nur haften
blieb und nicht in den Körper eindrang, Entsetzen, indem es, auch
wenn es nur mit mittelmäſsigem Feuer entsand wurde und ebenso
auftraf, doch ein weit gröſseres Feuer erzeugte, wodurch es die Waffen
(den Schild) im Stich zu lassen zwang und die nackten Soldaten den
folgenden Stöſsen (Hieben) preisgab 2).
1) Tite Live ab urbe cond. lib. XXI, cap. VIII, 10 bis 12.
2) Phalarica erat
Saguntinis missile telum hastili abiegno et cetera tereti praeterquam ad extre-
mum unde ferrum extabat: id, sicut in pilo, quadratum stuppa circum ligabant,
linebantque pice; ferrum autem tres longum habebat pedes, ut cum armis trans-
figere corpus posset. Sed id maxime, etiam si haesisset ne penetrasset in corpus,
pavorem faciebat, quod, cum medium accensum mitteretur conceptumque ispo
motu multo maiorem ignem ferret, arma omitti cogebat nudumque militem ad
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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 1: Von der ältesten Zeit bis um das Jahr 1500 n. Chr. Braunschweig, 1884, S. 652. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen01_1884/674>, abgerufen am 10.08.2024.
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