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Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 4: Das XIX. Jahrhundert von 1801 bis 1860. Braunschweig, 1899.

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Stabeisenbereitung 1801 bis 1815.
Längsrippen giesst, welche sich rasch um eine horizontale Achse dreht.
Dieses Patent ist von geschichtlicher Bedeutung.

Lecour in Paris wendete 1812 beim Kunstguss statt des Wachses
eine leichtflüssige Metalllegierung, D'Arcets Metall, zur Herstellung
von Modellen an.



Stabeisenbereitung
von 1801 bis 1815.

Die Fortschritte der Stabeisenfabrikation vollzogen sich in dieser
Periode fast ausschliesslich in England und von diesen haben wir nur
spärliche Nachrichten. Während man bei dem Hochofenbetrieb und der
Eisengiesserei die neuen, auf der Verwendung der Steinkohlen beruhenden
Verfahrungsweisen wenigstens an einigen Orten des Kontinents ein-

[Abbildung] Fig. 35.
geführt hatte, fand das neueste und
wichtigste Verfahren der Engländer,
das Steinkohlenfrischen oder der Pud-
delprozess, keine Nachahmung. Die
beiden Versuche zu Lauchhammer und
zu Treybach, in Flammöfen mit Holz-
feuer zu frischen, hatten keinen gün-
stigen Erfolg gehabt. Das Herd-
frischen
war also das auf dem ganzen
Kontinent allein gebräuchliche Ver-
fahren. Grosse technische Verbesse-
rungen liessen sich an den erprobten
Frischmethoden nicht einführen und
so bewegten sich die fortschrittlichen
Bestrebungen mehr in der Richtung
planmässiger Ökonomie. Der Herdbau
lässt keine wesentlichen Veränderungen gegen früher erkennen. Fig. 35
zeigt den Vertikalschnitt durch ein Frischfeuer der Mandelholzer Hütte
im Harz aus jener Zeit (Villefosse). Allerdings verbesserte man infolge
der Fortschritte des Maschinenwesens die Gebläsemaschinen. Man liess
die Bälge oder Kasten in Windsammler oder Regulatoren blasen und
führte sie von da durch eine Form dem Frischherd zu. Das Blasen
mit zwei Formen behielt man nur da bei, wo man sich noch der
alten Lederbälge bediente. Auch suchte man einzelne Vorteile einer

Stabeisenbereitung 1801 bis 1815.
Längsrippen gieſst, welche sich rasch um eine horizontale Achse dreht.
Dieses Patent ist von geschichtlicher Bedeutung.

Lecour in Paris wendete 1812 beim Kunstguſs statt des Wachses
eine leichtflüssige Metalllegierung, D’Arcets Metall, zur Herstellung
von Modellen an.



Stabeisenbereitung
von 1801 bis 1815.

Die Fortschritte der Stabeisenfabrikation vollzogen sich in dieser
Periode fast ausschlieſslich in England und von diesen haben wir nur
spärliche Nachrichten. Während man bei dem Hochofenbetrieb und der
Eisengieſserei die neuen, auf der Verwendung der Steinkohlen beruhenden
Verfahrungsweisen wenigstens an einigen Orten des Kontinents ein-

[Abbildung] Fig. 35.
geführt hatte, fand das neueste und
wichtigste Verfahren der Engländer,
das Steinkohlenfrischen oder der Pud-
delprozeſs, keine Nachahmung. Die
beiden Versuche zu Lauchhammer und
zu Treybach, in Flammöfen mit Holz-
feuer zu frischen, hatten keinen gün-
stigen Erfolg gehabt. Das Herd-
frischen
war also das auf dem ganzen
Kontinent allein gebräuchliche Ver-
fahren. Groſse technische Verbesse-
rungen lieſsen sich an den erprobten
Frischmethoden nicht einführen und
so bewegten sich die fortschrittlichen
Bestrebungen mehr in der Richtung
planmäſsiger Ökonomie. Der Herdbau
läſst keine wesentlichen Veränderungen gegen früher erkennen. Fig. 35
zeigt den Vertikalschnitt durch ein Frischfeuer der Mandelholzer Hütte
im Harz aus jener Zeit (Villefosse). Allerdings verbesserte man infolge
der Fortschritte des Maschinenwesens die Gebläsemaschinen. Man lieſs
die Bälge oder Kasten in Windsammler oder Regulatoren blasen und
führte sie von da durch eine Form dem Frischherd zu. Das Blasen
mit zwei Formen behielt man nur da bei, wo man sich noch der
alten Lederbälge bediente. Auch suchte man einzelne Vorteile einer

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[110/0126] Stabeisenbereitung 1801 bis 1815. Längsrippen gieſst, welche sich rasch um eine horizontale Achse dreht. Dieses Patent ist von geschichtlicher Bedeutung. Lecour in Paris wendete 1812 beim Kunstguſs statt des Wachses eine leichtflüssige Metalllegierung, D’Arcets Metall, zur Herstellung von Modellen an. Stabeisenbereitung von 1801 bis 1815. Die Fortschritte der Stabeisenfabrikation vollzogen sich in dieser Periode fast ausschlieſslich in England und von diesen haben wir nur spärliche Nachrichten. Während man bei dem Hochofenbetrieb und der Eisengieſserei die neuen, auf der Verwendung der Steinkohlen beruhenden Verfahrungsweisen wenigstens an einigen Orten des Kontinents ein- [Abbildung Fig. 35.] geführt hatte, fand das neueste und wichtigste Verfahren der Engländer, das Steinkohlenfrischen oder der Pud- delprozeſs, keine Nachahmung. Die beiden Versuche zu Lauchhammer und zu Treybach, in Flammöfen mit Holz- feuer zu frischen, hatten keinen gün- stigen Erfolg gehabt. Das Herd- frischen war also das auf dem ganzen Kontinent allein gebräuchliche Ver- fahren. Groſse technische Verbesse- rungen lieſsen sich an den erprobten Frischmethoden nicht einführen und so bewegten sich die fortschrittlichen Bestrebungen mehr in der Richtung planmäſsiger Ökonomie. Der Herdbau läſst keine wesentlichen Veränderungen gegen früher erkennen. Fig. 35 zeigt den Vertikalschnitt durch ein Frischfeuer der Mandelholzer Hütte im Harz aus jener Zeit (Villefosse). Allerdings verbesserte man infolge der Fortschritte des Maschinenwesens die Gebläsemaschinen. Man lieſs die Bälge oder Kasten in Windsammler oder Regulatoren blasen und führte sie von da durch eine Form dem Frischherd zu. Das Blasen mit zwei Formen behielt man nur da bei, wo man sich noch der alten Lederbälge bediente. Auch suchte man einzelne Vorteile einer

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Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 4: Das XIX. Jahrhundert von 1801 bis 1860. Braunschweig, 1899, S. 110. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen04_1899/126>, abgerufen am 18.04.2021.