Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 4: Das XIX. Jahrhundert von 1801 bis 1860. Braunschweig, 1899.

Bild:
<< vorherige Seite
Spanien und Portugal 1801 bis 1815.
Spanien und Portugal 1801 bis 1815.

Die Zahl der Eisenhütten (Katalanschmieden) in Spanien betrug
nach Laborde in Asturien 11, in Guipuzcoa 15, in dem eigentlichen
Biscaya 16, welche jährlich etwa 100000 Ctr. erzeugten, in dem
Distrikt von S. Andero allein 25 mit einer Produktion von 24000 Ctr.
Die wichtigsten Eisenwerke von Aragonien waren die von S. Pedro
in dem Gebiete von Albarrazin, Origuela, Xea, Torres und Tormon.
In jedem derselben wurden jährlich an 2500 Ctr. gemacht.

Das grösste Hüttenwerk in Guipuzcoa war das von Aspeitoa.
Dieses Land war vordem bedeckt mit Schmieden, welche es aber gänz-
lich entwaldet haben. Keine der besten Eisenwerke in Biscaya, Alava
und Guipuzcoa warf über 300 bis 500 Dukaten (700 bis 1150 Mark)
im Jahre ab, während die von Aragonien etwa das Doppelte ein-
brachten. Von ersteren erzeugte jedes etwa 1000 Ctr., von letzteren
2500 Ctr. Spanien hatte auch viele Eisenwalz- und Schneidwerke,
z. B. waren viele bei Tolosa, 12 in Biscaya, 48 in Asturien und eins
in Neu-Castilien. Von den 48 in Asturien arbeiteten 9 auf Stabeisen,
37 auf Nageleisen und 2 verarbeiteten Kupfer. Giessereien gab es zu
Equi in Navarra, zu Renteria in Guipuzcoa und in der Nachbarschaft
von Oviedo und St. Jago de Sargadelos in Asturien. Eiserne Kanonen
wurden zu Lierganez und Cavada gegossen. Stahl wurde in Utrillos
in Aragonien hergestellt, aber nur in geringer Menge. Schlösser und
Eisengerät wurden besonders zu Vega de Ribadeo in Galizien, zu
Helgoivar in Biscaya und zu Vergena, Solsona und Cardona in Cata-
lonien angefertigt. In diesen Städten, namentlich in Solsona, wurden
auch Messerwaren gemacht; für Tuchscheren waren Monistrol und
Aulot in Castilien berühmt.

Durch die napoleonischen Kriege litt die spanische Eisenindustrie
und nach dem Jahre 1815 fehlte jeder Aufschwung, so dass dieselbe
in den 20 er Jahren sehr daniederlag.

In Portugal bemühte sich der 1801 ernannte Oberberghauptmann
Androda, die alte Eisenhütte von Foz d'Alge wiederherzustellen und
eine grossartige Eisenfabrik daraus zu machen. Zu diesem Zwecke
berief er deutsche Techniker, besonders einen Bergingenieur W. v.
Eschwege 1). Die Invasion der Franzosen 1807 machten dem Unter-
nehmen ein Ende.


1) Siehe dessen Bericht in Karstens Archiv 1835, Bd. VIII, S. 185.
Spanien und Portugal 1801 bis 1815.
Spanien und Portugal 1801 bis 1815.

Die Zahl der Eisenhütten (Katalanschmieden) in Spanien betrug
nach Laborde in Asturien 11, in Guipuzcoa 15, in dem eigentlichen
Biscaya 16, welche jährlich etwa 100000 Ctr. erzeugten, in dem
Distrikt von S. Andero allein 25 mit einer Produktion von 24000 Ctr.
Die wichtigsten Eisenwerke von Aragonien waren die von S. Pedro
in dem Gebiete von Albarrazin, Origuela, Xea, Torres und Tormon.
In jedem derselben wurden jährlich an 2500 Ctr. gemacht.

Das gröſste Hüttenwerk in Guipuzcoa war das von Aspeitoa.
Dieses Land war vordem bedeckt mit Schmieden, welche es aber gänz-
lich entwaldet haben. Keine der besten Eisenwerke in Biscaya, Alava
und Guipuzcoa warf über 300 bis 500 Dukaten (700 bis 1150 Mark)
im Jahre ab, während die von Aragonien etwa das Doppelte ein-
brachten. Von ersteren erzeugte jedes etwa 1000 Ctr., von letzteren
2500 Ctr. Spanien hatte auch viele Eisenwalz- und Schneidwerke,
z. B. waren viele bei Tolosa, 12 in Biscaya, 48 in Asturien und eins
in Neu-Castilien. Von den 48 in Asturien arbeiteten 9 auf Stabeisen,
37 auf Nageleisen und 2 verarbeiteten Kupfer. Gieſsereien gab es zu
Equi in Navarra, zu Renteria in Guipuzcoa und in der Nachbarschaft
von Oviedo und St. Jago de Sargadelos in Asturien. Eiserne Kanonen
wurden zu Lierganez und Cavada gegossen. Stahl wurde in Utrillos
in Aragonien hergestellt, aber nur in geringer Menge. Schlösser und
Eisengerät wurden besonders zu Vega de Ribadeo in Galizien, zu
Helgoivar in Biscaya und zu Vergena, Solsona und Cardona in Cata-
lonien angefertigt. In diesen Städten, namentlich in Solsona, wurden
auch Messerwaren gemacht; für Tuchscheren waren Monistrol und
Aulot in Castilien berühmt.

Durch die napoleonischen Kriege litt die spanische Eisenindustrie
und nach dem Jahre 1815 fehlte jeder Aufschwung, so daſs dieselbe
in den 20 er Jahren sehr daniederlag.

In Portugal bemühte sich der 1801 ernannte Oberberghauptmann
Androda, die alte Eisenhütte von Foz d’Alge wiederherzustellen und
eine groſsartige Eisenfabrik daraus zu machen. Zu diesem Zwecke
berief er deutsche Techniker, besonders einen Bergingenieur W. v.
Eschwege 1). Die Invasion der Franzosen 1807 machten dem Unter-
nehmen ein Ende.


1) Siehe dessen Bericht in Karstens Archiv 1835, Bd. VIII, S. 185.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0188" n="172"/>
          <fw place="top" type="header">Spanien und Portugal 1801 bis 1815.</fw><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#b"><hi rendition="#g">Spanien und Portugal 1801 bis 1815</hi>.</hi> </head><lb/>
            <p>Die Zahl der Eisenhütten (Katalanschmieden) in <hi rendition="#g">Spanien</hi> betrug<lb/>
nach <hi rendition="#g">Laborde</hi> in Asturien 11, in Guipuzcoa 15, in dem eigentlichen<lb/>
Biscaya 16, welche jährlich etwa 100000 Ctr. erzeugten, in dem<lb/>
Distrikt von S. Andero allein 25 mit einer Produktion von 24000 Ctr.<lb/>
Die wichtigsten Eisenwerke von Aragonien waren die von S. Pedro<lb/>
in dem Gebiete von Albarrazin, Origuela, Xea, Torres und Tormon.<lb/>
In jedem derselben wurden jährlich an 2500 Ctr. gemacht.</p><lb/>
            <p>Das grö&#x017F;ste Hüttenwerk in Guipuzcoa war das von Aspeitoa.<lb/>
Dieses Land war vordem bedeckt mit Schmieden, welche es aber gänz-<lb/>
lich entwaldet haben. Keine der besten Eisenwerke in Biscaya, Alava<lb/>
und Guipuzcoa warf über 300 bis 500 Dukaten (700 bis 1150 Mark)<lb/>
im Jahre ab, während die von Aragonien etwa das Doppelte ein-<lb/>
brachten. Von ersteren erzeugte jedes etwa 1000 Ctr., von letzteren<lb/>
2500 Ctr. Spanien hatte auch viele Eisenwalz- und Schneidwerke,<lb/>
z. B. waren viele bei Tolosa, 12 in Biscaya, 48 in Asturien und eins<lb/>
in Neu-Castilien. Von den 48 in Asturien arbeiteten 9 auf Stabeisen,<lb/>
37 auf Nageleisen und 2 verarbeiteten Kupfer. Gie&#x017F;sereien gab es zu<lb/>
Equi in Navarra, zu Renteria in Guipuzcoa und in der Nachbarschaft<lb/>
von Oviedo und St. Jago de Sargadelos in Asturien. Eiserne Kanonen<lb/>
wurden zu Lierganez und Cavada gegossen. Stahl wurde in Utrillos<lb/>
in Aragonien hergestellt, aber nur in geringer Menge. Schlösser und<lb/>
Eisengerät wurden besonders zu Vega de Ribadeo in Galizien, zu<lb/>
Helgoivar in Biscaya und zu Vergena, Solsona und Cardona in Cata-<lb/>
lonien angefertigt. In diesen Städten, namentlich in Solsona, wurden<lb/>
auch Messerwaren gemacht; für Tuchscheren waren Monistrol und<lb/>
Aulot in Castilien berühmt.</p><lb/>
            <p>Durch die napoleonischen Kriege litt die spanische Eisenindustrie<lb/>
und nach dem Jahre 1815 fehlte jeder Aufschwung, so da&#x017F;s dieselbe<lb/>
in den 20 er Jahren sehr daniederlag.</p><lb/>
            <p>In Portugal bemühte sich der 1801 ernannte Oberberghauptmann<lb/><hi rendition="#g">Androda</hi>, die alte Eisenhütte von Foz d&#x2019;Alge wiederherzustellen und<lb/>
eine gro&#x017F;sartige Eisenfabrik daraus zu machen. Zu diesem Zwecke<lb/>
berief er deutsche Techniker, besonders einen Bergingenieur W. v.<lb/><hi rendition="#g">Eschwege</hi> <note place="foot" n="1)">Siehe dessen Bericht in <hi rendition="#g">Karstens</hi> Archiv 1835, Bd. VIII, S. 185.</note>. Die Invasion der Franzosen 1807 machten dem Unter-<lb/>
nehmen ein Ende.</p>
          </div><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[172/0188] Spanien und Portugal 1801 bis 1815. Spanien und Portugal 1801 bis 1815. Die Zahl der Eisenhütten (Katalanschmieden) in Spanien betrug nach Laborde in Asturien 11, in Guipuzcoa 15, in dem eigentlichen Biscaya 16, welche jährlich etwa 100000 Ctr. erzeugten, in dem Distrikt von S. Andero allein 25 mit einer Produktion von 24000 Ctr. Die wichtigsten Eisenwerke von Aragonien waren die von S. Pedro in dem Gebiete von Albarrazin, Origuela, Xea, Torres und Tormon. In jedem derselben wurden jährlich an 2500 Ctr. gemacht. Das gröſste Hüttenwerk in Guipuzcoa war das von Aspeitoa. Dieses Land war vordem bedeckt mit Schmieden, welche es aber gänz- lich entwaldet haben. Keine der besten Eisenwerke in Biscaya, Alava und Guipuzcoa warf über 300 bis 500 Dukaten (700 bis 1150 Mark) im Jahre ab, während die von Aragonien etwa das Doppelte ein- brachten. Von ersteren erzeugte jedes etwa 1000 Ctr., von letzteren 2500 Ctr. Spanien hatte auch viele Eisenwalz- und Schneidwerke, z. B. waren viele bei Tolosa, 12 in Biscaya, 48 in Asturien und eins in Neu-Castilien. Von den 48 in Asturien arbeiteten 9 auf Stabeisen, 37 auf Nageleisen und 2 verarbeiteten Kupfer. Gieſsereien gab es zu Equi in Navarra, zu Renteria in Guipuzcoa und in der Nachbarschaft von Oviedo und St. Jago de Sargadelos in Asturien. Eiserne Kanonen wurden zu Lierganez und Cavada gegossen. Stahl wurde in Utrillos in Aragonien hergestellt, aber nur in geringer Menge. Schlösser und Eisengerät wurden besonders zu Vega de Ribadeo in Galizien, zu Helgoivar in Biscaya und zu Vergena, Solsona und Cardona in Cata- lonien angefertigt. In diesen Städten, namentlich in Solsona, wurden auch Messerwaren gemacht; für Tuchscheren waren Monistrol und Aulot in Castilien berühmt. Durch die napoleonischen Kriege litt die spanische Eisenindustrie und nach dem Jahre 1815 fehlte jeder Aufschwung, so daſs dieselbe in den 20 er Jahren sehr daniederlag. In Portugal bemühte sich der 1801 ernannte Oberberghauptmann Androda, die alte Eisenhütte von Foz d’Alge wiederherzustellen und eine groſsartige Eisenfabrik daraus zu machen. Zu diesem Zwecke berief er deutsche Techniker, besonders einen Bergingenieur W. v. Eschwege 1). Die Invasion der Franzosen 1807 machten dem Unter- nehmen ein Ende. 1) Siehe dessen Bericht in Karstens Archiv 1835, Bd. VIII, S. 185.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen04_1899
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen04_1899/188
Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 4: Das XIX. Jahrhundert von 1801 bis 1860. Braunschweig, 1899, S. 172. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen04_1899/188>, abgerufen am 18.04.2021.