Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 4: Das XIX. Jahrhundert von 1801 bis 1860. Braunschweig, 1899.

Bild:
<< vorherige Seite
Die Eisenverarbeitung 1816 bis 1830.

Die Sandherde erhielten sich noch einige Zeit neben den eisernen
Herden. Man konnte auf den letzteren das Eisen nicht unmittelbar
einsetzen, sondern man beschüttete die eiserne Herdplatte vorher
einige Zoll hoch mit gepochter schwer schmelzender Frischschlacke,
welche durch scharfes Feuer in einen breiartigen Fluss gebracht
wurde und dann die eigentliche Grundlage für das zu puddelnde
Roheisen bildete.

Es ist leicht einzusehen, dass bei dem Sandherde ein grösserer
Eisenabbrand statthatte, indem jedes Teilchen oxydierten Eisens gleich
Gelegenheit fand, sich mit der Kieselsäure des Herdes zu verbinden,
was bei dem basischen Schlackenherde nicht der Fall war.

Man bediente sich zweier verschiedener Frischmethoden. Das
trockene Puddeln ohne Schlackenzusatz wurde bei dem Feineisen
oder dem luckigen Floss angewendet, während man das graue und
halbierte Eisen mit Schlackenzusatz verschmolz, welches Verfahren
man Schlackenpuddeln nannte. Der Roheiseneinsatz betrug 21/2
bis 4 Ctr., bei Doppelöfen 7 Ctr. Das Frischen trat erst ein, wenn
das Eisen in einen breiartigen Zustand übergegangen war. Man
schmolz deshalb bei scharfer Hitze, also bei offener Klappe ein und
fing dann erst an zu dämpfen. Bei dem Feineisen trat der brei-
artige Zustand bald, etwa nach 20 Minuten, ein, bei dem grauen
Eisen musste die Schlacke diesen erst herbeiführen, was längere Zeit
dauerte und durch Rühren beschleunigt wurde. Hierauf begann dann
das eigentliche Puddeln oder Durchrühren bei geschlossener Essen-
klappe. Erst nach der Frischperiode durfte man, wenn die Masse
zu kalt geworden war, wieder eine starke Hitze geben. Die Frisch-
periode dauerte 40 bis 45 Minuten. Hierauf begann die Schweiss-
periode und das Luppenmachen. Die Luppen (balls) brachte man
unter den Hammer oder das Walzwerk.

Die Eisenverarbeitung 1816 bis 1830.

Mit der Verbesserung der Puddelöfen ging die Verbesserung der
Hämmer und Walzwerke Hand in Hand.

Wie schon früher erwähnt, bediente man sich in England allge-
mein der schweren eisernen Stirnhämmer in eisernen Gerüsten, um die
Luppen aus dem Puddelofen zusammenzuschlagen und dicht zu machen,
ehe man sie unter die Vorwalzen brachte. Fig. 77 (a. f. S.) zeigt
einen englischen Stirnhammer nach der Abbildung von Dufrenoy

17*
Die Eisenverarbeitung 1816 bis 1830.

Die Sandherde erhielten sich noch einige Zeit neben den eisernen
Herden. Man konnte auf den letzteren das Eisen nicht unmittelbar
einsetzen, sondern man beschüttete die eiserne Herdplatte vorher
einige Zoll hoch mit gepochter schwer schmelzender Frischschlacke,
welche durch scharfes Feuer in einen breiartigen Fluſs gebracht
wurde und dann die eigentliche Grundlage für das zu puddelnde
Roheisen bildete.

Es ist leicht einzusehen, daſs bei dem Sandherde ein gröſserer
Eisenabbrand statthatte, indem jedes Teilchen oxydierten Eisens gleich
Gelegenheit fand, sich mit der Kieselsäure des Herdes zu verbinden,
was bei dem basischen Schlackenherde nicht der Fall war.

Man bediente sich zweier verschiedener Frischmethoden. Das
trockene Puddeln ohne Schlackenzusatz wurde bei dem Feineisen
oder dem luckigen Floſs angewendet, während man das graue und
halbierte Eisen mit Schlackenzusatz verschmolz, welches Verfahren
man Schlackenpuddeln nannte. Der Roheiseneinsatz betrug 2½
bis 4 Ctr., bei Doppelöfen 7 Ctr. Das Frischen trat erst ein, wenn
das Eisen in einen breiartigen Zustand übergegangen war. Man
schmolz deshalb bei scharfer Hitze, also bei offener Klappe ein und
fing dann erst an zu dämpfen. Bei dem Feineisen trat der brei-
artige Zustand bald, etwa nach 20 Minuten, ein, bei dem grauen
Eisen muſste die Schlacke diesen erst herbeiführen, was längere Zeit
dauerte und durch Rühren beschleunigt wurde. Hierauf begann dann
das eigentliche Puddeln oder Durchrühren bei geschlossener Essen-
klappe. Erst nach der Frischperiode durfte man, wenn die Masse
zu kalt geworden war, wieder eine starke Hitze geben. Die Frisch-
periode dauerte 40 bis 45 Minuten. Hierauf begann die Schweiſs-
periode und das Luppenmachen. Die Luppen (balls) brachte man
unter den Hammer oder das Walzwerk.

Die Eisenverarbeitung 1816 bis 1830.

Mit der Verbesserung der Puddelöfen ging die Verbesserung der
Hämmer und Walzwerke Hand in Hand.

Wie schon früher erwähnt, bediente man sich in England allge-
mein der schweren eisernen Stirnhämmer in eisernen Gerüsten, um die
Luppen aus dem Puddelofen zusammenzuschlagen und dicht zu machen,
ehe man sie unter die Vorwalzen brachte. Fig. 77 (a. f. S.) zeigt
einen englischen Stirnhammer nach der Abbildung von Dufrénoy

17*
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0275" n="259"/>
            <fw place="top" type="header">Die Eisenverarbeitung 1816 bis 1830.</fw><lb/>
            <p>Die Sandherde erhielten sich noch einige Zeit neben den eisernen<lb/>
Herden. Man konnte auf den letzteren das Eisen nicht unmittelbar<lb/>
einsetzen, sondern man beschüttete die eiserne Herdplatte vorher<lb/>
einige Zoll hoch mit gepochter schwer schmelzender Frischschlacke,<lb/>
welche durch scharfes Feuer in einen breiartigen Flu&#x017F;s gebracht<lb/>
wurde und dann die eigentliche Grundlage für das zu puddelnde<lb/>
Roheisen bildete.</p><lb/>
            <p>Es ist leicht einzusehen, da&#x017F;s bei dem Sandherde ein grö&#x017F;serer<lb/>
Eisenabbrand statthatte, indem jedes Teilchen oxydierten Eisens gleich<lb/>
Gelegenheit fand, sich mit der Kieselsäure des Herdes zu verbinden,<lb/>
was bei dem basischen Schlackenherde nicht der Fall war.</p><lb/>
            <p>Man bediente sich zweier verschiedener Frischmethoden. Das<lb/><hi rendition="#g">trockene Puddeln</hi> ohne Schlackenzusatz wurde bei dem Feineisen<lb/>
oder dem luckigen Flo&#x017F;s angewendet, während man das graue und<lb/>
halbierte Eisen mit Schlackenzusatz verschmolz, welches Verfahren<lb/>
man <hi rendition="#g">Schlackenpuddeln</hi> nannte. Der Roheiseneinsatz betrug 2½<lb/>
bis 4 Ctr., bei Doppelöfen 7 Ctr. Das Frischen trat erst ein, wenn<lb/>
das Eisen in einen breiartigen Zustand übergegangen war. Man<lb/>
schmolz deshalb bei scharfer Hitze, also bei offener Klappe ein und<lb/>
fing dann erst an zu dämpfen. Bei dem Feineisen trat der brei-<lb/>
artige Zustand bald, etwa nach 20 Minuten, ein, bei dem grauen<lb/>
Eisen mu&#x017F;ste die Schlacke diesen erst herbeiführen, was längere Zeit<lb/>
dauerte und durch Rühren beschleunigt wurde. Hierauf begann dann<lb/>
das eigentliche Puddeln oder Durchrühren bei geschlossener Essen-<lb/>
klappe. Erst nach der Frischperiode durfte man, wenn die Masse<lb/>
zu kalt geworden war, wieder eine starke Hitze geben. Die Frisch-<lb/>
periode dauerte 40 bis 45 Minuten. Hierauf begann die Schwei&#x017F;s-<lb/>
periode und das Luppenmachen. Die Luppen (balls) brachte man<lb/>
unter den Hammer oder das Walzwerk.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#b">Die Eisenverarbeitung 1816 bis 1830.</hi> </head><lb/>
            <p>Mit der Verbesserung der Puddelöfen ging die Verbesserung der<lb/><hi rendition="#g">Hämmer</hi> und <hi rendition="#g">Walzwerke</hi> Hand in Hand.</p><lb/>
            <p>Wie schon früher erwähnt, bediente man sich in England allge-<lb/>
mein der schweren eisernen Stirnhämmer in eisernen Gerüsten, um die<lb/>
Luppen aus dem Puddelofen zusammenzuschlagen und dicht zu machen,<lb/>
ehe man sie unter die Vorwalzen brachte. Fig. 77 (a. f. S.) zeigt<lb/>
einen englischen <hi rendition="#g">Stirnhammer</hi> nach der Abbildung von <hi rendition="#g">Dufrénoy</hi><lb/>
<fw place="bottom" type="sig">17*</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[259/0275] Die Eisenverarbeitung 1816 bis 1830. Die Sandherde erhielten sich noch einige Zeit neben den eisernen Herden. Man konnte auf den letzteren das Eisen nicht unmittelbar einsetzen, sondern man beschüttete die eiserne Herdplatte vorher einige Zoll hoch mit gepochter schwer schmelzender Frischschlacke, welche durch scharfes Feuer in einen breiartigen Fluſs gebracht wurde und dann die eigentliche Grundlage für das zu puddelnde Roheisen bildete. Es ist leicht einzusehen, daſs bei dem Sandherde ein gröſserer Eisenabbrand statthatte, indem jedes Teilchen oxydierten Eisens gleich Gelegenheit fand, sich mit der Kieselsäure des Herdes zu verbinden, was bei dem basischen Schlackenherde nicht der Fall war. Man bediente sich zweier verschiedener Frischmethoden. Das trockene Puddeln ohne Schlackenzusatz wurde bei dem Feineisen oder dem luckigen Floſs angewendet, während man das graue und halbierte Eisen mit Schlackenzusatz verschmolz, welches Verfahren man Schlackenpuddeln nannte. Der Roheiseneinsatz betrug 2½ bis 4 Ctr., bei Doppelöfen 7 Ctr. Das Frischen trat erst ein, wenn das Eisen in einen breiartigen Zustand übergegangen war. Man schmolz deshalb bei scharfer Hitze, also bei offener Klappe ein und fing dann erst an zu dämpfen. Bei dem Feineisen trat der brei- artige Zustand bald, etwa nach 20 Minuten, ein, bei dem grauen Eisen muſste die Schlacke diesen erst herbeiführen, was längere Zeit dauerte und durch Rühren beschleunigt wurde. Hierauf begann dann das eigentliche Puddeln oder Durchrühren bei geschlossener Essen- klappe. Erst nach der Frischperiode durfte man, wenn die Masse zu kalt geworden war, wieder eine starke Hitze geben. Die Frisch- periode dauerte 40 bis 45 Minuten. Hierauf begann die Schweiſs- periode und das Luppenmachen. Die Luppen (balls) brachte man unter den Hammer oder das Walzwerk. Die Eisenverarbeitung 1816 bis 1830. Mit der Verbesserung der Puddelöfen ging die Verbesserung der Hämmer und Walzwerke Hand in Hand. Wie schon früher erwähnt, bediente man sich in England allge- mein der schweren eisernen Stirnhämmer in eisernen Gerüsten, um die Luppen aus dem Puddelofen zusammenzuschlagen und dicht zu machen, ehe man sie unter die Vorwalzen brachte. Fig. 77 (a. f. S.) zeigt einen englischen Stirnhammer nach der Abbildung von Dufrénoy 17*

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen04_1899
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen04_1899/275
Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 4: Das XIX. Jahrhundert von 1801 bis 1860. Braunschweig, 1899, S. 259. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen04_1899/275>, abgerufen am 11.08.2022.