Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 4: Das XIX. Jahrhundert von 1801 bis 1860. Braunschweig, 1899.

Bild:
<< vorherige Seite

Der Hochofenbetrieb 1831 bis 1850.
Scheerer die Flammröstöfen mit Dampfzuleitung, wie oben beschrie-
ben, vorzog 1).

Als Fluss oder Zuschlag empfahl Karsten (§. 457) sehr den
Flussspat, der aber seiner Seltenheit wegen nur eine beschränkte
Anwendung gestattete. Auch ist nach Karsten für Erze, welchen
keine Bittererde beigemengt ist, Dolomit anstatt Kalkstein vorzuziehen,
um eine polybasische Schlacke zu bilden.

Der Hochofenbau 1831 bis 1850.

Für die Roheisendarstellung und den Hochofenbetrieb
war die Anwendung der erhitzten Gebläseluft das wichtigste Ereignis
dieser Periode. Auf den Bau und die Konstruktion der Hochöfen
hat dieselbe einen unmittelbaren Einfluss kaum ausgeübt. Es war
gerade ein besonderer Vorzug dieser neuen Erfindung, dass sie sich
ohne bauliche Veränderungen an jedem bestehenden Hochofen an-
wenden liess, und eben dieser Umstand hat zu ihrer raschen Aus-
breitung wesentlich beigetragen.

Der heisse Wind erzeugte eine grössere Hitze im Schmelzraume
und konzentrierte die Wärme unmittelbar vor den Formen. Hierdurch
wurde allerdings, wie Karsten erwähnt, eine weitere Zustellung des
Gestelles statthaft, vorausgesetzt, dass die Pressung stärker war, als
das für das angewendete Brennmaterial erforderliche Minimum. Mehr
noch wie früher wurden die hohen Obergestelle überflüssig, denn der
heisse Wind war, wie Karsten sich ausdrückt, der Stellvertreter der
hohen Obergestelle. Dieselben waren sogar nachteilig, insofern sie
durch die gesteigerte Hitze rasch zerstört wurden. Aber nur ganz
allmählich übte die Anwendung des heissen Windes auf die Zustellung
der Hochöfen einen Einfluss aus.

Dagegen war die Wirkung desselben auf den Betrieb eine sehr
bedeutende. Sie äusserte sich in der Zunahme der Produktion, in der
Erhöhung des Erzsatzes, in der flüssigeren Schlacke und in der Er-
leichterung der Arbeiten im Gestell. Der heisse Wind machte die An-
wendung von Wasserformen nötig. Auch eine bessere Windverteilung
durch die Zustellung der Hochöfen mit drei Formen kam in dieser
Zeit mehr und mehr zur Einführung. Die Zugänge zu den Formen
bildeten entweder gewölbte Aussparungen im Rauhmauerwerk oder
namentlich bei grösseren Hochöfen ein treppenförmig aufsteigendes
System von gusseisernen Balken, sogenannten Trageisen (maratres),

1) Scheerer, a. a. O., II, 79.

Der Hochofenbetrieb 1831 bis 1850.
Scheerer die Flammröstöfen mit Dampfzuleitung, wie oben beschrie-
ben, vorzog 1).

Als Fluſs oder Zuschlag empfahl Karsten (§. 457) sehr den
Fluſsspat, der aber seiner Seltenheit wegen nur eine beschränkte
Anwendung gestattete. Auch ist nach Karsten für Erze, welchen
keine Bittererde beigemengt ist, Dolomit anstatt Kalkstein vorzuziehen,
um eine polybasische Schlacke zu bilden.

Der Hochofenbau 1831 bis 1850.

Für die Roheisendarstellung und den Hochofenbetrieb
war die Anwendung der erhitzten Gebläseluft das wichtigste Ereignis
dieser Periode. Auf den Bau und die Konstruktion der Hochöfen
hat dieselbe einen unmittelbaren Einfluſs kaum ausgeübt. Es war
gerade ein besonderer Vorzug dieser neuen Erfindung, daſs sie sich
ohne bauliche Veränderungen an jedem bestehenden Hochofen an-
wenden lieſs, und eben dieser Umstand hat zu ihrer raschen Aus-
breitung wesentlich beigetragen.

Der heiſse Wind erzeugte eine gröſsere Hitze im Schmelzraume
und konzentrierte die Wärme unmittelbar vor den Formen. Hierdurch
wurde allerdings, wie Karsten erwähnt, eine weitere Zustellung des
Gestelles statthaft, vorausgesetzt, daſs die Pressung stärker war, als
das für das angewendete Brennmaterial erforderliche Minimum. Mehr
noch wie früher wurden die hohen Obergestelle überflüssig, denn der
heiſse Wind war, wie Karsten sich ausdrückt, der Stellvertreter der
hohen Obergestelle. Dieselben waren sogar nachteilig, insofern sie
durch die gesteigerte Hitze rasch zerstört wurden. Aber nur ganz
allmählich übte die Anwendung des heiſsen Windes auf die Zustellung
der Hochöfen einen Einfluſs aus.

Dagegen war die Wirkung desselben auf den Betrieb eine sehr
bedeutende. Sie äuſserte sich in der Zunahme der Produktion, in der
Erhöhung des Erzsatzes, in der flüssigeren Schlacke und in der Er-
leichterung der Arbeiten im Gestell. Der heiſse Wind machte die An-
wendung von Wasserformen nötig. Auch eine bessere Windverteilung
durch die Zustellung der Hochöfen mit drei Formen kam in dieser
Zeit mehr und mehr zur Einführung. Die Zugänge zu den Formen
bildeten entweder gewölbte Aussparungen im Rauhmauerwerk oder
namentlich bei gröſseren Hochöfen ein treppenförmig aufsteigendes
System von guſseisernen Balken, sogenannten Trageisen (marâtres),

1) Scheerer, a. a. O., II, 79.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0521" n="505"/><fw place="top" type="header">Der Hochofenbetrieb 1831 bis 1850.</fw><lb/><hi rendition="#g">Scheerer</hi> die Flammröstöfen mit Dampfzuleitung, wie oben beschrie-<lb/>
ben, vorzog <note place="foot" n="1)"><hi rendition="#g">Scheerer</hi>, a. a. O., II, 79.</note>.</p><lb/>
              <p>Als <hi rendition="#g">Flu&#x017F;s</hi> oder <hi rendition="#g">Zuschlag</hi> empfahl <hi rendition="#g">Karsten</hi> (§. 457) sehr den<lb/>
Flu&#x017F;sspat, der aber seiner Seltenheit wegen nur eine beschränkte<lb/>
Anwendung gestattete. Auch ist nach <hi rendition="#g">Karsten</hi> für Erze, welchen<lb/>
keine Bittererde beigemengt ist, Dolomit anstatt Kalkstein vorzuziehen,<lb/>
um eine polybasische Schlacke zu bilden.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head><hi rendition="#g">Der Hochofenbau 1831 bis 1850</hi>.</head><lb/>
              <p>Für die <hi rendition="#g">Roheisendarstellung</hi> und den <hi rendition="#g">Hochofenbetrieb</hi><lb/>
war die Anwendung der erhitzten Gebläseluft das wichtigste Ereignis<lb/>
dieser Periode. Auf den <hi rendition="#g">Bau</hi> und die <hi rendition="#g">Konstruktion</hi> der Hochöfen<lb/>
hat dieselbe einen unmittelbaren Einflu&#x017F;s kaum ausgeübt. Es war<lb/>
gerade ein besonderer Vorzug dieser neuen Erfindung, da&#x017F;s sie sich<lb/>
ohne bauliche Veränderungen an jedem bestehenden Hochofen an-<lb/>
wenden lie&#x017F;s, und eben dieser Umstand hat zu ihrer raschen Aus-<lb/>
breitung wesentlich beigetragen.</p><lb/>
              <p>Der hei&#x017F;se Wind erzeugte eine grö&#x017F;sere Hitze im Schmelzraume<lb/>
und konzentrierte die Wärme unmittelbar vor den Formen. Hierdurch<lb/>
wurde allerdings, wie <hi rendition="#g">Karsten</hi> erwähnt, eine weitere Zustellung des<lb/>
Gestelles statthaft, vorausgesetzt, da&#x017F;s die Pressung stärker war, als<lb/>
das für das angewendete Brennmaterial erforderliche Minimum. Mehr<lb/>
noch wie früher wurden die hohen Obergestelle überflüssig, denn der<lb/>
hei&#x017F;se Wind war, wie <hi rendition="#g">Karsten</hi> sich ausdrückt, der Stellvertreter der<lb/>
hohen Obergestelle. Dieselben waren sogar nachteilig, insofern sie<lb/>
durch die gesteigerte Hitze rasch zerstört wurden. Aber nur ganz<lb/>
allmählich übte die Anwendung des hei&#x017F;sen Windes auf die Zustellung<lb/>
der Hochöfen einen Einflu&#x017F;s aus.</p><lb/>
              <p>Dagegen war die Wirkung desselben auf den Betrieb eine sehr<lb/>
bedeutende. Sie äu&#x017F;serte sich in der Zunahme der Produktion, in der<lb/>
Erhöhung des Erzsatzes, in der flüssigeren Schlacke und in der Er-<lb/>
leichterung der Arbeiten im Gestell. Der hei&#x017F;se Wind machte die An-<lb/>
wendung von Wasserformen nötig. Auch eine bessere Windverteilung<lb/>
durch die Zustellung der Hochöfen mit drei Formen kam in dieser<lb/>
Zeit mehr und mehr zur Einführung. Die Zugänge zu den Formen<lb/>
bildeten entweder gewölbte Aussparungen im Rauhmauerwerk oder<lb/>
namentlich bei grö&#x017F;seren Hochöfen ein treppenförmig aufsteigendes<lb/>
System von gu&#x017F;seisernen Balken, sogenannten Trageisen (marâtres),<lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[505/0521] Der Hochofenbetrieb 1831 bis 1850. Scheerer die Flammröstöfen mit Dampfzuleitung, wie oben beschrie- ben, vorzog 1). Als Fluſs oder Zuschlag empfahl Karsten (§. 457) sehr den Fluſsspat, der aber seiner Seltenheit wegen nur eine beschränkte Anwendung gestattete. Auch ist nach Karsten für Erze, welchen keine Bittererde beigemengt ist, Dolomit anstatt Kalkstein vorzuziehen, um eine polybasische Schlacke zu bilden. Der Hochofenbau 1831 bis 1850. Für die Roheisendarstellung und den Hochofenbetrieb war die Anwendung der erhitzten Gebläseluft das wichtigste Ereignis dieser Periode. Auf den Bau und die Konstruktion der Hochöfen hat dieselbe einen unmittelbaren Einfluſs kaum ausgeübt. Es war gerade ein besonderer Vorzug dieser neuen Erfindung, daſs sie sich ohne bauliche Veränderungen an jedem bestehenden Hochofen an- wenden lieſs, und eben dieser Umstand hat zu ihrer raschen Aus- breitung wesentlich beigetragen. Der heiſse Wind erzeugte eine gröſsere Hitze im Schmelzraume und konzentrierte die Wärme unmittelbar vor den Formen. Hierdurch wurde allerdings, wie Karsten erwähnt, eine weitere Zustellung des Gestelles statthaft, vorausgesetzt, daſs die Pressung stärker war, als das für das angewendete Brennmaterial erforderliche Minimum. Mehr noch wie früher wurden die hohen Obergestelle überflüssig, denn der heiſse Wind war, wie Karsten sich ausdrückt, der Stellvertreter der hohen Obergestelle. Dieselben waren sogar nachteilig, insofern sie durch die gesteigerte Hitze rasch zerstört wurden. Aber nur ganz allmählich übte die Anwendung des heiſsen Windes auf die Zustellung der Hochöfen einen Einfluſs aus. Dagegen war die Wirkung desselben auf den Betrieb eine sehr bedeutende. Sie äuſserte sich in der Zunahme der Produktion, in der Erhöhung des Erzsatzes, in der flüssigeren Schlacke und in der Er- leichterung der Arbeiten im Gestell. Der heiſse Wind machte die An- wendung von Wasserformen nötig. Auch eine bessere Windverteilung durch die Zustellung der Hochöfen mit drei Formen kam in dieser Zeit mehr und mehr zur Einführung. Die Zugänge zu den Formen bildeten entweder gewölbte Aussparungen im Rauhmauerwerk oder namentlich bei gröſseren Hochöfen ein treppenförmig aufsteigendes System von guſseisernen Balken, sogenannten Trageisen (marâtres), 1) Scheerer, a. a. O., II, 79.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen04_1899
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen04_1899/521
Zitationshilfe: Beck, Ludwig: Die Geschichte des Eisens. Bd. 4: Das XIX. Jahrhundert von 1801 bis 1860. Braunschweig, 1899, S. 505. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/beck_eisen04_1899/521>, abgerufen am 12.08.2022.