Behrens, Georg Henning: Hercynia Curiosa, oder Curiöser Hartz-Wald. Nordhausen, 1703.verfallenen Schlössern an und auf dem Hartz. hätte. Uber das sind in dem Hoch-Gräflichen SchwartzburgischenRudolstädtischen und Stolbergischen Amte Heringen noch eine Art Güter anzutreffen/ die man die Flämische Länderey nennet/ und sol- ches dahero: weilen dieselbe vormahls nach der Rotenburg denen Flaminibus, oder Heydnischen Priestern/ sollen zugehöret/ und von ihnen den Nahmen bekommen haben; welche Muthmassung auch nicht ohne Grund ist/ indem die Güther gantz frey sind/ und derer Be- sitzer noch diese Stunde die Fläminge genennet werden/ von welchen Herr Doctor Johann. Titius, weyland bey dieser Stadt wohl ver- dienter Syndicus und Consulent &c. in seinem unter dem Nahmen Jansonii Torquati heraus gegebenen Büchlein vom redlichen Vor- Munde §. 14 p. 50 & seq weitläuftiger handelt. Hat es nun vor besagter massen daselbst vor Alters Heydnische Priester gegeben/ so müssen auch solche nothwendig einen Abgott gehabt haben/ welcher/ allen Umständen nach/ der Püster gewesen. Sonst wollen einige da- vor halten/ daß die Mönche/ nach dem Heydenthum/ auch ihre Gau- ckeley mit diesem Bilde getrieben/ und dasselbe auf der Rotenburg in die Kirche in eine Mauer hinter eine Tafel gestellet hätten/ zumahl/ weilen dahin jährlich eine grosse Wallfahrt gehalten worden; wenn nun dieserwegen viel Volck alhier beysammen gewesen/ sey ein Mönch aufgestanden/ habe geprediget/ sich kläglich gestellet/ und gesagt: daß GOtt im Himmel über ihre Sünde sehr zürne/ und/ damit sie solches sehen möchten/ würde der Beüstrich bald donnern/ und höllisches Feüer ausspeyen; alsdenn hätte er befohlen/ die Tafel aufzuheben/ dahinter der Beüstrich gestanden; wenn das geschehen/ habe derselbe/ wie vor gesaget/ sich erzeiget/ und alsdenn das einfältige Volck reich- lich geopfert/ vermeinende: daß dadurch GOtt versöhnet würde/ denn sie nicht gewust/ daß sie von denen Mönchen wären also betrogen worden/ indem unter der Predigt ein ander Mönch durch einen heim- lichen Gang in der Mauer hinauf zu dem Bilde gestiegen sey/ dasselbe vor gedachter massen zubereitet/ und die in denen Löchern steckende Zapfen mit einem Stricklein behende hinweg gezogen habe/ wenn der predigende Mönch befohlen/ die Tafel aufzuthun. Es zweifelt aber an dem ietzt gedachten Mönch-Betrug Herr D. Sagittarius an dem albereit
verfallenen Schloͤſſern an und auf dem Hartz. haͤtte. Uber das ſind in dem Hoch-Graͤflichen SchwartzburgiſchenRudolſtaͤdtiſchen und Stolbergiſchen Amte Heringen noch eine Art Guͤter anzutreffen/ die man die Flaͤmiſche Laͤnderey nennet/ und ſol- ches dahero: weilen dieſelbe vormahls nach der Rotenburg denen Flaminibus, oder Heydniſchen Prieſtern/ ſollen zugehoͤret/ und von ihnen den Nahmen bekommen haben; welche Muthmaſſung auch nicht ohne Grund iſt/ indem die Guͤther gantz frey ſind/ und derer Be- ſitzer noch dieſe Stunde die Flaͤminge genennet werden/ von welchen Herr Doctor Johann. Titius, weyland bey dieſer Stadt wohl ver- dienter Syndicus und Conſulent &c. in ſeinem unter dem Nahmen Janſonii Torquati heraus gegebenen Buͤchlein vom redlichen Vor- Munde §. 14 p. 50 & ſeq weitlaͤuftiger handelt. Hat es nun vor beſagter maſſen daſelbſt vor Alters Heydniſche Prieſter gegeben/ ſo muͤſſen auch ſolche nothwendig einen Abgott gehabt haben/ welcher/ allen Umſtaͤnden nach/ der Puͤſter geweſen. Sonſt wollen einige da- vor halten/ daß die Moͤnche/ nach dem Heydenthum/ auch ihre Gau- ckeley mit dieſem Bilde getrieben/ und daſſelbe auf der Rotenburg in die Kirche in eine Mauer hinter eine Tafel geſtellet haͤtten/ zumahl/ weilen dahin jaͤhrlich eine groſſe Wallfahrt gehalten worden; wenn nun dieſerwegen viel Volck alhier beyſammen geweſen/ ſey ein Moͤnch aufgeſtanden/ habe geprediget/ ſich klaͤglich geſtellet/ und geſagt: daß GOtt im Himmel uͤber ihre Suͤnde ſehr zuͤrne/ und/ damit ſie ſolches ſehen moͤchten/ wuͤrde der Beuͤſtrich bald donnern/ und hoͤlliſches Feuͤer ausſpeyen; alsdenn haͤtte er befohlen/ die Tafel aufzuheben/ dahinter der Beuͤſtrich geſtanden; wenn das geſchehen/ habe derſelbe/ wie vor geſaget/ ſich erzeiget/ und alsdenn das einfaͤltige Volck reich- lich geopfert/ vermeinende: daß dadurch GOtt verſoͤhnet wuͤrde/ denn ſie nicht gewuſt/ daß ſie von denen Moͤnchen waͤren alſo betrogen worden/ indem unter der Predigt ein ander Moͤnch durch einen heim- lichen Gang in der Mauer hinauf zu dem Bilde geſtiegen ſey/ daſſelbe vor gedachter maſſen zubereitet/ und die in denen Loͤchern ſteckende Zapfen mit einem Stricklein behende hinweg gezogen habe/ wenn der predigende Moͤnch befohlen/ die Tafel aufzuthun. Es zweifelt aber an dem ietzt gedachten Moͤnch-Betrug Herr D. Sagittarius an dem albereit
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verfallenen Schloͤſſern an und auf dem Hartz.
haͤtte. Uber das ſind in dem Hoch-Graͤflichen Schwartzburgiſchen
Rudolſtaͤdtiſchen und Stolbergiſchen Amte Heringen noch eine Art
Guͤter anzutreffen/ die man die Flaͤmiſche Laͤnderey nennet/ und ſol-
ches dahero: weilen dieſelbe vormahls nach der Rotenburg denen
Flaminibus, oder Heydniſchen Prieſtern/ ſollen zugehoͤret/ und von
ihnen den Nahmen bekommen haben; welche Muthmaſſung auch
nicht ohne Grund iſt/ indem die Guͤther gantz frey ſind/ und derer Be-
ſitzer noch dieſe Stunde die Flaͤminge genennet werden/ von welchen
Herr Doctor Johann. Titius, weyland bey dieſer Stadt wohl ver-
dienter Syndicus und Conſulent &c. in ſeinem unter dem Nahmen
Janſonii Torquati heraus gegebenen Buͤchlein vom redlichen Vor-
Munde §. 14 p. 50 & ſeq weitlaͤuftiger handelt. Hat es nun vor
beſagter maſſen daſelbſt vor Alters Heydniſche Prieſter gegeben/ ſo
muͤſſen auch ſolche nothwendig einen Abgott gehabt haben/ welcher/
allen Umſtaͤnden nach/ der Puͤſter geweſen. Sonſt wollen einige da-
vor halten/ daß die Moͤnche/ nach dem Heydenthum/ auch ihre Gau-
ckeley mit dieſem Bilde getrieben/ und daſſelbe auf der Rotenburg in
die Kirche in eine Mauer hinter eine Tafel geſtellet haͤtten/ zumahl/
weilen dahin jaͤhrlich eine groſſe Wallfahrt gehalten worden; wenn
nun dieſerwegen viel Volck alhier beyſammen geweſen/ ſey ein Moͤnch
aufgeſtanden/ habe geprediget/ ſich klaͤglich geſtellet/ und geſagt: daß
GOtt im Himmel uͤber ihre Suͤnde ſehr zuͤrne/ und/ damit ſie ſolches
ſehen moͤchten/ wuͤrde der Beuͤſtrich bald donnern/ und hoͤlliſches
Feuͤer ausſpeyen; alsdenn haͤtte er befohlen/ die Tafel aufzuheben/
dahinter der Beuͤſtrich geſtanden; wenn das geſchehen/ habe derſelbe/
wie vor geſaget/ ſich erzeiget/ und alsdenn das einfaͤltige Volck reich-
lich geopfert/ vermeinende: daß dadurch GOtt verſoͤhnet wuͤrde/
denn ſie nicht gewuſt/ daß ſie von denen Moͤnchen waͤren alſo betrogen
worden/ indem unter der Predigt ein ander Moͤnch durch einen heim-
lichen Gang in der Mauer hinauf zu dem Bilde geſtiegen ſey/ daſſelbe
vor gedachter maſſen zubereitet/ und die in denen Loͤchern ſteckende
Zapfen mit einem Stricklein behende hinweg gezogen habe/ wenn der
predigende Moͤnch befohlen/ die Tafel aufzuthun. Es zweifelt aber
an dem ietzt gedachten Moͤnch-Betrug Herr D. Sagittarius an dem
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| Zitationshilfe: | Behrens, Georg Henning: Hercynia Curiosa, oder Curiöser Hartz-Wald. Nordhausen, 1703, S. 159. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/behrens_hercynia_1703/171>, abgerufen am 11.09.2024. |


