Behrens, Georg Henning: Hercynia Curiosa, oder Curiöser Hartz-Wald. Nordhausen, 1703.Das VII Capitel von denen curieusen Lust- Lüneburgischen Wolffenbüttelischen Garten zu Hessem oder Hessen/welcher daselbst bey dem Schlosse/ und eine Meile von Osterwieck/ lieget. Derselbe begreifft zwölff Quartiere in sich/ davon ein iedes ins Gevierdte achzig Werck-Schuhe hält/ welche inwendig mit aller- hand Gewächsen und etlichen Fontainen/ deren ich im III Capitel gedacht/ gezieret/ auswendig aber mit feinem Bied-Werck von un- terschiedenen Hecken oder Sträuchern umgeben sind. Jn einem der gedachten Quartiere ist auch ein hoch erhabenes/ schön gemahl- tes und mit vielen Fenstern rings herum geziertes Lust-Haus anzu- treffen/ aus welchem man den gantzen Garten übersehen kan/ und gehet in dasselbe von dem für dem Hause stehenden Fontaine eine bleyerne Röhre an einer Säule hinauf zu einem Hand-Becken/ wor- über ein artig gemachter Meßings-Hahn ist/ welcher denjenigen/ der solchen umdrehet/ und nicht die rechte Weise weiß/ sehr naß machet. Ferner haben die Haupt-Gänge im Garten durchgehends funffze- hen Schuh in die Breite/ und gehet üm den Garten nach Osten und Norden ein schöner übergebogener Gang/ der mit allerley Baum- und Heck-Werck dichte bewachsen ist. Jn diesem Lust-Garten hat vor diesem die Americanische Aloe zum öfftern geblühet/ und habe ich solche daselbst unterschiedenemahl floriren gesehen; es ist aber dieselbe nunmehro mit andern raren Gewächsen nicht mehr so häuf- fig alhier anzutreffen/ weilen dieser Garte nicht mehr in solchem Stande ist/ indem er von der Residentz der Gnädigsten Herrschafft zu weit ab-hingegen der unvergleichliche Garte zum Saltz-Thal näher lieget/ doch verdienet derselbe diese Stunde noch/ seiner raren Fontainen und anderer Sachen wegen/ von einem Curioso gesehen zu werden. Sonst ist zu nechst an diesem Lust-Garten auch ein ziemlich grosser Küchen- und dabey ein Baum-Garte/ darinnen die Bäume nach der Ordnung stehen/ vorhanden/ und kan ein Curiosus, nach Belieben/ von diesen dreyen Gärten ein mehrers in Johann Royers Beschreibung des Hessemischen Gartens lesen. II. Von
Das VII Capitel von denen curieuſen Luſt- Luͤneburgiſchen Wolffenbuͤtteliſchen Garten zu Heſſem oder Heſſen/welcher daſelbſt bey dem Schloſſe/ und eine Meile von Oſterwieck/ lieget. Derſelbe begreifft zwoͤlff Quartiere in ſich/ davon ein iedes ins Gevierdte achzig Werck-Schuhe haͤlt/ welche inwendig mit aller- hand Gewaͤchſen und etlichen Fontainen/ deren ich im III Capitel gedacht/ gezieret/ auswendig aber mit feinem Bied-Werck von un- terſchiedenen Hecken oder Straͤuchern umgeben ſind. Jn einem der gedachten Quartiere iſt auch ein hoch erhabenes/ ſchoͤn gemahl- tes und mit vielen Fenſtern rings herum geziertes Luſt-Haus anzu- treffen/ aus welchem man den gantzen Garten uͤberſehen kan/ und gehet in daſſelbe von dem fuͤr dem Hauſe ſtehenden Fontaine eine bleyerne Roͤhre an einer Saͤule hinauf zu einem Hand-Becken/ wor- uͤber ein artig gemachter Meßings-Hahn iſt/ welcher denjenigen/ der ſolchen umdrehet/ und nicht die rechte Weiſe weiß/ ſehr naß machet. Ferner haben die Haupt-Gaͤnge im Garten durchgehends funffze- hen Schuh in die Breite/ und gehet uͤm den Garten nach Oſten und Norden ein ſchoͤner uͤbergebogener Gang/ der mit allerley Baum- und Heck-Werck dichte bewachſen iſt. Jn dieſem Luſt-Garten hat vor dieſem die Americaniſche Aloë zum oͤfftern gebluͤhet/ und habe ich ſolche daſelbſt unterſchiedenemahl floriren geſehen; es iſt aber dieſelbe nunmehro mit andern raren Gewaͤchſen nicht mehr ſo haͤuf- fig alhier anzutreffen/ weilen dieſer Garte nicht mehr in ſolchem Stande iſt/ indem er von der Reſidentz der Gnaͤdigſten Herrſchafft zu weit ab-hingegen der unvergleichliche Garte zum Saltz-Thal naͤher lieget/ doch verdienet derſelbe dieſe Stunde noch/ ſeiner raren Fontainen und anderer Sachen wegen/ von einem Curioſo geſehen zu werden. Sonſt iſt zu nechſt an dieſem Luſt-Garten auch ein ziemlich groſſer Kuͤchen- und dabey ein Baum-Garte/ darinnen die Baͤume nach der Ordnung ſtehen/ vorhanden/ und kan ein Curioſus, nach Belieben/ von dieſen dreyen Gaͤrten ein mehrers in Johann Royers Beſchreibung des Heſſemiſchen Gartens leſen. II. Von
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Das VII Capitel von denen curieuſen Luſt-
Luͤneburgiſchen Wolffenbuͤtteliſchen Garten zu Heſſem oder Heſſen/
welcher daſelbſt bey dem Schloſſe/ und eine Meile von Oſterwieck/
lieget. Derſelbe begreifft zwoͤlff Quartiere in ſich/ davon ein iedes
ins Gevierdte achzig Werck-Schuhe haͤlt/ welche inwendig mit aller-
hand Gewaͤchſen und etlichen Fontainen/ deren ich im III Capitel
gedacht/ gezieret/ auswendig aber mit feinem Bied-Werck von un-
terſchiedenen Hecken oder Straͤuchern umgeben ſind. Jn einem
der gedachten Quartiere iſt auch ein hoch erhabenes/ ſchoͤn gemahl-
tes und mit vielen Fenſtern rings herum geziertes Luſt-Haus anzu-
treffen/ aus welchem man den gantzen Garten uͤberſehen kan/ und
gehet in daſſelbe von dem fuͤr dem Hauſe ſtehenden Fontaine eine
bleyerne Roͤhre an einer Saͤule hinauf zu einem Hand-Becken/ wor-
uͤber ein artig gemachter Meßings-Hahn iſt/ welcher denjenigen/ der
ſolchen umdrehet/ und nicht die rechte Weiſe weiß/ ſehr naß machet.
Ferner haben die Haupt-Gaͤnge im Garten durchgehends funffze-
hen Schuh in die Breite/ und gehet uͤm den Garten nach Oſten und
Norden ein ſchoͤner uͤbergebogener Gang/ der mit allerley Baum-
und Heck-Werck dichte bewachſen iſt. Jn dieſem Luſt-Garten hat
vor dieſem die Americaniſche Aloë zum oͤfftern gebluͤhet/ und habe
ich ſolche daſelbſt unterſchiedenemahl floriren geſehen; es iſt aber
dieſelbe nunmehro mit andern raren Gewaͤchſen nicht mehr ſo haͤuf-
fig alhier anzutreffen/ weilen dieſer Garte nicht mehr in ſolchem
Stande iſt/ indem er von der Reſidentz der Gnaͤdigſten Herrſchafft
zu weit ab-hingegen der unvergleichliche Garte zum Saltz-Thal
naͤher lieget/ doch verdienet derſelbe dieſe Stunde noch/ ſeiner raren
Fontainen und anderer Sachen wegen/ von einem Curioſo geſehen
zu werden. Sonſt iſt zu nechſt an dieſem Luſt-Garten auch ein
ziemlich groſſer Kuͤchen- und dabey ein Baum-Garte/ darinnen
die Baͤume nach der Ordnung ſtehen/ vorhanden/ und kan ein
Curioſus, nach Belieben/ von dieſen dreyen Gaͤrten ein mehrers in
Johann Royers Beſchreibung des Heſſemiſchen Gartens leſen.
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