Behrens, Georg Henning: Hercynia Curiosa, oder Curiöser Hartz-Wald. Nordhausen, 1703.von den curieusen Hölen an und auf dem Hartz. Heilige Schrifft schreibe; denn einer dieses der ander jenes davorhalten/ und doch nicht gewiß wissen würde/ ob er das rechte erwehlet habe/ wie denn auch dieserwegen Lorentz Catelan, Apotheker zu Mompelier sich fälschlich einbilde das rechte Pflöckgen getroffen zu haben/ indem er in dem 1 Capitel seines Tractats von Einhörnern/ dessen Zeillerus an letzt gedachtem Ort gedachte/ vorgebe: daß das rechte Einhorn in Jndien gefunden/ und Cardazonus oder Löwen- Horn/ seiner Stärcke und Grausamkeit halber/ genennet werde; sintemahl derselbe solches eben so wenig als vor gemeldete/ für gewiß sagen könte/ sonderlich da es ziemlich fabelhafftig heraus käme/ wenn er berichte: welcher Gestalt solches am meisten durch Jungfrauen gefangen werde/ zumahl auch ausser diesen ein grosser Glaube darzu gehöre: Ob sich alles in der That und Wahrheit also befinde/ als die Autores von denen Einhörnern geschrieben hätten. Hieraus schliessen nun diejenigen/ welche der Meinung sind/ wie das uni- cornu fossile nichts anders als ein mineralisches Erd- und Berg- Gewächs sey/ daß/ weilen der Gegen-Part vor erzehlter massen nicht wisse/ was das Einhorn eigentlich vor ein Thier sey/ hätte auch sein Lebetag keinen Knochen davon weder in Natur noch in Kupffer ge- sehen/ und gegen das unicornu fossile gehalten/ davon er doch sonst ein groß Wesen machte/ so könne er auch mit Wahrheits-Grunde nicht sagen/ daß das gegrabene Einhorn rechte Knochen von einem wahren Einhorn wären/ und wenn gleich einige hierwider einwenden wolten/ daß/ ob man schon keine gantze Sceleta oder einzelne Knochen von denen rechten Einhörnern habe/ dennoch davon schöne gantze Hörner an vornehmer Potentaten Höfen und in berühmten Städ- ten/ nemlich zu Dresden im Chur-Fürstenthum Sachsen/ S. Denis in Franckreich/ Windsor in Engelland/ Friedrichsburg in Dänne- marck/ ingleichen zu Strasburg/ Venedig und andere Oerter mehr finde/ welche höher als Gold geachtet/ und als eine grosse Rarität denen Fremden gezeiget würden/ wovon eine curieuse Person leicht ein Muster nehmen/ und mit dem gegrabenen Einhorn conferiren könne/ so solten doch dieselben wissen/ daß sie sich in ihrer Meinung grausam betrogen fänden; massen dieselbe mit denen mineralischen nicht
von den curieuſen Hoͤlen an und auf dem Hartz. Heilige Schrifft ſchreibe; denn einer dieſes der ander jenes davorhalten/ und doch nicht gewiß wiſſen wuͤrde/ ob er das rechte erwehlet habe/ wie denn auch dieſerwegen Lorentz Catelan, Apotheker zu Mompelier ſich faͤlſchlich einbilde das rechte Pfloͤckgen getroffen zu haben/ indem er in dem 1 Capitel ſeines Tractats von Einhoͤrnern/ deſſen Zeillerus an letzt gedachtem Ort gedachte/ vorgebe: daß das rechte Einhorn in Jndien gefunden/ und Cardazonus oder Loͤwen- Horn/ ſeiner Staͤrcke und Grauſamkeit halber/ genennet werde; ſintemahl derſelbe ſolches eben ſo wenig als vor gemeldete/ fuͤr gewiß ſagen koͤnte/ ſonderlich da es ziemlich fabelhafftig heraus kaͤme/ wenn er berichte: welcher Geſtalt ſolches am meiſten durch Jungfrauen gefangen werde/ zumahl auch auſſer dieſen ein groſſer Glaube darzu gehoͤre: Ob ſich alles in der That und Wahrheit alſo befinde/ als die Autores von denen Einhoͤrnern geſchrieben haͤtten. Hieraus ſchlieſſen nun diejenigen/ welche der Meinung ſind/ wie das uni- cornu fosſile nichts anders als ein mineraliſches Erd- und Berg- Gewaͤchs ſey/ daß/ weilen der Gegen-Part vor erzehlter maſſen nicht wiſſe/ was das Einhorn eigentlich vor ein Thier ſey/ haͤtte auch ſein Lebetag keinen Knochen davon weder in Natur noch in Kupffer ge- ſehen/ und gegen das unicornu fosſile gehalten/ davon er doch ſonſt ein groß Weſen machte/ ſo koͤnne er auch mit Wahrheits-Grunde nicht ſagen/ daß das gegrabene Einhorn rechte Knochen von einem wahren Einhorn waͤren/ und wenn gleich einige hierwider einwenden wolten/ daß/ ob man ſchon keine gantze Sceleta oder einzelne Knochen von denen rechten Einhoͤrnern habe/ dennoch davon ſchoͤne gantze Hoͤrner an vornehmer Potentaten Hoͤfen und in beruͤhmten Staͤd- ten/ nemlich zu Dresden im Chur-Fuͤrſtenthum Sachſen/ S. Denis in Franckreich/ Windsor in Engelland/ Friedrichsburg in Daͤnne- marck/ ingleichen zu Strasburg/ Venedig und andere Oerter mehr finde/ welche hoͤher als Gold geachtet/ und als eine groſſe Raritaͤt denen Fremden gezeiget wuͤrden/ wovon eine curieuſe Perſon leicht ein Muſter nehmen/ und mit dem gegrabenen Einhorn conferiren koͤnne/ ſo ſolten doch dieſelben wiſſen/ daß ſie ſich in ihrer Meinung grauſam betrogen faͤnden; maſſen dieſelbe mit denen mineraliſchen nicht
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von den curieuſen Hoͤlen an und auf dem Hartz.
Heilige Schrifft ſchreibe; denn einer dieſes der ander jenes davor
halten/ und doch nicht gewiß wiſſen wuͤrde/ ob er das rechte erwehlet
habe/ wie denn auch dieſerwegen Lorentz Catelan, Apotheker zu
Mompelier ſich faͤlſchlich einbilde das rechte Pfloͤckgen getroffen zu
haben/ indem er in dem 1 Capitel ſeines Tractats von Einhoͤrnern/
deſſen Zeillerus an letzt gedachtem Ort gedachte/ vorgebe: daß das
rechte Einhorn in Jndien gefunden/ und Cardazonus oder Loͤwen-
Horn/ ſeiner Staͤrcke und Grauſamkeit halber/ genennet werde;
ſintemahl derſelbe ſolches eben ſo wenig als vor gemeldete/ fuͤr gewiß
ſagen koͤnte/ ſonderlich da es ziemlich fabelhafftig heraus kaͤme/ wenn
er berichte: welcher Geſtalt ſolches am meiſten durch Jungfrauen
gefangen werde/ zumahl auch auſſer dieſen ein groſſer Glaube darzu
gehoͤre: Ob ſich alles in der That und Wahrheit alſo befinde/ als
die Autores von denen Einhoͤrnern geſchrieben haͤtten. Hieraus
ſchlieſſen nun diejenigen/ welche der Meinung ſind/ wie das uni-
cornu fosſile nichts anders als ein mineraliſches Erd- und Berg-
Gewaͤchs ſey/ daß/ weilen der Gegen-Part vor erzehlter maſſen nicht
wiſſe/ was das Einhorn eigentlich vor ein Thier ſey/ haͤtte auch ſein
Lebetag keinen Knochen davon weder in Natur noch in Kupffer ge-
ſehen/ und gegen das unicornu fosſile gehalten/ davon er doch ſonſt
ein groß Weſen machte/ ſo koͤnne er auch mit Wahrheits-Grunde
nicht ſagen/ daß das gegrabene Einhorn rechte Knochen von einem
wahren Einhorn waͤren/ und wenn gleich einige hierwider einwenden
wolten/ daß/ ob man ſchon keine gantze Sceleta oder einzelne Knochen
von denen rechten Einhoͤrnern habe/ dennoch davon ſchoͤne gantze
Hoͤrner an vornehmer Potentaten Hoͤfen und in beruͤhmten Staͤd-
ten/ nemlich zu Dresden im Chur-Fuͤrſtenthum Sachſen/ S. Denis
in Franckreich/ Windsor in Engelland/ Friedrichsburg in Daͤnne-
marck/ ingleichen zu Strasburg/ Venedig und andere Oerter mehr
finde/ welche hoͤher als Gold geachtet/ und als eine groſſe Raritaͤt
denen Fremden gezeiget wuͤrden/ wovon eine curieuſe Perſon leicht
ein Muſter nehmen/ und mit dem gegrabenen Einhorn conferiren
koͤnne/ ſo ſolten doch dieſelben wiſſen/ daß ſie ſich in ihrer Meinung
grauſam betrogen faͤnden; maſſen dieſelbe mit denen mineraliſchen
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