Bey der Beobachtung des jezt gemeldeten Unterscheides kan man aus des Ordinarii bis- herigen Schriften vielmehr, als aus irgend ei- ner neuern Erklärung, die ad hominem ge- stellet würde, gewiß, völlig und leicht er- kennen, was seine und seiner Mitarbeiter Leh- re und Lehrart sey. Wie die Gemeine aus dem, was in ihrem Mittel geredt, gesungen und geschrieben wird, sich gern im Guten be- urtheilen lässet, (sonst wäre die Publication von dem allem vergeblich:) so gilt solches auch im Gegentheil. Wornach können wir von den Alten, und die Nachkommen von uns ur- theilen, als aus den Schriften? Ich führe bey weitem nicht alle Stellen an, die angefüh- ret werden könnten, vornemlich wann sie von andern bereits angeführet worden und daher bekannt sind, wol aber so viel zur Sache nö- thig und genugsam ist. Nach diesen Liedern, Reden u. s. w. wird man die Gemeine und ih- ren Stifter auch künftighin, wann sie schon sorgfältiger an sich halten würden, so lang und so ferne zu beurtheilen haben, als sie nicht ausdrücklich das Gegentheil bekennen, und die Puncten, worin sie gefehlet haben, vollstän- dig anzeigen und GOtt zu Ehren widerruffen werden. Lasset uns nun die Lehre besehen.
Der
(Abriß der Brüderg.) B
Von desOrdinariiSchriften.
§ 21.
Bey der Beobachtung des jezt gemeldeten Unterſcheides kan man aus des Ordinarii bis- herigen Schriften vielmehr, als aus irgend ei- ner neuern Erklaͤrung, die ad hominem ge- ſtellet wuͤrde, gewiß, voͤllig und leicht er- kennen, was ſeine und ſeiner Mitarbeiter Leh- re und Lehrart ſey. Wie die Gemeine aus dem, was in ihrem Mittel geredt, geſungen und geſchrieben wird, ſich gern im Guten be- urtheilen laͤſſet, (ſonſt waͤre die Publication von dem allem vergeblich:) ſo gilt ſolches auch im Gegentheil. Wornach koͤnnen wir von den Alten, und die Nachkommen von uns ur- theilen, als aus den Schriften? Ich fuͤhre bey weitem nicht alle Stellen an, die angefuͤh- ret werden koͤnnten, vornemlich wann ſie von andern bereits angefuͤhret worden und daher bekannt ſind, wol aber ſo viel zur Sache noͤ- thig und genugſam iſt. Nach dieſen Liedern, Reden u. ſ. w. wird man die Gemeine und ih- ren Stifter auch kuͤnftighin, wann ſie ſchon ſorgfaͤltiger an ſich halten wuͤrden, ſo lang und ſo ferne zu beurtheilen haben, als ſie nicht ausdruͤcklich das Gegentheil bekennen, und die Puncten, worin ſie gefehlet haben, vollſtaͤn- dig anzeigen und GOtt zu Ehren widerruffen werden. Laſſet uns nun die Lehre beſehen.
Der
(Abriß der Bruͤderg.) B
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Von des Ordinarii Schriften.
§ 21.
Bey der Beobachtung des jezt gemeldeten
Unterſcheides kan man aus des Ordinarii bis-
herigen Schriften vielmehr, als aus irgend ei-
ner neuern Erklaͤrung, die ad hominem ge-
ſtellet wuͤrde, gewiß, voͤllig und leicht er-
kennen, was ſeine und ſeiner Mitarbeiter Leh-
re und Lehrart ſey. Wie die Gemeine aus
dem, was in ihrem Mittel geredt, geſungen
und geſchrieben wird, ſich gern im Guten be-
urtheilen laͤſſet, (ſonſt waͤre die Publication
von dem allem vergeblich:) ſo gilt ſolches auch
im Gegentheil. Wornach koͤnnen wir von
den Alten, und die Nachkommen von uns ur-
theilen, als aus den Schriften? Ich fuͤhre
bey weitem nicht alle Stellen an, die angefuͤh-
ret werden koͤnnten, vornemlich wann ſie von
andern bereits angefuͤhret worden und daher
bekannt ſind, wol aber ſo viel zur Sache noͤ-
thig und genugſam iſt. Nach dieſen Liedern,
Reden u. ſ. w. wird man die Gemeine und ih-
ren Stifter auch kuͤnftighin, wann ſie ſchon
ſorgfaͤltiger an ſich halten wuͤrden, ſo lang
und ſo ferne zu beurtheilen haben, als ſie nicht
ausdruͤcklich das Gegentheil bekennen, und die
Puncten, worin ſie gefehlet haben, vollſtaͤn-
dig anzeigen und GOtt zu Ehren widerruffen
werden. Laſſet uns nun die Lehre beſehen.
Der
(Abriß der Bruͤderg.) B
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Bengel, Johann Albrecht: Abriß der so genannten Brüdergemeine. Bd. 1. Stuttgart, 1751, S. 17. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/bengel_abriss01_1751/37>, abgerufen am 25.09.2024.
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