Bierbaum, Otto Julius: Stilpe. Ein Roman aus der Froschperspektive. Berlin, 1897.Stilpe. -- Irgend was: Schreiber, Kopist, Sekretair, Girlinger schwieg eine Weile. Dann meinte er: -- Hast Du denn Geld zur Reise? Stilpe, langsam: -- Ja. -- Wieviel denn? -- Weiß ich noch nicht. -- Ach so . . . Ich habe hundertunddreiund¬ -- Was? Hundertunddreiundfünfzig! Das ist -- Das ist viel zu wenig. Ich habe gedacht, -- Ja, woher denn? -- Das ist einerlei. Girlinger sagte das etwas im Tone des ent¬ -- Nein, soviel kann ich nicht . . bekommen. -- Was denkst Du denn, was die Reise kostet? -- Ich laufe natürlich. -- Da werden sie Dich bald einhaben. -- Ich werde sie auf eine falsche Spur locken. Stilpe. — Irgend was: Schreiber, Kopiſt, Sekretair, Girlinger ſchwieg eine Weile. Dann meinte er: — Haſt Du denn Geld zur Reiſe? Stilpe, langſam: — Ja. — Wieviel denn? — Weiß ich noch nicht. — Ach ſo . . . Ich habe hundertunddreiund¬ — Was? Hundertunddreiundfünfzig! Das iſt — Das iſt viel zu wenig. Ich habe gedacht, — Ja, woher denn? — Das iſt einerlei. Girlinger ſagte das etwas im Tone des ent¬ — Nein, ſoviel kann ich nicht . . bekommen. — Was denkſt Du denn, was die Reiſe koſtet? — Ich laufe natürlich. — Da werden ſie Dich bald einhaben. — Ich werde ſie auf eine falſche Spur locken. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <pb facs="#f0142" n="128"/> <fw place="top" type="header">Stilpe.<lb/></fw> <p>— Irgend was: Schreiber, Kopiſt, Sekretair,<lb/> irgend ſo was!</p><lb/> <p>Girlinger ſchwieg eine Weile. Dann meinte er:</p><lb/> <p>— Haſt Du denn Geld zur Reiſe?</p><lb/> <p>Stilpe, langſam:</p><lb/> <p>— Ja.</p><lb/> <p>— Wieviel denn?</p><lb/> <p>— Weiß ich noch nicht.</p><lb/> <p>— Ach ſo . . . Ich habe hundertunddreiund¬<lb/> fünfzig Mark.</p><lb/> <p>— Was? Hundertunddreiundfünfzig! Das iſt<lb/> ja koloſſal!</p><lb/> <p>— Das iſt viel zu wenig. Ich habe gedacht,<lb/> Du würdeſt mindeſtens tauſend haben.</p><lb/> <p>— Ja, woher denn?</p><lb/> <p>— Das iſt einerlei.</p><lb/> <p>Girlinger ſagte das etwas im Tone des ent¬<lb/> ſchloſſenen Böſewichts der Bühne, dumpf, tremolo.</p><lb/> <p>— Nein, ſoviel kann ich nicht . . bekommen.</p><lb/> <p>— Was denkſt Du denn, was die Reiſe koſtet?</p><lb/> <p>— Ich laufe natürlich.</p><lb/> <p>— Da werden ſie Dich bald einhaben.</p><lb/> <p>— Ich werde ſie auf eine falſche Spur locken.<lb/> Natürlich denken ſie Alle: Amerika. Übrigens:<lb/> Du willſt doch nicht etwa nach Amerika?</p><lb/> </div> </div> </body> </text> </TEI> [128/0142]
Stilpe.
— Irgend was: Schreiber, Kopiſt, Sekretair,
irgend ſo was!
Girlinger ſchwieg eine Weile. Dann meinte er:
— Haſt Du denn Geld zur Reiſe?
Stilpe, langſam:
— Ja.
— Wieviel denn?
— Weiß ich noch nicht.
— Ach ſo . . . Ich habe hundertunddreiund¬
fünfzig Mark.
— Was? Hundertunddreiundfünfzig! Das iſt
ja koloſſal!
— Das iſt viel zu wenig. Ich habe gedacht,
Du würdeſt mindeſtens tauſend haben.
— Ja, woher denn?
— Das iſt einerlei.
Girlinger ſagte das etwas im Tone des ent¬
ſchloſſenen Böſewichts der Bühne, dumpf, tremolo.
— Nein, ſoviel kann ich nicht . . bekommen.
— Was denkſt Du denn, was die Reiſe koſtet?
— Ich laufe natürlich.
— Da werden ſie Dich bald einhaben.
— Ich werde ſie auf eine falſche Spur locken.
Natürlich denken ſie Alle: Amerika. Übrigens:
Du willſt doch nicht etwa nach Amerika?
Suche im WerkInformationen zum Werk
Download dieses Werks
XML (TEI P5) ·
HTML ·
Text Metadaten zum WerkTEI-Header · CMDI · Dublin Core Ansichten dieser Seite
Voyant Tools
|
| URL zu diesem Werk: | https://www.deutschestextarchiv.de/bierbaum_stilpe_1897 |
| URL zu dieser Seite: | https://www.deutschestextarchiv.de/bierbaum_stilpe_1897/142 |
| Zitationshilfe: | Bierbaum, Otto Julius: Stilpe. Ein Roman aus der Froschperspektive. Berlin, 1897, S. 128. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/bierbaum_stilpe_1897/142>, abgerufen am 10.08.2024. |


