Bierbaum, Otto Julius: Stilpe. Ein Roman aus der Froschperspektive. Berlin, 1897.Stilpe. Hier (er sah sich nach allen Seiten um) sind zweiKragen. Ich muß jeden Tag einzeln was bringen. Wenn ich nur wüßte, wie ichs mit dem Anzug mache. Ich kann doch nicht mit ein paar Hosen überm Arm in die Schule gehn. -- Zieh den Mantel an und nimm sie untern -- Nein, nein, ich werde schon Alles selber [Abbildung]
Während so bei Girlinger die Schwierigkeiten So viel war sicher: Die Ladenkasse reichte nicht. Also denn erstmal alles verkaufen, was in Geschah. Von Büchern entgingen nur Börnes Stilpe. Hier (er ſah ſich nach allen Seiten um) ſind zweiKragen. Ich muß jeden Tag einzeln was bringen. Wenn ich nur wüßte, wie ichs mit dem Anzug mache. Ich kann doch nicht mit ein paar Hoſen überm Arm in die Schule gehn. — Zieh den Mantel an und nimm ſie untern — Nein, nein, ich werde ſchon Alles ſelber [Abbildung]
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Stilpe.
Hier (er ſah ſich nach allen Seiten um) ſind zwei
Kragen. Ich muß jeden Tag einzeln was bringen.
Wenn ich nur wüßte, wie ichs mit dem Anzug
mache. Ich kann doch nicht mit ein paar Hoſen
überm Arm in die Schule gehn.
— Zieh den Mantel an und nimm ſie untern
Mantel! Oder, halt: Ich komme und hole ſie!
— Nein, nein, ich werde ſchon Alles ſelber
bringen.
[Abbildung]
Während ſo bei Girlinger die Schwierigkeiten
mehr ins Einzelne gingen, hatte Stilpe nur ein
großes Problem zu bewältigen: Das Geld.
So viel war ſicher: Die Ladenkaſſe reichte nicht.
Man konnte ſie höchſtens mit fünfzig Mark anſetzen.
Alſo denn erſtmal alles verkaufen, was in
Griechenland überflüſſig war an Kleidern, Wäſche,
Büchern.
Geſchah. Von Büchern entgingen nur Börnes
Werke, Tannhäuſer in Rom und Byrons Don
Juan dem Deklamator. Aber Alles in Allem
kamen nur vierzig Mark heraus.
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| Zitationshilfe: | Bierbaum, Otto Julius: Stilpe. Ein Roman aus der Froschperspektive. Berlin, 1897, S. 134. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/bierbaum_stilpe_1897/148>, abgerufen am 10.08.2024. |


