Bierbaum, Otto Julius: Stilpe. Ein Roman aus der Froschperspektive. Berlin, 1897.Viertes Buch, zweites Kapitel. Zunge. Als Dichter pflegte er das Gebiet desUndruckbaren mit anerkannter feiner Meisterschaft. Und: Einen sachkundigeren Cirkuskritiker als ihn gab es nicht. Als Gesellschafter war er unter den Vieren weitaus der angenehmste, denn er war von einer entzückenden echten Liebenswürdigkeit, voller Geist und Laune. Nur mußte man früh um fünf Uhr nicht schon nach Hause gehen wollen. Doch trat dieser Wunsch unter den Eigentlichen nie auf. -- Es kann eine ganze nette Zeitschrift geben Hollah! Ein neuer Tric. Ein unöffentliches Er war Feuer und Flamme dafür und ent¬ Köstlich sahen der Bärenführer und der Peri¬ Viertes Buch, zweites Kapitel. Zunge. Als Dichter pflegte er das Gebiet desUndruckbaren mit anerkannter feiner Meiſterſchaft. Und: Einen ſachkundigeren Cirkuskritiker als ihn gab es nicht. Als Geſellſchafter war er unter den Vieren weitaus der angenehmſte, denn er war von einer entzückenden echten Liebenswürdigkeit, voller Geiſt und Laune. Nur mußte man früh um fünf Uhr nicht ſchon nach Hauſe gehen wollen. Doch trat dieſer Wunſch unter den Eigentlichen nie auf. — Es kann eine ganze nette Zeitſchrift geben Hollah! Ein neuer Tric. Ein unöffentliches Er war Feuer und Flamme dafür und ent¬ Köſtlich ſahen der Bärenführer und der Peri¬ <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <p><pb facs="#f0349" n="335"/><fw place="top" type="header">Viertes Buch, zweites Kapitel.<lb/></fw> Zunge. Als Dichter pflegte er das Gebiet des<lb/> Undruckbaren mit anerkannter feiner Meiſterſchaft.<lb/> Und: Einen ſachkundigeren Cirkuskritiker als ihn<lb/> gab es nicht. Als Geſellſchafter war er unter den<lb/> Vieren weitaus der angenehmſte, denn er war von<lb/> einer entzückenden echten Liebenswürdigkeit, voller<lb/> Geiſt und Laune. Nur mußte man früh um fünf<lb/> Uhr nicht ſchon nach Hauſe gehen wollen. Doch<lb/> trat dieſer Wunſch unter den Eigentlichen nie auf.</p><lb/> <p>— Es kann eine ganze nette Zeitſchrift geben<lb/> mit den Vieren, dachte ſich Stilpe, aber es iſt mir<lb/> unklar, ob irgend eine Nummer davon unverboten<lb/> bleiben wird. Man wird ſie als Brief verſenden<lb/> müſſen und von vornherein darauf ſchreiben: Nicht<lb/> für die Öffentlichkeit.</p><lb/> <p>Hollah! Ein neuer Tric. Ein unöffentliches<lb/> Blatt! Das iſt eine unbezahlbare Idee!</p><lb/> <p>Er war Feuer und Flamme dafür und ent¬<lb/> wickelte ſie ſofort mit Leidenſchaft, als die Viere<lb/> bei einander waren.</p><lb/> <p>Köſtlich ſahen der Bärenführer und der Peri¬<lb/> pathetiker aus, die Stilpes abgelegte Kleider aus<lb/> ſeiner Kritikerzeit anhatten. Er ſelber trug ſich<lb/> wieder mit einem Stich ins Salopp-künſtleriſche.<lb/> Die eleganten Koſtüme aus dem engliſchen Atelier<lb/></p> </div> </div> </body> </text> </TEI> [335/0349]
Viertes Buch, zweites Kapitel.
Zunge. Als Dichter pflegte er das Gebiet des
Undruckbaren mit anerkannter feiner Meiſterſchaft.
Und: Einen ſachkundigeren Cirkuskritiker als ihn
gab es nicht. Als Geſellſchafter war er unter den
Vieren weitaus der angenehmſte, denn er war von
einer entzückenden echten Liebenswürdigkeit, voller
Geiſt und Laune. Nur mußte man früh um fünf
Uhr nicht ſchon nach Hauſe gehen wollen. Doch
trat dieſer Wunſch unter den Eigentlichen nie auf.
— Es kann eine ganze nette Zeitſchrift geben
mit den Vieren, dachte ſich Stilpe, aber es iſt mir
unklar, ob irgend eine Nummer davon unverboten
bleiben wird. Man wird ſie als Brief verſenden
müſſen und von vornherein darauf ſchreiben: Nicht
für die Öffentlichkeit.
Hollah! Ein neuer Tric. Ein unöffentliches
Blatt! Das iſt eine unbezahlbare Idee!
Er war Feuer und Flamme dafür und ent¬
wickelte ſie ſofort mit Leidenſchaft, als die Viere
bei einander waren.
Köſtlich ſahen der Bärenführer und der Peri¬
pathetiker aus, die Stilpes abgelegte Kleider aus
ſeiner Kritikerzeit anhatten. Er ſelber trug ſich
wieder mit einem Stich ins Salopp-künſtleriſche.
Die eleganten Koſtüme aus dem engliſchen Atelier
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| Zitationshilfe: | Bierbaum, Otto Julius: Stilpe. Ein Roman aus der Froschperspektive. Berlin, 1897, S. 335. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/bierbaum_stilpe_1897/349>, abgerufen am 10.08.2024. |


