reich an Aufregungen im Institute, aber just Willibald wurde nicht davon betroffen.
Fliczek wußte offenbar nicht, von wem er ge¬ prügelt worden war. Er war sehr niedergeschlagen und blaß, die einzige Farbe in seinem Gesicht war ein blauer Fleck unterm rechten Auge; er ließ den Kopf hängen und schien es nicht zu wagen, aufzu¬ blicken.
Willibald merkte sofort, wie es stand, und es kitzelte ihn, den gehaßten Böhmen zu reizen.
-- Du, was hast Du denn da für einen Fleck im Gesichte?
-- Was Dich nix angeht, Strunk dummer.
-- Bist wohl hingeplautzt bei Buschkleppern gestern?
-- Halt'n Rand, Strunk, oder ich . . .
-- Na, was denn? Wenn ich doch blos fra¬ ge. . . Überhaupt: Warum bist Du denn so gerannt?
-- Hast Du mich gesehn, Stilpe? Wo hast Du mich denn gesehen?
-- Nu, Du bist ja im Hofe an mir vorbeige¬ rannt, wie besessen.
Das war kühn kombiniert von Jung-Willibald. Wenn nun Fliczek gar nicht über den Hof gerannt wäre? Aber er hatte richtig kombiniert.
Erſtes Buch, ſechſtes Kapitel.
reich an Aufregungen im Inſtitute, aber juſt Willibald wurde nicht davon betroffen.
Fliczek wußte offenbar nicht, von wem er ge¬ prügelt worden war. Er war ſehr niedergeſchlagen und blaß, die einzige Farbe in ſeinem Geſicht war ein blauer Fleck unterm rechten Auge; er ließ den Kopf hängen und ſchien es nicht zu wagen, aufzu¬ blicken.
Willibald merkte ſofort, wie es ſtand, und es kitzelte ihn, den gehaßten Böhmen zu reizen.
— Du, was haſt Du denn da für einen Fleck im Geſichte?
— Was Dich nix angeht, Strunk dummer.
— Biſt wohl hingeplautzt bei Buſchkleppern geſtern?
— Halt'n Rand, Strunk, oder ich . . .
— Na, was denn? Wenn ich doch blos fra¬ ge. . . Überhaupt: Warum biſt Du denn ſo gerannt?
— Haſt Du mich geſehn, Stilpe? Wo haſt Du mich denn geſehen?
— Nu, Du biſt ja im Hofe an mir vorbeige¬ rannt, wie beſeſſen.
Das war kühn kombiniert von Jung-Willibald. Wenn nun Fliczek gar nicht über den Hof gerannt wäre? Aber er hatte richtig kombiniert.
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[59/0073]
Erſtes Buch, ſechſtes Kapitel.
reich an Aufregungen im Inſtitute, aber juſt
Willibald wurde nicht davon betroffen.
Fliczek wußte offenbar nicht, von wem er ge¬
prügelt worden war. Er war ſehr niedergeſchlagen
und blaß, die einzige Farbe in ſeinem Geſicht war
ein blauer Fleck unterm rechten Auge; er ließ den
Kopf hängen und ſchien es nicht zu wagen, aufzu¬
blicken.
Willibald merkte ſofort, wie es ſtand, und es
kitzelte ihn, den gehaßten Böhmen zu reizen.
— Du, was haſt Du denn da für einen Fleck
im Geſichte?
— Was Dich nix angeht, Strunk dummer.
— Biſt wohl hingeplautzt bei Buſchkleppern
geſtern?
— Halt'n Rand, Strunk, oder ich . . .
— Na, was denn? Wenn ich doch blos fra¬
ge. . . Überhaupt: Warum biſt Du denn ſo gerannt?
— Haſt Du mich geſehn, Stilpe? Wo haſt
Du mich denn geſehen?
— Nu, Du biſt ja im Hofe an mir vorbeige¬
rannt, wie beſeſſen.
Das war kühn kombiniert von Jung-Willibald.
Wenn nun Fliczek gar nicht über den Hof gerannt
wäre? Aber er hatte richtig kombiniert.
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Bierbaum, Otto Julius: Stilpe. Ein Roman aus der Froschperspektive. Berlin, 1897, S. 59. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/bierbaum_stilpe_1897/73>, abgerufen am 10.08.2024.
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