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Birken, Sigmund von: Die Fried-erfreuete Teutonje. Nürnberg, 1652.

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mit Stand- und Stammeshoheit verschwestert/ viel zu tieff
in die Hertzen der Nachgeblibenen gepflanzet/ als daß durch
einigen Todtesschnidt/ der sie in die Unsterblichkeit versetzet/
dero Nachruhm in dieser Sterblichkeit solte sterblich ge-
macht werden: welcher durch die ewige Hände deß Lobge-
ruchtes in die Gedächtnisse gepflanzet/ und mit den Threnen
der jhrigen begossen/ mit den Zeiten und Jahren in die wette
grünen/ und der Nachkommenheit zu untadelichem Tu-
gendspiegel vor gestellet werden würde.

46.

Diese vnd andere Trostbrunnlein/ in die brennende
Angst jhrer Schmerzen nach und nach eingeträuflet/ lösche-
ten endlich aus die Hitz derselben/ und macheten/ daß sie sich
in etwas zu frieden gabe. Gleiche Mühe hatte man zu Vin-
debon
/ dem höchstbetrübten Adlerprinzen/ dessen Hertz/
nach dem sein halbes Theil also davon gerissen worden/ un-
aufhörlich blutete/ einen Trost beyzubringen. Es flossen da
und dort viel schöne Klaglieder zu Papyr/ weil das allge-
meine Leid von nichts anders wolte reden lassen. Floridan
der Schäfer/ machete sich auch daran/ auf Befehl der Prin-
zessin/ und ware diß seine traurige Schäferlust/ daß er sotha-
nen hochseligsten Todshintritt mit folgendem Klagggesang
begrabmahlete.

DEn unverhofften Schmertz/ O Keiser/ dein Betrüben
hat mit betrübtem Trieb die Feder aufgeschrieben/
die jhren Fittich schwung/ zu fliegen in dein Lob/
und jetzt von deinem Leid muß leisten eine Prob
der ädlen Poesy. Sie/ deiner Sinnen Sonne/
weil sie verbliechen ist/ lässt wohnen keine Wonne
in meinem schwachen Kiel. Ich habe mich erkühnt
zu grüssen deinen Thron/ der langst sich aufgebühnt
und dantzet mit dem Dantz der liechten Silbersternen.
Ein ander kluger Geist mag deine Thaten lernen
und zeichnen in ein Buch/ das mit der Ewigkeit
nur in die Wette lebt/ und weiß von keiner Zeit.
Ich
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mit Stand- und Stammeshoheit verſchweſtert/ viel zu tieff
in die Hertzen der Nachgeblibenen gepflanzet/ als daß durch
einigen Todtesſchnidt/ der ſie in die Unſterblichkeit verſetzet/
dero Nachruhm in dieſer Sterblichkeit ſolte ſterblich ge-
macht werden: welcher durch die ewige Haͤnde deß Lobge-
růchtes in die Gedaͤchtniſſe gepflanzet/ und mit den Threnen
der jhrigen begoſſen/ mit den Zeiten und Jahren in die wette
gruͤnen/ und der Nachkommenheit zu untadelichem Tu-
gendſpiegel vor geſtellet werden wuͤrde.

46.

Dieſe vnd andere Troſtbrůnnlein/ in die brennende
Angſt jhrer Schmerzen nach und nach eingetraͤuflet/ loͤſche-
ten endlich aus die Hitz derſelben/ und macheten/ daß ſie ſich
in etwas zu frieden gabe. Gleiche Mühe hatte man zu Vin-
debon
/ dem hoͤchſtbetruͤbten Adlerprinzen/ deſſen Hertz/
nach dem ſein halbes Theil alſo davon geriſſen worden/ un-
aufhoͤrlich blutete/ einen Troſt beyzubringen. Es floſſen da
und dort viel ſchoͤne Klaglieder zu Papyr/ weil das allge-
meine Leid von nichts anders wolte reden laſſen. Floridan
der Schaͤfer/ machete ſich auch daran/ auf Befehl der Prin-
zeſſin/ und ware diß ſeine traurige Schaͤferluſt/ daß er ſotha-
nen hochſeligſten Todshintritt mit folgendem Klagggeſang
begrabmahlete.

DEn unverhofften Schmertz/ O Keiſer/ dein Betruͤben
hat mit betruͤbtem Trieb die Feder aufgeſchrieben/
die jhren Fittich ſchwung/ zu fliegen in dein Lob/
und jetzt von deinem Leid muß leiſten eine Prob
der aͤdlen Poeſy. Sie/ deiner Sinnen Sonne/
weil ſie verbliechen iſt/ laͤſſt wohnen keine Wonne
in meinem ſchwachen Kiel. Ich habe mich erkuͤhnt
zu gruͤſſen deinen Thron/ der langſt ſich aufgebuͤhnt
und dantzet mit dem Dantz der liechten Silberſternen.
Ein ander kluger Geiſt mag deine Thaten lernen
und zeichnen in ein Buch/ das mit der Ewigkeit
nur in die Wette lebt/ und weiß von keiner Zeit.
Ich
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[35/0085] mit Stand- und Stammeshoheit verſchweſtert/ viel zu tieff in die Hertzen der Nachgeblibenen gepflanzet/ als daß durch einigen Todtesſchnidt/ der ſie in die Unſterblichkeit verſetzet/ dero Nachruhm in dieſer Sterblichkeit ſolte ſterblich ge- macht werden: welcher durch die ewige Haͤnde deß Lobge- růchtes in die Gedaͤchtniſſe gepflanzet/ und mit den Threnen der jhrigen begoſſen/ mit den Zeiten und Jahren in die wette gruͤnen/ und der Nachkommenheit zu untadelichem Tu- gendſpiegel vor geſtellet werden wuͤrde. 46. Dieſe vnd andere Troſtbrůnnlein/ in die brennende Angſt jhrer Schmerzen nach und nach eingetraͤuflet/ loͤſche- ten endlich aus die Hitz derſelben/ und macheten/ daß ſie ſich in etwas zu frieden gabe. Gleiche Mühe hatte man zu Vin- debon/ dem hoͤchſtbetruͤbten Adlerprinzen/ deſſen Hertz/ nach dem ſein halbes Theil alſo davon geriſſen worden/ un- aufhoͤrlich blutete/ einen Troſt beyzubringen. Es floſſen da und dort viel ſchoͤne Klaglieder zu Papyr/ weil das allge- meine Leid von nichts anders wolte reden laſſen. Floridan der Schaͤfer/ machete ſich auch daran/ auf Befehl der Prin- zeſſin/ und ware diß ſeine traurige Schaͤferluſt/ daß er ſotha- nen hochſeligſten Todshintritt mit folgendem Klagggeſang begrabmahlete. DEn unverhofften Schmertz/ O Keiſer/ dein Betruͤben hat mit betruͤbtem Trieb die Feder aufgeſchrieben/ die jhren Fittich ſchwung/ zu fliegen in dein Lob/ und jetzt von deinem Leid muß leiſten eine Prob der aͤdlen Poeſy. Sie/ deiner Sinnen Sonne/ weil ſie verbliechen iſt/ laͤſſt wohnen keine Wonne in meinem ſchwachen Kiel. Ich habe mich erkuͤhnt zu gruͤſſen deinen Thron/ der langſt ſich aufgebuͤhnt und dantzet mit dem Dantz der liechten Silberſternen. Ein ander kluger Geiſt mag deine Thaten lernen und zeichnen in ein Buch/ das mit der Ewigkeit nur in die Wette lebt/ und weiß von keiner Zeit. Ich F 2

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Zitationshilfe: Birken, Sigmund von: Die Fried-erfreuete Teutonje. Nürnberg, 1652, S. 35. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/birken_friedensvergleich_1652/85>, abgerufen am 23.04.2021.