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Blumenbach, Johann Friedrich: Geschichte und Beschreibung der Knochen des menschlichen Körpers. 2. Aufl. Göttingen, 1807.

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Vier und zwanzigster Abschnitt.
Von den Zähnen.
§. 178.

Ohngeachtet es, wie schon Galenusa)
erinnert, eine bloße Spitzfindigkeit seyn würde,
wenn man die Zähneb) gar nicht zu den

a) De ossib. ad tyrones p. 13. sq.
b) Bloß den rothblütigen Thieren kann man wahre
Zähne zugestehen. Was bey den Insecten und
Würmern so genannt wird, ist ganz von der Sub-
stanz würklicher Zähne verschieden.Unter den rothblütigen fällt ferner die ganze
Classe der Vögel aus, als welche sämmtlich ohne
alle Ausnahme zahnlos sind.Und selbst unter den übrigen drey Classen,
nämlich unter den warmblütigen Säugethieren
und unter den kaltblütigen Amphibien und Fischen
giebt es doch auch noch zahlreiche Ausnahmen
von ungezähnten Geschlechtern. - Denn Haller's
Aeußerung (elem. physiol. vol. VI. p. 19.) als
ob alle warmblütige vierfüßige Thiere mit Zähnen
versehen wären, leidet beträchtliche Ausnahmen;
da bekanntlich die Ameisenbären und die Formo-
sanischen Schuppenthiere (manis) keine Zähne
haben; eben so wenig als die eigentlichen Wallfische.Und so halte ich auch das wundersame Schna-
belthier von Botanybay für zahnlos, von dessen
ganz anomalischen Kauorganen, (die weder sub-
stantia vitrea
noch ossea, weder Wurzeln noch
Alveolen haben und die Hr. Home dem allem
ohngeachtet für Zähne ausgegeben, und dennoch
selbst ihre Structur mit der von der innern Haut
des Hühnermagens vergleicht), ich in Voigt's
neuen Magazin IV. B. S. 719 u. f. gehandelt habe.
Vier und zwanzigster Abschnitt.
Von den Zähnen.
§. 178.

Ohngeachtet es, wie schon Galenusa)
erinnert, eine bloße Spitzfindigkeit seyn würde,
wenn man die Zähneb) gar nicht zu den

a) De ossib. ad tyrones p. 13. sq.
b) Bloß den rothblütigen Thieren kann man wahre
Zähne zugestehen. Was bey den Insecten und
Würmern so genannt wird, ist ganz von der Sub-
stanz würklicher Zähne verschieden.Unter den rothblütigen fällt ferner die ganze
Classe der Vögel aus, als welche sämmtlich ohne
alle Ausnahme zahnlos sind.Und selbst unter den übrigen drey Classen,
nämlich unter den warmblütigen Säugethieren
und unter den kaltblütigen Amphibien und Fischen
giebt es doch auch noch zahlreiche Ausnahmen
von ungezähnten Geschlechtern. – Denn Haller's
Aeußerung (elem. physiol. vol. VI. p. 19.) als
ob alle warmblütige vierfüßige Thiere mit Zähnen
versehen wären, leidet beträchtliche Ausnahmen;
da bekanntlich die Ameisenbären und die Formo-
sanischen Schuppenthiere (manis) keine Zähne
haben; eben so wenig als die eigentlichen Wallfische.Und so halte ich auch das wundersame Schna-
belthier von Botanybay für zahnlos, von dessen
ganz anomalischen Kauorganen, (die weder sub-
stantia vitrea
noch ossea, weder Wurzeln noch
Alveolen haben und die Hr. Home dem allem
ohngeachtet für Zähne ausgegeben, und dennoch
selbst ihre Structur mit der von der innern Haut
des Hühnermagens vergleicht), ich in Voigt's
neuen Magazin IV. B. S. 719 u. f. gehandelt habe.
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[253/0279] Vier und zwanzigster Abschnitt. Von den Zähnen. §. 178. Ohngeachtet es, wie schon Galenus a) erinnert, eine bloße Spitzfindigkeit seyn würde, wenn man die Zähne b) gar nicht zu den a) De ossib. ad tyrones p. 13. sq. b) Bloß den rothblütigen Thieren kann man wahre Zähne zugestehen. Was bey den Insecten und Würmern so genannt wird, ist ganz von der Sub- stanz würklicher Zähne verschieden. Unter den rothblütigen fällt ferner die ganze Classe der Vögel aus, als welche sämmtlich ohne alle Ausnahme zahnlos sind. Und selbst unter den übrigen drey Classen, nämlich unter den warmblütigen Säugethieren und unter den kaltblütigen Amphibien und Fischen giebt es doch auch noch zahlreiche Ausnahmen von ungezähnten Geschlechtern. – Denn Haller's Aeußerung (elem. physiol. vol. VI. p. 19.) als ob alle warmblütige vierfüßige Thiere mit Zähnen versehen wären, leidet beträchtliche Ausnahmen; da bekanntlich die Ameisenbären und die Formo- sanischen Schuppenthiere (manis) keine Zähne haben; eben so wenig als die eigentlichen Wallfische. Und so halte ich auch das wundersame Schna- belthier von Botanybay für zahnlos, von dessen ganz anomalischen Kauorganen, (die weder sub- stantia vitrea noch ossea, weder Wurzeln noch Alveolen haben und die Hr. Home dem allem ohngeachtet für Zähne ausgegeben, und dennoch selbst ihre Structur mit der von der innern Haut des Hühnermagens vergleicht), ich in Voigt's neuen Magazin IV. B. S. 719 u. f. gehandelt habe.

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Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Geschichte und Beschreibung der Knochen des menschlichen Körpers. 2. Aufl. Göttingen, 1807, S. 253. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_knochen_1807/279>, abgerufen am 24.02.2021.