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Blumenbach, Johann Friedrich: Geschichte und Beschreibung der Knochen des menschlichen Körpers. 2. Aufl. Göttingen, 1807.

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u. s. w. gesagt worden: doch müssen hier noch
einige genauere Untersuchungen darüber nachge-
holt werden.

§. 62.

Ihre Grundlage bleibt immer ein schwam-
michtes Schleimgewebeb), dessen Zwischen-
räume vor ihrer Verknöcherung mit einer bloßen
Knorpel-Gallerte, nachher aber mit dem erstarr-
ten kalkerdichten Knochensafte (§. 11.) gefüllt
sind. Dieses Gewebe zeigt sich am augenschein-
lichsten, wenn man Knochen eine Zeit lang in
verdünnten mineralischen, oder in concentrirten
vegetabilischen Säuren eingeweicht hat, da
dann die in selbigen vertheilte Kalkerde allge-
mach aufgelößt, und das Gewebe im gleichen
Verhältniß erweicht und dadurch sichtbar ge-
macht wird. - Dann auch durch die Versuche

b) Das Schleimgewebe der Knochen zeigt sich auch durch
die diesem allgemeinen Grundstoff des thierischen
Körpers beywohnende Lebenskraft, die Contracti-
lität (institut. physiolog. p. 48.) wodurch sich
z. B. die Zellen der ausgerißnen Zähne in Kurzem
schließen. So ist z. B. an zwey Schädeln von
jungen Neuholländern in meiner Sammlung (Dec.
cranior
. III. tab. XXVII. und Dec. IV. tab. XL.)
der alveolus des einen mittlern Schneidezahns
der obern Kinnlade der bekanntlich diesen Wilden
in ihrer Jugend asgeschlagen wird, so gleichför-
mig geschlossen als wenn er aus Wachs gewesen
und von vorn nach hinten zusammengedruckt wor-
den wäre.

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u. s. w. gesagt worden: doch müssen hier noch
einige genauere Untersuchungen darüber nachge-
holt werden.

§. 62.

Ihre Grundlage bleibt immer ein schwam-
michtes Schleimgewebeb), dessen Zwischen-
räume vor ihrer Verknöcherung mit einer bloßen
Knorpel-Gallerte, nachher aber mit dem erstarr-
ten kalkerdichten Knochensafte (§. 11.) gefüllt
sind. Dieses Gewebe zeigt sich am augenschein-
lichsten, wenn man Knochen eine Zeit lang in
verdünnten mineralischen, oder in concentrirten
vegetabilischen Säuren eingeweicht hat, da
dann die in selbigen vertheilte Kalkerde allge-
mach aufgelößt, und das Gewebe im gleichen
Verhältniß erweicht und dadurch sichtbar ge-
macht wird. – Dann auch durch die Versuche

b) Das Schleimgewebe der Knochen zeigt sich auch durch
die diesem allgemeinen Grundstoff des thierischen
Körpers beywohnende Lebenskraft, die Contracti-
lität (institut. physiolog. p. 48.) wodurch sich
z. B. die Zellen der ausgerißnen Zähne in Kurzem
schließen. So ist z. B. an zwey Schädeln von
jungen Neuholländern in meiner Sammlung (Dec.
cranior
. III. tab. XXVII. und Dec. IV. tab. XL.)
der alveolus des einen mittlern Schneidezahns
der obern Kinnlade der bekanntlich diesen Wilden
in ihrer Jugend asgeschlagen wird, so gleichför-
mig geschlossen als wenn er aus Wachs gewesen
und von vorn nach hinten zusammengedruckt wor-
den wäre.
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[48/0074] vorigen Abschnitten über ihre Entstehung u. s. w. gesagt worden: doch müssen hier noch einige genauere Untersuchungen darüber nachge- holt werden. §. 62. Ihre Grundlage bleibt immer ein schwam- michtes Schleimgewebe b), dessen Zwischen- räume vor ihrer Verknöcherung mit einer bloßen Knorpel-Gallerte, nachher aber mit dem erstarr- ten kalkerdichten Knochensafte (§. 11.) gefüllt sind. Dieses Gewebe zeigt sich am augenschein- lichsten, wenn man Knochen eine Zeit lang in verdünnten mineralischen, oder in concentrirten vegetabilischen Säuren eingeweicht hat, da dann die in selbigen vertheilte Kalkerde allge- mach aufgelößt, und das Gewebe im gleichen Verhältniß erweicht und dadurch sichtbar ge- macht wird. – Dann auch durch die Versuche b) Das Schleimgewebe der Knochen zeigt sich auch durch die diesem allgemeinen Grundstoff des thierischen Körpers beywohnende Lebenskraft, die Contracti- lität (institut. physiolog. p. 48.) wodurch sich z. B. die Zellen der ausgerißnen Zähne in Kurzem schließen. So ist z. B. an zwey Schädeln von jungen Neuholländern in meiner Sammlung (Dec. cranior. III. tab. XXVII. und Dec. IV. tab. XL.) der alveolus des einen mittlern Schneidezahns der obern Kinnlade der bekanntlich diesen Wilden in ihrer Jugend asgeschlagen wird, so gleichför- mig geschlossen als wenn er aus Wachs gewesen und von vorn nach hinten zusammengedruckt wor- den wäre.

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Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Geschichte und Beschreibung der Knochen des menschlichen Körpers. 2. Aufl. Göttingen, 1807, S. 48. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_knochen_1807/74>, abgerufen am 23.04.2021.