chen Verhältnisse der Geburtstheile, welche für die Sexus von einer und derselben Species genau abge- messen sind, nicht so aber für entferntere; 2) wider- streiten dieser Meinung die besondern Gesetze, nach welchen sich die Bildung der Jungen und die be- stimmte Zeit von Schwangerschaft bey jeder Thier- gattung richten. Die zweyte Frage verneint er übri- gens nicht, indem es hinlänglich bekannt ist, daß sehr nahe verwandte Thiergattungen, wie z. B. Maulesel und Stute wirklich Junge erzeugen, und giebt auch nur die dritte unter dieser Bedingung zu. Daß aber Bastarde von Begattung der Thiere ganz verschiedner Ordnungen entstanden seyn sollen, läug- net er gänzlich, wobey er unter andern auführt, daß z. B. an eine Bastarderzeugung aus Begattung von Affen und Menschen nicht zu denken sey, weil ja selbst die Reisebeschreiber, welche von derselben erzählen, sagen, daß die Weiber unter den viehischen Umfassungen dieser Liebhaber elendiglich umgekom- men seyen. S. Text S. 82. Not. 17. Man vergl. hiermit Zimmermann geographische Geschichte des Menschen Bd. 1. S. 130. fgg.
S. 142. sagt Herr Hofrath Zimmermann in der angeführten Stelle: "Wenn ich drey Arten wilder "Thiere finde, welche, dem Aeußern nach, dem "Hunde sehr gleich kommen, ferner einen gleichen "Grad der Zähmung anzunehmen fähig sind, endlich "sich sogar mit ihnen fortpflanzen und fruchtbare "Junge zeugen: was hält mich denn ab, den Hund "von diesen entsprungen zu glauben?"
Diese Stelle hat mich auf den Gedanken ge- bracht, daß man vielleicht diese ganze Streitfrage
durch
chen Verhaͤltniſſe der Geburtstheile, welche fuͤr die Sexus von einer und derſelben Species genau abge- meſſen ſind, nicht ſo aber fuͤr entferntere; 2) wider- ſtreiten dieſer Meinung die beſondern Geſetze, nach welchen ſich die Bildung der Jungen und die be- ſtimmte Zeit von Schwangerſchaft bey jeder Thier- gattung richten. Die zweyte Frage verneint er uͤbri- gens nicht, indem es hinlaͤnglich bekannt iſt, daß ſehr nahe verwandte Thiergattungen, wie z. B. Mauleſel und Stute wirklich Junge erzeugen, und giebt auch nur die dritte unter dieſer Bedingung zu. Daß aber Baſtarde von Begattung der Thiere ganz verſchiedner Ordnungen entſtanden ſeyn ſollen, laͤug- net er gaͤnzlich, wobey er unter andern aufuͤhrt, daß z. B. an eine Baſtarderzeugung aus Begattung von Affen und Menſchen nicht zu denken ſey, weil ja ſelbſt die Reiſebeſchreiber, welche von derſelben erzaͤhlen, ſagen, daß die Weiber unter den viehiſchen Umfaſſungen dieſer Liebhaber elendiglich umgekom- men ſeyen. S. Text S. 82. Not. 17. Man vergl. hiermit Zimmermann geographiſche Geſchichte des Menſchen Bd. 1. S. 130. fgg.
S. 142. ſagt Herr Hofrath Zimmermann in der angefuͤhrten Stelle: „Wenn ich drey Arten wilder „Thiere finde, welche, dem Aeußern nach, dem „Hunde ſehr gleich kommen, ferner einen gleichen „Grad der Zaͤhmung anzunehmen faͤhig ſind, endlich „ſich ſogar mit ihnen fortpflanzen und fruchtbare „Junge zeugen: was haͤlt mich denn ab, den Hund „von dieſen entſprungen zu glauben?“
Dieſe Stelle hat mich auf den Gedanken ge- bracht, daß man vielleicht dieſe ganze Streitfrage
durch
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chen Verhaͤltniſſe der Geburtstheile, welche fuͤr die
Sexus von einer und derſelben Species genau abge-
meſſen ſind, nicht ſo aber fuͤr entferntere; 2) wider-
ſtreiten dieſer Meinung die beſondern Geſetze, nach
welchen ſich die Bildung der Jungen und die be-
ſtimmte Zeit von Schwangerſchaft bey jeder Thier-
gattung richten. Die zweyte Frage verneint er uͤbri-
gens nicht, indem es hinlaͤnglich bekannt iſt, daß
ſehr nahe verwandte Thiergattungen, wie z. B.
Mauleſel und Stute wirklich Junge erzeugen, und
giebt auch nur die dritte unter dieſer Bedingung zu.
Daß aber Baſtarde von Begattung der Thiere ganz
verſchiedner Ordnungen entſtanden ſeyn ſollen, laͤug-
net er gaͤnzlich, wobey er unter andern aufuͤhrt,
daß z. B. an eine Baſtarderzeugung aus Begattung
von Affen und Menſchen nicht zu denken ſey, weil
ja ſelbſt die Reiſebeſchreiber, welche von derſelben
erzaͤhlen, ſagen, daß die Weiber unter den viehiſchen
Umfaſſungen dieſer Liebhaber elendiglich umgekom-
men ſeyen. S. Text S. 82. Not. 17. Man vergl.
hiermit Zimmermann geographiſche Geſchichte des
Menſchen Bd. 1. S. 130. fgg.
S. 142. ſagt Herr Hofrath Zimmermann in der
angefuͤhrten Stelle: „Wenn ich drey Arten wilder
„Thiere finde, welche, dem Aeußern nach, dem
„Hunde ſehr gleich kommen, ferner einen gleichen
„Grad der Zaͤhmung anzunehmen faͤhig ſind, endlich
„ſich ſogar mit ihnen fortpflanzen und fruchtbare
„Junge zeugen: was haͤlt mich denn ab, den Hund
„von dieſen entſprungen zu glauben?“
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Kommentar zur DTA-Ausgabe
"Über die natürlichen Verschiedenheiten im Mensch… [mehr]
"Über die natürlichen Verschiedenheiten im Menschengeschlechte" ist die überarbeitete Fassung von Blumenbachs Dissertationsschrift "De generis humani varietate nativa" (1. Aufl. 1775 bei Friedrich Andreas Rosenbusch in Göttingen). Die Dissertation erschien in lateinischer Sprache; für das DTA wurde Johann Gottfried Grubers Übersetzung der dritten Auflage von Blumenbachs Dissertation (1795 bei Vandenhoek & Ruprecht) digitalisiert, die 1798 in Leipzig bei Breitkopf & Härtel erschien. Erstmals lag hiermit Blumenbachs Werk "De generis humani varietate nativa" in deutscher Sprache vor.
Blumenbach, Johann Friedrich: Über die natürlichen Verschiedenheiten im Menschengeschlechte. Leipzig, 1798, S. 268. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_menschengeschlecht_1798/302>, abgerufen am 11.09.2024.
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