Daß der Mensch keimen Aufhängemuskel des Auges oder Augapfel, oder siebenten Muskel habe, womit die vierfüßigen Säugthiere versehen sind, hat nach der natürlichen Wahrheit zuerst Fallopius gelehrt h).
Daß die menschliche Frucht in keine Harnhaut (allantois) eingewickelt sey, was bey den übrigen, nur nicht allen, Säugthieren der Fall ist, hat man nur neuerlich erst dargethan i).
Ich übergehe andere Theile, welche, wiewohl sie nur in wenigern Thiergattungen angetroffen, doch um nichts minder eine Zeitlang auch dem Menschen fälschlich beygelegt worden sind, als die sogenannte Asellische Gekrösedrüse, die eigenen Kanäle aus der Leber in die Gallenblase, den Körper des High- morus (Hodenkamm) u. s. w.
Oder die Theile, welche auch nur einigen Ord- nungen der Säugthiere zukommen, und dem Men- schen so offenbar verweigert sind, daß sie ihm nicht leicht jemand wird zuschreiben können, wohin ich z. B. die innere Augendecke rechne (welche ich der Ordnung der Darstellung gemäßer hier nennen zu müssen glaubte, obschon sie mehr zu den äußern Thei- len gehört) und das Spannaderband des Halses (ligamentum suspensorium colli) und noch mehre- res von dieser Art k).
Das Zungenloch an den obern Vorderzähnen (foramen incisiuum) hat der Mensch zwar mit den vierfüßigen Thieren gemein, doch ist es nach Ver- hältniß kleiner bey ihm, und einfach, da es bey den meisten übrigen Säugthieren doppelt, und bey vielen ungeheuer groß ist.
§. 15.
Daß der Menſch keimen Aufhaͤngemuskel des Auges oder Augapfel, oder ſiebenten Muskel habe, womit die vierfuͤßigen Saͤugthiere verſehen ſind, hat nach der natuͤrlichen Wahrheit zuerſt Fallopius gelehrt h).
Daß die menſchliche Frucht in keine Harnhaut (allantois) eingewickelt ſey, was bey den uͤbrigen, nur nicht allen, Saͤugthieren der Fall iſt, hat man nur neuerlich erſt dargethan i).
Ich uͤbergehe andere Theile, welche, wiewohl ſie nur in wenigern Thiergattungen angetroffen, doch um nichts minder eine Zeitlang auch dem Menſchen faͤlſchlich beygelegt worden ſind, als die ſogenannte Aſelliſche Gekroͤſedruͤſe, die eigenen Kanaͤle aus der Leber in die Gallenblaſe, den Koͤrper des High- morus (Hodenkamm) u. ſ. w.
Oder die Theile, welche auch nur einigen Ord- nungen der Saͤugthiere zukommen, und dem Men- ſchen ſo offenbar verweigert ſind, daß ſie ihm nicht leicht jemand wird zuſchreiben koͤnnen, wohin ich z. B. die innere Augendecke rechne (welche ich der Ordnung der Darſtellung gemaͤßer hier nennen zu muͤſſen glaubte, obſchon ſie mehr zu den aͤußern Thei- len gehoͤrt) und das Spannaderband des Halſes (ligamentum ſuſpenſorium colli) und noch mehre- res von dieſer Art k).
Das Zungenloch an den obern Vorderzaͤhnen (foramen inciſiuum) hat der Menſch zwar mit den vierfuͤßigen Thieren gemein, doch iſt es nach Ver- haͤltniß kleiner bey ihm, und einfach, da es bey den meiſten uͤbrigen Saͤugthieren doppelt, und bey vielen ungeheuer groß iſt.
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Daß der Menſch keimen Aufhaͤngemuskel des
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nach der natuͤrlichen Wahrheit zuerſt Fallopius
gelehrt h).
Daß die menſchliche Frucht in keine Harnhaut
(allantois) eingewickelt ſey, was bey den uͤbrigen,
nur nicht allen, Saͤugthieren der Fall iſt, hat man
nur neuerlich erſt dargethan i).
Ich uͤbergehe andere Theile, welche, wiewohl
ſie nur in wenigern Thiergattungen angetroffen, doch
um nichts minder eine Zeitlang auch dem Menſchen
faͤlſchlich beygelegt worden ſind, als die ſogenannte
Aſelliſche Gekroͤſedruͤſe, die eigenen Kanaͤle aus
der Leber in die Gallenblaſe, den Koͤrper des High-
morus (Hodenkamm) u. ſ. w.
Oder die Theile, welche auch nur einigen Ord-
nungen der Saͤugthiere zukommen, und dem Men-
ſchen ſo offenbar verweigert ſind, daß ſie ihm nicht
leicht jemand wird zuſchreiben koͤnnen, wohin ich z.
B. die innere Augendecke rechne (welche ich der
Ordnung der Darſtellung gemaͤßer hier nennen zu
muͤſſen glaubte, obſchon ſie mehr zu den aͤußern Thei-
len gehoͤrt) und das Spannaderband des Halſes
(ligamentum ſuſpenſorium colli) und noch mehre-
res von dieſer Art k).
Das Zungenloch an den obern Vorderzaͤhnen
(foramen inciſiuum) hat der Menſch zwar mit den
vierfuͤßigen Thieren gemein, doch iſt es nach Ver-
haͤltniß kleiner bey ihm, und einfach, da es bey den
meiſten uͤbrigen Saͤugthieren doppelt, und bey vielen
ungeheuer groß iſt.
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Kommentar zur DTA-Ausgabe
"Über die natürlichen Verschiedenheiten im Mensch… [mehr]
"Über die natürlichen Verschiedenheiten im Menschengeschlechte" ist die überarbeitete Fassung von Blumenbachs Dissertationsschrift "De generis humani varietate nativa" (1. Aufl. 1775 bei Friedrich Andreas Rosenbusch in Göttingen). Die Dissertation erschien in lateinischer Sprache; für das DTA wurde Johann Gottfried Grubers Übersetzung der dritten Auflage von Blumenbachs Dissertation (1795 bei Vandenhoek & Ruprecht) digitalisiert, die 1798 in Leipzig bei Breitkopf & Härtel erschien. Erstmals lag hiermit Blumenbachs Werk "De generis humani varietate nativa" in deutscher Sprache vor.
Blumenbach, Johann Friedrich: Über die natürlichen Verschiedenheiten im Menschengeschlechte. Leipzig, 1798, S. 37. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_menschengeschlecht_1798/71>, abgerufen am 11.09.2024.
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