Eben so wenig habe ich sie in einem andern Ske- lett von derselben Spezies gefunden, welches der berühmte Bellmann, dieser geschickte kasselsche Wund- arzt, aufbewahrt. Es ist von einer sehr alten Meer- katze, worin mehrere Näthe vertilgt sind, daß man also aus diesem einzigen Belege nichts schließen kann.
Allein ein drittes Beyspiel einer solchen Meer- katze ist mir durch den Herrn Prof. Schacht zu Her- ford, meinen sehr lieben Freund, bekannt gewor- den, an welcher jener Knochen ebenfalls mangelte. Von einem vierten Beyspiele einer solchen Meerkatze, woran die Spur eines Zwischenkinnladenbeins gänz- lich mangelt, hat mir der sehr berühmte Arzt zu Manchester, Herr Holme, in einem Briefe Nach- richt gegeben. Es dürfte wohl der Mühe werth seyn, wo dies Thier sonst angetroffen wird, zu untersu- chen, ob der Zwischenkinnladenknochen an ihm zu finden sey oder nicht.
In dem entsetzlichen Skelett eines wirklich unge- heuer großen Menschenähnlichen Affen von der Insel Borneo, welches ich in dem Naturalienkabinet des Fürsten von Oranien zu Haag sorgfältig und zu wie- derholtenmalen untersucht habe, habe ich auch nicht die geringste Spur von jenen Näthen entdeckt; daß aber dieser Affe alt gewesen, zeigt sowohl die ganze Beschaffenheit des Skeletts, als besonders das Ver- wachsen der meisten Hirnschädelnäthe 27).
Mit
27) Ich wundere mich, wie Camper die entgegengesetzte Meinung hat in Schutz nehmen können. Er behauptet nämlich, daß dieses das Skelett eines noch nicht alten Menschenähnlichen Affen gewesen sey. S. dessen Na- turgeschichte des Orang-Utang. S. 146.
Eben ſo wenig habe ich ſie in einem andern Ske- lett von derſelben Spezies gefunden, welches der beruͤhmte Bellmann, dieſer geſchickte kaſſelſche Wund- arzt, aufbewahrt. Es iſt von einer ſehr alten Meer- katze, worin mehrere Naͤthe vertilgt ſind, daß man alſo aus dieſem einzigen Belege nichts ſchließen kann.
Allein ein drittes Beyſpiel einer ſolchen Meer- katze iſt mir durch den Herrn Prof. Schacht zu Her- ford, meinen ſehr lieben Freund, bekannt gewor- den, an welcher jener Knochen ebenfalls mangelte. Von einem vierten Beyſpiele einer ſolchen Meerkatze, woran die Spur eines Zwiſchenkinnladenbeins gaͤnz- lich mangelt, hat mir der ſehr beruͤhmte Arzt zu Mancheſter, Herr Holme, in einem Briefe Nach- richt gegeben. Es duͤrfte wohl der Muͤhe werth ſeyn, wo dies Thier ſonſt angetroffen wird, zu unterſu- chen, ob der Zwiſchenkinnladenknochen an ihm zu finden ſey oder nicht.
In dem entſetzlichen Skelett eines wirklich unge- heuer großen Menſchenaͤhnlichen Affen von der Inſel Borneo, welches ich in dem Naturalienkabinet des Fuͤrſten von Oranien zu Haag ſorgfaͤltig und zu wie- derholtenmalen unterſucht habe, habe ich auch nicht die geringſte Spur von jenen Naͤthen entdeckt; daß aber dieſer Affe alt geweſen, zeigt ſowohl die ganze Beſchaffenheit des Skeletts, als beſonders das Ver- wachſen der meiſten Hirnſchaͤdelnaͤthe 27).
Mit
27) Ich wundere mich, wie Camper die entgegengeſetzte Meinung hat in Schutz nehmen koͤnnen. Er behauptet naͤmlich, daß dieſes das Skelett eines noch nicht alten Menſchenaͤhnlichen Affen geweſen ſey. S. deſſen Na- turgeſchichte des Orang-Utang. S. 146.
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Eben ſo wenig habe ich ſie in einem andern Ske-
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beruͤhmte Bellmann, dieſer geſchickte kaſſelſche Wund-
arzt, aufbewahrt. Es iſt von einer ſehr alten Meer-
katze, worin mehrere Naͤthe vertilgt ſind, daß man
alſo aus dieſem einzigen Belege nichts ſchließen kann.
Allein ein drittes Beyſpiel einer ſolchen Meer-
katze iſt mir durch den Herrn Prof. Schacht zu Her-
ford, meinen ſehr lieben Freund, bekannt gewor-
den, an welcher jener Knochen ebenfalls mangelte.
Von einem vierten Beyſpiele einer ſolchen Meerkatze,
woran die Spur eines Zwiſchenkinnladenbeins gaͤnz-
lich mangelt, hat mir der ſehr beruͤhmte Arzt zu
Mancheſter, Herr Holme, in einem Briefe Nach-
richt gegeben. Es duͤrfte wohl der Muͤhe werth ſeyn,
wo dies Thier ſonſt angetroffen wird, zu unterſu-
chen, ob der Zwiſchenkinnladenknochen an ihm zu
finden ſey oder nicht.
In dem entſetzlichen Skelett eines wirklich unge-
heuer großen Menſchenaͤhnlichen Affen von der Inſel
Borneo, welches ich in dem Naturalienkabinet des
Fuͤrſten von Oranien zu Haag ſorgfaͤltig und zu wie-
derholtenmalen unterſucht habe, habe ich auch nicht
die geringſte Spur von jenen Naͤthen entdeckt; daß
aber dieſer Affe alt geweſen, zeigt ſowohl die ganze
Beſchaffenheit des Skeletts, als beſonders das Ver-
wachſen der meiſten Hirnſchaͤdelnaͤthe 27).
Mit
27) Ich wundere mich, wie Camper die entgegengeſetzte
Meinung hat in Schutz nehmen koͤnnen. Er behauptet
naͤmlich, daß dieſes das Skelett eines noch nicht alten
Menſchenaͤhnlichen Affen geweſen ſey. S. deſſen Na-
turgeſchichte des Orang-Utang. S. 146.
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Kommentar zur DTA-Ausgabe
"Über die natürlichen Verschiedenheiten im Mensch… [mehr]
"Über die natürlichen Verschiedenheiten im Menschengeschlechte" ist die überarbeitete Fassung von Blumenbachs Dissertationsschrift "De generis humani varietate nativa" (1. Aufl. 1775 bei Friedrich Andreas Rosenbusch in Göttingen). Die Dissertation erschien in lateinischer Sprache; für das DTA wurde Johann Gottfried Grubers Übersetzung der dritten Auflage von Blumenbachs Dissertation (1795 bei Vandenhoek & Ruprecht) digitalisiert, die 1798 in Leipzig bei Breitkopf & Härtel erschien. Erstmals lag hiermit Blumenbachs Werk "De generis humani varietate nativa" in deutscher Sprache vor.
Blumenbach, Johann Friedrich: Über die natürlichen Verschiedenheiten im Menschengeschlechte. Leipzig, 1798, S. 41. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_menschengeschlecht_1798/75>, abgerufen am 11.09.2024.
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