Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. Bd. 1. Göttingen, 1779.

Bild:
<< vorherige Seite

wässern, und ist mehr ein eigentliches Wasser-
thier, als die obige Wasserratte. Ihre Füsse ha-
ben zwar keine Schwimmhaut: Jede Zähe ist
aber zu beiden Seiten mit kurzen breiten Härchen
besetzt; die die Füsse zum Rudern ungemein ge-
schickt machen. Die Oefnung des Gehörgangs
kann das Thier durch eine Klappe zuschliessen, so
lang es unter Wasser ist. Es närt sich von Re-
genwürmern etc. kommt wenig zum Vorschein,
läßt sich am meisten früh Morgens blicken, ist
aber wegen seiner Behendigkeit schwer zu fangen.

17. talpa. caput rostratum, palmae fos-
soriae.

1. +. Europaea. der Maulwurf. T. cauda
breviore, auriculis plane nullis
. *

Der Maulwurf ist ein sehr unschuldiges Ge-
schöpf, der das Erdreich locker erhalt, Insecten
und Regenwürmer vertilgt, und in Verhältnis
gegen seine Nutzbarkeit den Gärten sehr geringen
Schaden thut. Sein Aufenthalt ist blos unter
der Erde, wozu ihm seine Schaufelpfoten, und
ein sonderbares Brustbein, was der Vögel ihrem
änelt, zu passe kommen. Er hat gar keine äusse-
re Ohren, und so kleine Augen, daß ihn das Al-
terthum deshalb für blind*) verschrieen hat.
Die Natur hat ihn für diese scheinbaren Mängel
dadurch, daß er ausser Regen und Menschen fast
keinen Feind kennt, durch ein ungemein feines
Fell, und durch gewisse andere körperliche Talen-
te zu entschädigen gewußt. Es giebt auch weiße
und gesteckte Maulwürfe.

*) Von Art seyn alle Maulwurff blind,
Kein sehenden man nimmer find.Burc. Waldis.

wässern, und ist mehr ein eigentliches Wasser-
thier, als die obige Wasserratte. Ihre Füsse ha-
ben zwar keine Schwimmhaut: Jede Zähe ist
aber zu beiden Seiten mit kurzen breiten Härchen
besetzt; die die Füsse zum Rudern ungemein ge-
schickt machen. Die Oefnung des Gehörgangs
kann das Thier durch eine Klappe zuschliessen, so
lang es unter Wasser ist. Es närt sich von Re-
genwürmern ꝛc. kommt wenig zum Vorschein,
läßt sich am meisten früh Morgens blicken, ist
aber wegen seiner Behendigkeit schwer zu fangen.

17. talpa. caput rostratum, palmae fos-
soriae.

1. †. Europaea. der Maulwurf. T. cauda
breviore, auriculis plane nullis
. *

Der Maulwurf ist ein sehr unschuldiges Ge-
schöpf, der das Erdreich locker erhalt, Insecten
und Regenwürmer vertilgt, und in Verhältnis
gegen seine Nutzbarkeit den Gärten sehr geringen
Schaden thut. Sein Aufenthalt ist blos unter
der Erde, wozu ihm seine Schaufelpfoten, und
ein sonderbares Brustbein, was der Vögel ihrem
änelt, zu passe kommen. Er hat gar keine äusse-
re Ohren, und so kleine Augen, daß ihn das Al-
terthum deshalb für blind*) verschrieen hat.
Die Natur hat ihn für diese scheinbaren Mängel
dadurch, daß er ausser Regen und Menschen fast
keinen Feind kennt, durch ein ungemein feines
Fell, und durch gewisse andere körperliche Talen-
te zu entschädigen gewußt. Es giebt auch weiße
und gesteckte Maulwürfe.

*) Von Art seyn alle Maulwurff blind,
Kein sehenden man nimmer find.Burc. Waldis.
<TEI>
  <text xml:id="blume_hbnatur_000021">
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p rendition="#l1em"><pb facs="#f0108" xml:id="pb086_0001" n="86"/>
wässern, und ist mehr ein eigentliches Wasser-<lb/>
thier, als die obige Wasserratte. Ihre Füsse ha-<lb/>
ben zwar keine Schwimmhaut: Jede Zähe ist<lb/>
aber zu beiden Seiten mit kurzen breiten Härchen<lb/>
besetzt; die die Füsse zum Rudern ungemein ge-<lb/>
schickt machen. Die Oefnung des Gehörgangs<lb/>
kann das Thier durch eine Klappe zuschliessen, so<lb/>
lang es unter Wasser ist. Es närt sich von Re-<lb/>
genwürmern &#xA75B;c. kommt wenig zum Vorschein,<lb/>
läßt sich am meisten früh Morgens blicken, ist<lb/>
aber wegen seiner Behendigkeit schwer zu fangen.</p>
              <p rendition="#indent-1">17. <hi rendition="#g"><hi rendition="#k"><hi rendition="#aq">talpa</hi></hi></hi>. <hi rendition="#aq">caput rostratum, palmae fos-<lb/>
soriae.</hi></p>
              <p rendition="#indent-2">1. &#x2020;. <hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">Europaea</hi></hi>. der Maulwurf. <hi rendition="#aq">T. cauda<lb/>
breviore, auriculis plane nullis</hi>. *</p>
              <p rendition="#l1em">Der Maulwurf ist ein sehr unschuldiges Ge-<lb/>
schöpf, der das Erdreich locker erhalt, Insecten<lb/>
und Regenwürmer vertilgt, und in Verhältnis<lb/>
gegen seine Nutzbarkeit den Gärten sehr geringen<lb/>
Schaden thut. Sein Aufenthalt ist blos unter<lb/>
der Erde, wozu ihm seine Schaufelpfoten, und<lb/>
ein sonderbares Brustbein, was der Vögel ihrem<lb/>
änelt, zu passe kommen. Er hat gar keine äusse-<lb/>
re Ohren, und so kleine Augen, daß ihn das Al-<lb/>
terthum deshalb für blind<note anchored="true" place="foot" n="*)"><p>Von Art seyn alle Maulwurff blind,<lb/>
Kein sehenden man nimmer find.</p><p rendition="#right">Burc. Waldis.</p></note> verschrieen hat.<lb/>
Die Natur hat ihn für diese scheinbaren Mängel<lb/>
dadurch, daß er ausser Regen und Menschen fast<lb/>
keinen Feind kennt, durch ein ungemein feines<lb/>
Fell, und durch gewisse andere körperliche Talen-<lb/>
te zu entschädigen gewußt. Es giebt auch weiße<lb/>
und gesteckte Maulwürfe.</p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[86/0108] wässern, und ist mehr ein eigentliches Wasser- thier, als die obige Wasserratte. Ihre Füsse ha- ben zwar keine Schwimmhaut: Jede Zähe ist aber zu beiden Seiten mit kurzen breiten Härchen besetzt; die die Füsse zum Rudern ungemein ge- schickt machen. Die Oefnung des Gehörgangs kann das Thier durch eine Klappe zuschliessen, so lang es unter Wasser ist. Es närt sich von Re- genwürmern ꝛc. kommt wenig zum Vorschein, läßt sich am meisten früh Morgens blicken, ist aber wegen seiner Behendigkeit schwer zu fangen. 17. talpa. caput rostratum, palmae fos- soriae. 1. †. Europaea. der Maulwurf. T. cauda breviore, auriculis plane nullis. * Der Maulwurf ist ein sehr unschuldiges Ge- schöpf, der das Erdreich locker erhalt, Insecten und Regenwürmer vertilgt, und in Verhältnis gegen seine Nutzbarkeit den Gärten sehr geringen Schaden thut. Sein Aufenthalt ist blos unter der Erde, wozu ihm seine Schaufelpfoten, und ein sonderbares Brustbein, was der Vögel ihrem änelt, zu passe kommen. Er hat gar keine äusse- re Ohren, und so kleine Augen, daß ihn das Al- terthum deshalb für blind *) verschrieen hat. Die Natur hat ihn für diese scheinbaren Mängel dadurch, daß er ausser Regen und Menschen fast keinen Feind kennt, durch ein ungemein feines Fell, und durch gewisse andere körperliche Talen- te zu entschädigen gewußt. Es giebt auch weiße und gesteckte Maulwürfe. *) Von Art seyn alle Maulwurff blind, Kein sehenden man nimmer find. Burc. Waldis.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Editura GmbH & Co.KG, Berlin: Volltexterstellung und Basis-TEI-Auszeichung
Johann Friedrich Blumenbach – online: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2013-08-26T09:00:15Z)
Frank Wiegand: Konvertierung nach DTA-Basisformat (2013-08-26T09:00:15Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Nicht erfasst: Bogensignaturen und Kustoden, Kolumnentitel.
  • Auf Titelblättern wurde auf die Auszeichnung der Schriftgrößenunterschiede zugunsten der Identifizierung von <titlePart>s verzichtet.
  • Keine Auszeichnung der Initialbuchstaben am Kapitelanfang.
  • Langes ſ: als s transkribiert.
  • Hochgestellte e über Vokalen: in moderner Schreibweise erfasst.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1779
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1779/108
Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. Bd. 1. Göttingen, 1779, S. 86. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1779/108>, abgerufen am 12.05.2021.