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Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. Bd. 1. Göttingen, 1779.

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nig. Zum Gefechte stellt er sich auf die Hinter-
füsse, drückt und schlägt seinen Feind mit den
Vordertatzen, und bedient sich der Klauen oder
des Gebisses seltner als andere reissende Thiere.
Junge Bären lassen sich leicht zähmen, und sind
bis zur Zeit der Mannbarkeit ungemein possierli-
che Thiere. Im Winter schläft dieses Thier, die
Länge dieses Schlafs variirt aber nach Verschie-
denheit des Clima. Freytags Bärenfang*) ist
in Crain, Polen etc. allgemein gebräuchlich. Den
Kopf ausgenommen, hat des Bären Gerippe mit
dem menschlichen ungemein viel Aenlichkeit. Man
kennt verschiedene Spielarten unter den Bären;
die großen schwarzen Ameisenbären; die kleinen
hellbraunen Honigbären; die noch kleinern weiß-
lichten Silberbären.

2. Maritimus. der weisse Bär, Polarbär.
U. albus, collo et rostro elongatis.

Pennant, synopsis of quadrupeds, tab. XX.
fig. I.

Der Polarbärist allerdings eine eigne Gattung,
die nicht mit der weissen Spielart des gemeinen
Bären verwechselt werden darf. Er wird viel
grösser, bey zwölf Fus lang, hat schlankere Glie-
der, weisses langzottichtes Haar, hält sich in
der nördlichsten Erde, beym Treibeis und am
Meerufer auf, schwimmt und taucht sehr ge-
schickt, nährt sich von Fischen, tobten Seehun-
hunden und Wallfischen, geht aber auch sehr
leicht Menschen an, wie Heemskerk auf Neu Zem-
bla**) u. a. erfahren haben.

*) Robinson Crusoe, Vol. I. p. 275. sqq.
**) Begin ende Voortgangh van de Oost. indische Com-
pagnie
. 1646. 4to transv.

nig. Zum Gefechte stellt er sich auf die Hinter-
füsse, drückt und schlägt seinen Feind mit den
Vordertatzen, und bedient sich der Klauen oder
des Gebisses seltner als andere reissende Thiere.
Junge Bären lassen sich leicht zähmen, und sind
bis zur Zeit der Mannbarkeit ungemein possierli-
che Thiere. Im Winter schläft dieses Thier, die
Länge dieses Schlafs variirt aber nach Verschie-
denheit des Clima. Freytags Bärenfang*) ist
in Crain, Polen ꝛc. allgemein gebräuchlich. Den
Kopf ausgenommen, hat des Bären Gerippe mit
dem menschlichen ungemein viel Aenlichkeit. Man
kennt verschiedene Spielarten unter den Bären;
die großen schwarzen Ameisenbären; die kleinen
hellbraunen Honigbären; die noch kleinern weiß-
lichten Silberbären.

2. Maritimus. der weisse Bär, Polarbär.
U. albus, collo et rostro elongatis.

Pennant, synopsis of quadrupeds, tab. XX.
fig. I.

Der Polarbärist allerdings eine eigne Gattung,
die nicht mit der weissen Spielart des gemeinen
Bären verwechselt werden darf. Er wird viel
grösser, bey zwölf Fus lang, hat schlankere Glie-
der, weisses langzottichtes Haar, hält sich in
der nördlichsten Erde, beym Treibeis und am
Meerufer auf, schwimmt und taucht sehr ge-
schickt, nährt sich von Fischen, tobten Seehun-
hunden und Wallfischen, geht aber auch sehr
leicht Menschen an, wie Heemskerk auf Neu Zem-
bla**) u. a. erfahren haben.

*) Robinson Crusoe, Vol. I. p. 275. sqq.
**) Begin ende Voortgangh van de Oost. indische Com-
pagnie
. 1646. 4to transv.
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[99/0121] nig. Zum Gefechte stellt er sich auf die Hinter- füsse, drückt und schlägt seinen Feind mit den Vordertatzen, und bedient sich der Klauen oder des Gebisses seltner als andere reissende Thiere. Junge Bären lassen sich leicht zähmen, und sind bis zur Zeit der Mannbarkeit ungemein possierli- che Thiere. Im Winter schläft dieses Thier, die Länge dieses Schlafs variirt aber nach Verschie- denheit des Clima. Freytags Bärenfang *) ist in Crain, Polen ꝛc. allgemein gebräuchlich. Den Kopf ausgenommen, hat des Bären Gerippe mit dem menschlichen ungemein viel Aenlichkeit. Man kennt verschiedene Spielarten unter den Bären; die großen schwarzen Ameisenbären; die kleinen hellbraunen Honigbären; die noch kleinern weiß- lichten Silberbären. 2. Maritimus. der weisse Bär, Polarbär. U. albus, collo et rostro elongatis. Pennant, synopsis of quadrupeds, tab. XX. fig. I. Der Polarbärist allerdings eine eigne Gattung, die nicht mit der weissen Spielart des gemeinen Bären verwechselt werden darf. Er wird viel grösser, bey zwölf Fus lang, hat schlankere Glie- der, weisses langzottichtes Haar, hält sich in der nördlichsten Erde, beym Treibeis und am Meerufer auf, schwimmt und taucht sehr ge- schickt, nährt sich von Fischen, tobten Seehun- hunden und Wallfischen, geht aber auch sehr leicht Menschen an, wie Heemskerk auf Neu Zem- bla **) u. a. erfahren haben. *) Robinson Crusoe, Vol. I. p. 275. sqq. **) Begin ende Voortgangh van de Oost. indische Com- pagnie. 1646. 4to transv.

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Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. Bd. 1. Göttingen, 1779, S. 99. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1779/121>, abgerufen am 12.05.2021.