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Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. Bd. 1. Göttingen, 1779.

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sich nur selten in die Mündung der Flüsse. Er
lebt, wie andre Gattungen dieses Geschlechts, von
Seetang, doch auch von Fischen und vorzüglich
von Häringen. Er ist für die Kamtschadalen und
besonders für die Grönländer und Esquimaux,
ein äusserst wichtiges Geschöpf: sie nähren sich
von seinem Fleisch, kleiden sich in sein Fell, be-
ziehn ihre Sommerhütten und Baidar damit etc.
Auch werden viele Felle in Europa zu Cofferbe-
schlägen verbraucht.

2. Ursina. Der Seebär. P. capite auriculato.
Steller l. c.

Der Seebär findet sich im Sommer Heerden-
weise auf den Inseln des Anadirskischen Archipe-
lagus, von denen er sich im Herbst wieder entfernt,
und vermuthlich in südlichen Zonen überwintert.
Er lebt in Monogamie, und jedes Männchen
hält sich wohl ein Serail von dreysig bis vierzig
Weibgen, die es mit vieler Eifersucht bewacht,
und grimmig gegen seine Rivale zu behaupten
sucht. Die Männchen tyrannisiren gegen ihre
Weibgen, zumal wenn diese in der Sorge für die
Jungen etwas versehn haben, und diese sollen
sich mit thränenden Augen, zu den Füssen ihres
Gatten, wieder in seine Gunst einzuschmeichlen su-
chen. Die alten kraftlosen Seebären entfernen
sich aus der Gesellschaft ihrer Brüder, von denen
sie keine Hülfe zu erwarten haben, und bringen
den traurigen Rest ihrer Tage ganz einsam am
Ufer mit Hungern und Schlafen zu.

3. Leonina. Der Seelöwe. P. capite antice
cristato.

Anson's Voyage tab. XIX.

Ein großes Thier, was wohl zwanzig Fus lang
wird, und wegen der fleischichten Lappen im Ge-

sich nur selten in die Mündung der Flüsse. Er
lebt, wie andre Gattungen dieses Geschlechts, von
Seetang, doch auch von Fischen und vorzüglich
von Häringen. Er ist für die Kamtschadalen und
besonders für die Grönländer und Esquimaux,
ein äusserst wichtiges Geschöpf: sie nähren sich
von seinem Fleisch, kleiden sich in sein Fell, be-
ziehn ihre Sommerhütten und Baidar damit ꝛc.
Auch werden viele Felle in Europa zu Cofferbe-
schlägen verbraucht.

2. Ursina. Der Seebär. P. capite auriculato.
Steller l. c.

Der Seebär findet sich im Sommer Heerden-
weise auf den Inseln des Anadirskischen Archipe-
lagus, von denen er sich im Herbst wieder entfernt,
und vermuthlich in südlichen Zonen überwintert.
Er lebt in Monogamie, und jedes Männchen
hält sich wohl ein Serail von dreysig bis vierzig
Weibgen, die es mit vieler Eifersucht bewacht,
und grimmig gegen seine Rivale zu behaupten
sucht. Die Männchen tyrannisiren gegen ihre
Weibgen, zumal wenn diese in der Sorge für die
Jungen etwas versehn haben, und diese sollen
sich mit thränenden Augen, zu den Füssen ihres
Gatten, wieder in seine Gunst einzuschmeichlen su-
chen. Die alten kraftlosen Seebären entfernen
sich aus der Gesellschaft ihrer Brüder, von denen
sie keine Hülfe zu erwarten haben, und bringen
den traurigen Rest ihrer Tage ganz einsam am
Ufer mit Hungern und Schlafen zu.

3. Leonina. Der Seelöwe. P. capite antice
cristato.

Anson's Voyage tab. XIX.

Ein großes Thier, was wohl zwanzig Fus lang
wird, und wegen der fleischichten Lappen im Ge-

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[140/0163] sich nur selten in die Mündung der Flüsse. Er lebt, wie andre Gattungen dieses Geschlechts, von Seetang, doch auch von Fischen und vorzüglich von Häringen. Er ist für die Kamtschadalen und besonders für die Grönländer und Esquimaux, ein äusserst wichtiges Geschöpf: sie nähren sich von seinem Fleisch, kleiden sich in sein Fell, be- ziehn ihre Sommerhütten und Baidar damit ꝛc. Auch werden viele Felle in Europa zu Cofferbe- schlägen verbraucht. 2. Ursina. Der Seebär. P. capite auriculato. Steller l. c. Der Seebär findet sich im Sommer Heerden- weise auf den Inseln des Anadirskischen Archipe- lagus, von denen er sich im Herbst wieder entfernt, und vermuthlich in südlichen Zonen überwintert. Er lebt in Monogamie, und jedes Männchen hält sich wohl ein Serail von dreysig bis vierzig Weibgen, die es mit vieler Eifersucht bewacht, und grimmig gegen seine Rivale zu behaupten sucht. Die Männchen tyrannisiren gegen ihre Weibgen, zumal wenn diese in der Sorge für die Jungen etwas versehn haben, und diese sollen sich mit thränenden Augen, zu den Füssen ihres Gatten, wieder in seine Gunst einzuschmeichlen su- chen. Die alten kraftlosen Seebären entfernen sich aus der Gesellschaft ihrer Brüder, von denen sie keine Hülfe zu erwarten haben, und bringen den traurigen Rest ihrer Tage ganz einsam am Ufer mit Hungern und Schlafen zu. 3. Leonina. Der Seelöwe. P. capite antice cristato. Anson's Voyage tab. XIX. Ein großes Thier, was wohl zwanzig Fus lang wird, und wegen der fleischichten Lappen im Ge-

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Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. Bd. 1. Göttingen, 1779, S. 140. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1779/162>, abgerufen am 07.03.2021.