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Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. Bd. 1. Göttingen, 1779.

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2. rana. Frösche und Kröten. Corpus
nudum, pedibus quatuor, posticis longio-
ribus.

Die Thiere dieses Geschlechts haben einen kür-
zern Körper und breitern dickern Kopf als die Ei-
dexen. Eine einzige Gattung ausgenommen,
sind die übrigen ungeschwänzt. Die mehresten
haben an den Vorderfüssen freie Zehen, hinten
aber Schwimmfüsse.

1. Pipal, die Pipa, Tedo. R. corpore plano,
rostro spathiformi, digitis anticis muticis
quadridentatis, posticis unguiculatis
. *

Die Pipa ist in den Gewässern von Guiana zu
Hause, und wird durch die überaus sonderbare
und ganz anomalische Weise, mit der die Mut-
ter ihre Jungen ausbrütet, merkwürdig. Das
Männchen streicht nemlich den Laich, den das
Weibchen vorher auf die gewönliche Weise von sich
gegeben, demselben auf den Rücken, wälzt sich
nachher selbst noch rücklings drüber her, drückt
dadurch die Eyerchen in besondere Grübgen die
in der Haut des Weibchens befindlich sind, fest;
und befruchtet sie hierauf mit seinem Saamen.
Diese Eyerchen verwachsen nachher gleichsam
mit der Haut der Mutter, bis nach Verlauf von
beinah drei Monaten die darin befindlichen Jun-
gen zum Ausbruch reif sind, und nach einer kur-
zen Verwandlung den Rücken ihrer Mutter ver-
lasten können. Denn daß die jungen Pipas aller-
dings auch so wie die hieländischen jungen Frösch-
chen eine Verwandlung überstellen, wird, gegen die
gemeine Meynung, aus einer vollständigen Suite
von sechs Exemplaren dieser Thiere erweislich,
die wir aus dem akademischen Museum vor uns
haben, wo beym einen die noch geschlossen Eyer,

2. rana. Frösche und Kröten. Corpus
nudum, pedibus quatuor, posticis longio-
ribus.

Die Thiere dieses Geschlechts haben einen kür-
zern Körper und breitern dickern Kopf als die Ei-
dexen. Eine einzige Gattung ausgenommen,
sind die übrigen ungeschwänzt. Die mehresten
haben an den Vorderfüssen freie Zehen, hinten
aber Schwimmfüsse.

1. Pipal, die Pipa, Tedo. R. corpore plano,
rostro spathiformi, digitis anticis muticis
quadridentatis, posticis unguiculatis
. *

Die Pipa ist in den Gewässern von Guiana zu
Hause, und wird durch die überaus sonderbare
und ganz anomalische Weise, mit der die Mut-
ter ihre Jungen ausbrütet, merkwürdig. Das
Männchen streicht nemlich den Laich, den das
Weibchen vorher auf die gewönliche Weise von sich
gegeben, demselben auf den Rücken, wälzt sich
nachher selbst noch rücklings drüber her, drückt
dadurch die Eyerchen in besondere Grübgen die
in der Haut des Weibchens befindlich sind, fest;
und befruchtet sie hierauf mit seinem Saamen.
Diese Eyerchen verwachsen nachher gleichsam
mit der Haut der Mutter, bis nach Verlauf von
beinah drei Monaten die darin befindlichen Jun-
gen zum Ausbruch reif sind, und nach einer kur-
zen Verwandlung den Rücken ihrer Mutter ver-
lasten können. Denn daß die jungen Pipas aller-
dings auch so wie die hieländischen jungen Frösch-
chen eine Verwandlung überstellen, wird, gegen die
gemeine Meynung, aus einer vollständigen Suite
von sechs Exemplaren dieser Thiere erweislich,
die wir aus dem akademischen Museum vor uns
haben, wo beym einen die noch geschlossen Eyer,

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[258/0281] 2. rana. Frösche und Kröten. Corpus nudum, pedibus quatuor, posticis longio- ribus. Die Thiere dieses Geschlechts haben einen kür- zern Körper und breitern dickern Kopf als die Ei- dexen. Eine einzige Gattung ausgenommen, sind die übrigen ungeschwänzt. Die mehresten haben an den Vorderfüssen freie Zehen, hinten aber Schwimmfüsse. 1. Pipal, die Pipa, Tedo. R. corpore plano, rostro spathiformi, digitis anticis muticis quadridentatis, posticis unguiculatis. * Die Pipa ist in den Gewässern von Guiana zu Hause, und wird durch die überaus sonderbare und ganz anomalische Weise, mit der die Mut- ter ihre Jungen ausbrütet, merkwürdig. Das Männchen streicht nemlich den Laich, den das Weibchen vorher auf die gewönliche Weise von sich gegeben, demselben auf den Rücken, wälzt sich nachher selbst noch rücklings drüber her, drückt dadurch die Eyerchen in besondere Grübgen die in der Haut des Weibchens befindlich sind, fest; und befruchtet sie hierauf mit seinem Saamen. Diese Eyerchen verwachsen nachher gleichsam mit der Haut der Mutter, bis nach Verlauf von beinah drei Monaten die darin befindlichen Jun- gen zum Ausbruch reif sind, und nach einer kur- zen Verwandlung den Rücken ihrer Mutter ver- lasten können. Denn daß die jungen Pipas aller- dings auch so wie die hieländischen jungen Frösch- chen eine Verwandlung überstellen, wird, gegen die gemeine Meynung, aus einer vollständigen Suite von sechs Exemplaren dieser Thiere erweislich, die wir aus dem akademischen Museum vor uns haben, wo beym einen die noch geschlossen Eyer,

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Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. Bd. 1. Göttingen, 1779, S. 258. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1779/280>, abgerufen am 15.08.2022.