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Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. Bd. 1. Göttingen, 1779.

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vergraben scheint, geht mit ihm selbst die grosse
Veränderung vor, daß es aus seinem Larven-
stand zum vollkommnen Insect (lnsectum
declaratum
) umgebildet wird, und nach bestimm-
ter Zeit verschönert und vervollkommnet aus sei-
nem Kerker hervorbrechen kan. Wirklich ist
es eines der bedeutungsvollsten Schauspiele in
der Natur, die Betäubung zu beobachten, mit
der das schlaftrunkene Thier zum zweyten mal das
Licht der Welt begrüst, bis es von seinem Tau-
mel ermuntert, verjüngt und neu belebt davon
flattert, und der Erfüllung seiner noch übrigen
Pflichten entgegen eilt. Manche Insecten ab-
solviren diese lezte Rolle ihres Lebens in einer
sehr kurzen Zeit. Verschiedne bringen, wenn
sie aus ihrer Hülse kriechen, nicht einmal einen
Mund mit zur Welt, sie fressen nicht mehr, sie
wachsen nicht weiter: jene beiden Bestimmun-
gen eines organisirten Körpers hatten sie schon
als Larven erfüllt: Jetzt ist ihnen nur noch die
dritte übrig; sie sollen eine Gattin aufsuchen,
ihr Geschlecht fortpflanzen, und dann der Nach-
kommenschaft Platz machen, und sterben.

§. 150.

Die unmittelbare Brauchbarkeit der In-
secten ist ziemlich einfach: dagegen ist aber der
Antheil, den diese kleinen unbemerkten Thiere
an der grossen Haushaltung der Natur haben,
die Geschäfte die ihnen der Schöpfer zum Wohl

vergraben scheint, geht mit ihm selbst die grosse
Veränderung vor, daß es aus seinem Larven-
stand zum vollkommnen Insect (lnsectum
declaratum
) umgebildet wird, und nach bestimm-
ter Zeit verschönert und vervollkommnet aus sei-
nem Kerker hervorbrechen kan. Wirklich ist
es eines der bedeutungsvollsten Schauspiele in
der Natur, die Betäubung zu beobachten, mit
der das schlaftrunkene Thier zum zweyten mal das
Licht der Welt begrüst, bis es von seinem Tau-
mel ermuntert, verjüngt und neu belebt davon
flattert, und der Erfüllung seiner noch übrigen
Pflichten entgegen eilt. Manche Insecten ab-
solviren diese lezte Rolle ihres Lebens in einer
sehr kurzen Zeit. Verschiedne bringen, wenn
sie aus ihrer Hülse kriechen, nicht einmal einen
Mund mit zur Welt, sie fressen nicht mehr, sie
wachsen nicht weiter: jene beiden Bestimmun-
gen eines organisirten Körpers hatten sie schon
als Larven erfüllt: Jetzt ist ihnen nur noch die
dritte übrig; sie sollen eine Gattin aufsuchen,
ihr Geschlecht fortpflanzen, und dann der Nach-
kommenschaft Platz machen, und sterben.

§. 150.

Die unmittelbare Brauchbarkeit der In-
secten ist ziemlich einfach: dagegen ist aber der
Antheil, den diese kleinen unbemerkten Thiere
an der grossen Haushaltung der Natur haben,
die Geschäfte die ihnen der Schöpfer zum Wohl

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[319/0342] vergraben scheint, geht mit ihm selbst die grosse Veränderung vor, daß es aus seinem Larven- stand zum vollkommnen Insect (lnsectum declaratum) umgebildet wird, und nach bestimm- ter Zeit verschönert und vervollkommnet aus sei- nem Kerker hervorbrechen kan. Wirklich ist es eines der bedeutungsvollsten Schauspiele in der Natur, die Betäubung zu beobachten, mit der das schlaftrunkene Thier zum zweyten mal das Licht der Welt begrüst, bis es von seinem Tau- mel ermuntert, verjüngt und neu belebt davon flattert, und der Erfüllung seiner noch übrigen Pflichten entgegen eilt. Manche Insecten ab- solviren diese lezte Rolle ihres Lebens in einer sehr kurzen Zeit. Verschiedne bringen, wenn sie aus ihrer Hülse kriechen, nicht einmal einen Mund mit zur Welt, sie fressen nicht mehr, sie wachsen nicht weiter: jene beiden Bestimmun- gen eines organisirten Körpers hatten sie schon als Larven erfüllt: Jetzt ist ihnen nur noch die dritte übrig; sie sollen eine Gattin aufsuchen, ihr Geschlecht fortpflanzen, und dann der Nach- kommenschaft Platz machen, und sterben. §. 150. Die unmittelbare Brauchbarkeit der In- secten ist ziemlich einfach: dagegen ist aber der Antheil, den diese kleinen unbemerkten Thiere an der grossen Haushaltung der Natur haben, die Geschäfte die ihnen der Schöpfer zum Wohl

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Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. Bd. 1. Göttingen, 1779, S. 319. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1779/341>, abgerufen am 23.04.2021.