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Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. Bd. 1. Göttingen, 1779.

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Und selbst über die Physiologie der Gehäuse,
über ihre Entstehung, Ausbildung, Farben u.
s. w. ist doch bey aller der weitschichtigen Regi-
stratur der Schneckenhäuser nur noch ein schwa-
ches Licht verbreitet. Es ist uns indeß glaub-
lich, daß die Conchylienschaalen auf eine ähn-
liche Weise, wie die Knochen bey jungen Säu-
gethieren und Vögeln gebildet werden, daß nem-
lich eine gallertige und nachher knorpliche Sub-
stanz die Grundlage des künftigen Gehäuses
ausmachen, in die nur nach und nach Kalkerde
abgesetzt, und Festigkeit bewirkt werde. Das
knorpliche Ansehn der ungebohrnen Conchylien,
dergleichen wir vor uns haben, die Aenlichkeit
der ehedem gebrochnen und nach der Hand wie-
der geheilten Schneckenschaalen mit dem Callus
bey Beinbrüchen, und die Untersuchungen des
Hrn. Herissant begünstigen diese Meynung.
Fast alle Conchylien werden aus Eyern geboh-
ren, und auser dem Papier Nautilus sind die
Thiere der übrigen lebenslang in ihrer Schaale
fest angewachsen: nur sollen die Cypräen all-
jährlich ihr Gehäuse mit einem neuen vertau-
schen. Man vertheilt die weitläuftige Ordnung
am füglichsten nach der Anzal und Bildung der
Schaalen in folgende vier Familien: A) Viel-
schaalige Conchylien. B) Zweyschaalige oder Mu-
scheln, C) einschaalige mit bestimmten Windun-
gen, nemlich die Schnecken, und D) einschaa-
lige ohne dergleichen Windungen.

Und selbst über die Physiologie der Gehäuse,
über ihre Entstehung, Ausbildung, Farben u.
s. w. ist doch bey aller der weitschichtigen Regi-
stratur der Schneckenhäuser nur noch ein schwa-
ches Licht verbreitet. Es ist uns indeß glaub-
lich, daß die Conchylienschaalen auf eine ähn-
liche Weise, wie die Knochen bey jungen Säu-
gethieren und Vögeln gebildet werden, daß nem-
lich eine gallertige und nachher knorpliche Sub-
stanz die Grundlage des künftigen Gehäuses
ausmachen, in die nur nach und nach Kalkerde
abgesetzt, und Festigkeit bewirkt werde. Das
knorpliche Ansehn der ungebohrnen Conchylien,
dergleichen wir vor uns haben, die Aenlichkeit
der ehedem gebrochnen und nach der Hand wie-
der geheilten Schneckenschaalen mit dem Callus
bey Beinbrüchen, und die Untersuchungen des
Hrn. Herissant begünstigen diese Meynung.
Fast alle Conchylien werden aus Eyern geboh-
ren, und auser dem Papier Nautilus sind die
Thiere der übrigen lebenslang in ihrer Schaale
fest angewachsen: nur sollen die Cypräen all-
jährlich ihr Gehäuse mit einem neuen vertau-
schen. Man vertheilt die weitläuftige Ordnung
am füglichsten nach der Anzal und Bildung der
Schaalen in folgende vier Familien: A) Viel-
schaalige Conchylien. B) Zweyschaalige oder Mu-
scheln, C) einschaalige mit bestimmten Windun-
gen, nemlich die Schnecken, und D) einschaa-
lige ohne dergleichen Windungen.

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[419/0442] Und selbst über die Physiologie der Gehäuse, über ihre Entstehung, Ausbildung, Farben u. s. w. ist doch bey aller der weitschichtigen Regi- stratur der Schneckenhäuser nur noch ein schwa- ches Licht verbreitet. Es ist uns indeß glaub- lich, daß die Conchylienschaalen auf eine ähn- liche Weise, wie die Knochen bey jungen Säu- gethieren und Vögeln gebildet werden, daß nem- lich eine gallertige und nachher knorpliche Sub- stanz die Grundlage des künftigen Gehäuses ausmachen, in die nur nach und nach Kalkerde abgesetzt, und Festigkeit bewirkt werde. Das knorpliche Ansehn der ungebohrnen Conchylien, dergleichen wir vor uns haben, die Aenlichkeit der ehedem gebrochnen und nach der Hand wie- der geheilten Schneckenschaalen mit dem Callus bey Beinbrüchen, und die Untersuchungen des Hrn. Herissant begünstigen diese Meynung. Fast alle Conchylien werden aus Eyern geboh- ren, und auser dem Papier Nautilus sind die Thiere der übrigen lebenslang in ihrer Schaale fest angewachsen: nur sollen die Cypräen all- jährlich ihr Gehäuse mit einem neuen vertau- schen. Man vertheilt die weitläuftige Ordnung am füglichsten nach der Anzal und Bildung der Schaalen in folgende vier Familien: A) Viel- schaalige Conchylien. B) Zweyschaalige oder Mu- scheln, C) einschaalige mit bestimmten Windun- gen, nemlich die Schnecken, und D) einschaa- lige ohne dergleichen Windungen.

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Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. Bd. 1. Göttingen, 1779, S. 419. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1779/441>, abgerufen am 08.03.2021.