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Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. Bd. 1. Göttingen, 1779.

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dessen, was nach und nach von der Maschi-
ne abgenutzt wird. Der Mensch z. E. wächst
gemeiniglich bis zum zwanzigsten Jahre zu einer
Höhe von 6 Fuß; seine übrige Lebenszeit hin-
durch wird blos das, was seinem Körper allmäh-
lig abgeht, durch die fernere Ernährung wieder
ersetzt. Dieser Abgang von der einen Seite,
und sein Ersatz von der andern, sind doch aber
so beträchtlich, daß man annehmen kann, der
ganze menschliche Körper werde in Zeit von vier
Jahren immer gänzlich erneuert, so daß wir
heute wenig oder nichts von dem Körper mehr
übrig haben, den unsre Seele vor vier Jahren
bewohnte. Einige Thiere hingegen, wie die Cro-
codille, die großen Wasserschlangen etc. scheinen
gar keine bestimmte Größe zu haben, sondern
ihre ganze Lebenszeit hindurch in die Länge zu
wachsen.

§. 17.

Zum Wachsthum der organisirten K. ge-
hört auch ihre Reproduktion, oder die merk-
würdige Eigenschaft, daß sich verlohrne Theile
ihres Körpers von selbst wieder ersetzen. Sie
gehört zu den weisesten Einrichtungen in der
Natur, und sichert die Thiere und die Pflanzen
bey tausend Gefahren, wo ihr Körper verletzt
wird: sie ist folglich auch einer der grösten Vor-
züge, wodurch die Maschinen aus der Hand des
Schöpfers bey weitem über die grösten Kunst-

dessen, was nach und nach von der Maschi-
ne abgenutzt wird. Der Mensch z. E. wächst
gemeiniglich bis zum zwanzigsten Jahre zu einer
Höhe von 6 Fuß; seine übrige Lebenszeit hin-
durch wird blos das, was seinem Körper allmäh-
lig abgeht, durch die fernere Ernährung wieder
ersetzt. Dieser Abgang von der einen Seite,
und sein Ersatz von der andern, sind doch aber
so beträchtlich, daß man annehmen kann, der
ganze menschliche Körper werde in Zeit von vier
Jahren immer gänzlich erneuert, so daß wir
heute wenig oder nichts von dem Körper mehr
übrig haben, den unsre Seele vor vier Jahren
bewohnte. Einige Thiere hingegen, wie die Cro-
codille, die großen Wasserschlangen ꝛc. scheinen
gar keine bestimmte Größe zu haben, sondern
ihre ganze Lebenszeit hindurch in die Länge zu
wachsen.

§. 17.

Zum Wachsthum der organisirten K. ge-
hört auch ihre Reproduktion, oder die merk-
würdige Eigenschaft, daß sich verlohrne Theile
ihres Körpers von selbst wieder ersetzen. Sie
gehört zu den weisesten Einrichtungen in der
Natur, und sichert die Thiere und die Pflanzen
bey tausend Gefahren, wo ihr Körper verletzt
wird: sie ist folglich auch einer der grösten Vor-
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[24/0046] dessen, was nach und nach von der Maschi- ne abgenutzt wird. Der Mensch z. E. wächst gemeiniglich bis zum zwanzigsten Jahre zu einer Höhe von 6 Fuß; seine übrige Lebenszeit hin- durch wird blos das, was seinem Körper allmäh- lig abgeht, durch die fernere Ernährung wieder ersetzt. Dieser Abgang von der einen Seite, und sein Ersatz von der andern, sind doch aber so beträchtlich, daß man annehmen kann, der ganze menschliche Körper werde in Zeit von vier Jahren immer gänzlich erneuert, so daß wir heute wenig oder nichts von dem Körper mehr übrig haben, den unsre Seele vor vier Jahren bewohnte. Einige Thiere hingegen, wie die Cro- codille, die großen Wasserschlangen ꝛc. scheinen gar keine bestimmte Größe zu haben, sondern ihre ganze Lebenszeit hindurch in die Länge zu wachsen. §. 17. Zum Wachsthum der organisirten K. ge- hört auch ihre Reproduktion, oder die merk- würdige Eigenschaft, daß sich verlohrne Theile ihres Körpers von selbst wieder ersetzen. Sie gehört zu den weisesten Einrichtungen in der Natur, und sichert die Thiere und die Pflanzen bey tausend Gefahren, wo ihr Körper verletzt wird: sie ist folglich auch einer der grösten Vor- züge, wodurch die Maschinen aus der Hand des Schöpfers bey weitem über die grösten Kunst-

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Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. Bd. 1. Göttingen, 1779, S. 24. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1779/46>, abgerufen am 07.03.2021.