Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 2. Aufl. Göttingen, 1782.

Bild:
<< vorherige Seite

die Säfte in den verschiednen Theilen ein
und eben derselben Pflanze dennoch so äusserst
verschieden seyn können.

§. 189.

Ausserdem aber trägt auch die Ver-
schiedenheit des Bodens und des Climas
zur verschiednen Beschaffenheit der Säfte in
den Pflanzen vieles bey: daher denn eines
theils viele in fremden Boden verpflanzte Ge-
wächse sowol in ihrer Bildung als in der
Beschaffenheit ihrer Säfte verändert werden,
dadurch von ihren Kräften verlieren etc. andre
hingegen wie z. B. der Weinstock eben da-
durch noch gewinnen und veredelt werden.
Ueberhaupt nährt jeder Boden seine bestimm-
ten ihm angemeßnen Pflanzen, so daß man
schon aus den wildwachsenden Gewächsen
einer Gegend die Beschaffenheit ihres Bo-
dens errathen kan*); doch hat die gütige
Vorsehung den für das Menschengeschlecht
allerwichtigsten Gewächsen den grossen Vor-
zug verliehen, sich leicht an jedes fremde Clima
zu gewöhnen, so daß z. B. der schwächlich
scheinende Waizen oder die Cartoffeln etc. besser
als Eichen u. a. noch so robustaussehende
Bäume in ganz verschiednen Himmelsstrichen
fortkommen.

*) Prof. Zinn im Hamburg. Magaz. XXII. B. S. 8.

die Säfte in den verschiednen Theilen ein
und eben derselben Pflanze dennoch so äusserst
verschieden seyn können.

§. 189.

Ausserdem aber trägt auch die Ver-
schiedenheit des Bodens und des Climas
zur verschiednen Beschaffenheit der Säfte in
den Pflanzen vieles bey: daher denn eines
theils viele in fremden Boden verpflanzte Ge-
wächse sowol in ihrer Bildung als in der
Beschaffenheit ihrer Säfte verändert werden,
dadurch von ihren Kräften verlieren ꝛc. andre
hingegen wie z. B. der Weinstock eben da-
durch noch gewinnen und veredelt werden.
Ueberhaupt nährt jeder Boden seine bestimm-
ten ihm angemeßnen Pflanzen, so daß man
schon aus den wildwachsenden Gewächsen
einer Gegend die Beschaffenheit ihres Bo-
dens errathen kan*); doch hat die gütige
Vorsehung den für das Menschengeschlecht
allerwichtigsten Gewächsen den grossen Vor-
zug verliehen, sich leicht an jedes fremde Clima
zu gewöhnen, so daß z. B. der schwächlich
scheinende Waizen oder die Cartoffeln ꝛc. besser
als Eichen u. a. noch so robustaussehende
Bäume in ganz verschiednen Himmelsstrichen
fortkommen.

*) Prof. Zinn im Hamburg. Magaz. XXII. B. S. 8.
<TEI>
  <text xml:id="blume_hbnatur_000023">
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0470" xml:id="pb458_0001" n="458"/>
die Säfte in den verschiednen Theilen ein<lb/>
und eben derselben Pflanze dennoch so äusserst<lb/>
verschieden seyn können.</p>
        </div>
        <div n="2">
          <head rendition="#c">§. 189.</head><lb/>
          <p>Ausserdem aber trägt auch die Ver-<lb/>
schiedenheit des Bodens und des Climas<lb/>
zur verschiednen Beschaffenheit der Säfte in<lb/>
den Pflanzen vieles bey: daher denn eines<lb/>
theils viele in fremden Boden verpflanzte Ge-<lb/>
wächse sowol in ihrer Bildung als in der<lb/>
Beschaffenheit ihrer Säfte verändert werden,<lb/>
dadurch von ihren Kräften verlieren &#xA75B;c. andre<lb/>
hingegen wie z. B. der Weinstock eben da-<lb/>
durch noch gewinnen und veredelt werden.<lb/>
Ueberhaupt nährt jeder Boden seine bestimm-<lb/>
ten ihm angemeßnen Pflanzen, so daß man<lb/>
schon aus den wildwachsenden Gewächsen<lb/>
einer Gegend die Beschaffenheit ihres Bo-<lb/>
dens errathen kan<note anchored="true" place="foot" n="*)"><p>Prof. Zinn im Hamburg. Magaz. XXII. B. S. 8.</p></note>; doch hat die gütige<lb/>
Vorsehung den für das Menschengeschlecht<lb/>
allerwichtigsten Gewächsen den grossen Vor-<lb/>
zug verliehen, sich leicht an jedes fremde Clima<lb/>
zu gewöhnen, so daß z. B. der schwächlich<lb/>
scheinende Waizen oder die Cartoffeln &#xA75B;c. besser<lb/>
als Eichen u. a. noch so robustaussehende<lb/>
Bäume in ganz verschiednen Himmelsstrichen<lb/>
fortkommen.</p>
        </div>
        <div n="2">
</div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[458/0470] die Säfte in den verschiednen Theilen ein und eben derselben Pflanze dennoch so äusserst verschieden seyn können. §. 189. Ausserdem aber trägt auch die Ver- schiedenheit des Bodens und des Climas zur verschiednen Beschaffenheit der Säfte in den Pflanzen vieles bey: daher denn eines theils viele in fremden Boden verpflanzte Ge- wächse sowol in ihrer Bildung als in der Beschaffenheit ihrer Säfte verändert werden, dadurch von ihren Kräften verlieren ꝛc. andre hingegen wie z. B. der Weinstock eben da- durch noch gewinnen und veredelt werden. Ueberhaupt nährt jeder Boden seine bestimm- ten ihm angemeßnen Pflanzen, so daß man schon aus den wildwachsenden Gewächsen einer Gegend die Beschaffenheit ihres Bo- dens errathen kan *); doch hat die gütige Vorsehung den für das Menschengeschlecht allerwichtigsten Gewächsen den grossen Vor- zug verliehen, sich leicht an jedes fremde Clima zu gewöhnen, so daß z. B. der schwächlich scheinende Waizen oder die Cartoffeln ꝛc. besser als Eichen u. a. noch so robustaussehende Bäume in ganz verschiednen Himmelsstrichen fortkommen. *) Prof. Zinn im Hamburg. Magaz. XXII. B. S. 8.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Editura GmbH & Co.KG, Berlin: Volltexterstellung und Basis-TEI-Auszeichung
Johann Friedrich Blumenbach – online: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2013-08-26T09:00:15Z)
Frank Wiegand: Konvertierung nach DTA-Basisformat (2013-08-26T09:00:15Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Nicht erfasst: Bogensignaturen und Kustoden, Kolumnentitel.
  • Auf Titelblättern wurde auf die Auszeichnung der Schriftgrößenunterschiede zugunsten der Identifizierung von <titlePart>s verzichtet.
  • Keine Auszeichnung der Initialbuchstaben am Kapitelanfang.
  • Langes ſ: als s transkribiert.
  • Hochgestellte e über Vokalen: in moderner Schreibweise erfasst.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1782
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1782/470
Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 2. Aufl. Göttingen, 1782, S. 458. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1782/470>, abgerufen am 26.05.2022.